Tag : unerzogen

Wasserratte

Mit nichts kann man die kleine F(l)edermaus derzeit glücklicher machen, als mit Schüttspielen. Oft verlangt er nach etwas zu trinken, um es dann 3 Sekunden später auszukippen. Oder in einen größeren Becher zu schütten. Oder in eine Schale. Aus Schalen trinken ist sehr beliebt, seit sein Papa einmal unbedacht die Milch aus einer Müslischale trank und der Kleine das sah. Gläser, Becher, Schalen, Getränke und ganze Mahlzeiten – alles wird aus- und umgeschüttet, in andere Gefäße, auf den Tisch, auf den Boden.

Und wie immer bei Kinder- und Erziehungsdingen gibt es Tage, an denen kann ich damit besser umgehen, und Tage, an denen kann ich damit schlechter umgehen. Tage, an denen ich morgens um halb neun schon dreimal zähneknirschend vergossene Milch aufgewischt habe (hat ja keinen Sinn, drüber zu weinen, nicht wahr? Haha) und Tage, an denen kann ich es ganz gelassen nehmen, wenn er das Wasser aus der Badewanne im ganzen Bad verteilt. Oder wir so wie am Freitag ungeplant und ohne Wechselsachen auf einem Spielplatz mit Wasserpumpe landen und er danach mit klatschnasser Hose in Soldatenmanier durch den Sand krabbelt. Tatsächlich stört mich das Schütten am Tisch am meisten. Nicht so sehr, weil sich das eben nicht gehört – wir geben hier ja selten etwas auf diese „das macht man nicht“ Regeln, sondern, weil es mir keine ruhige Mahlzeit ermöglicht. Und weil es einfach total nervig ist, nach jeder Mahlzeit das Wohnzimmer wischen zu müssen. Und für das Laminat ist es auch nicht so gut.

Tatsche ist, wir haben es mit erklären versucht, mit ruhigen Ansagen, mit vom Tisch wegsetzen, mit Alternativen und ja, ich habe mein Kind auch angebrüllt, wenn mir die Nerven rissen. War nicht schön und ich habe mich dafür bei ihm entschuldigt. Tatsache ist aber auch, egal, was wir taten, das Schütten hörte nicht auf. Also mussten Alternativen her. Schüttspiele mit Reis oder Suppennudeln fand er ganz witzig, aber Schütten am Tisch mit Milch ist einfach geiler. Findet er. Ziemlich einfache, aber unortodoxe Lösung – es liegt seit gestern eine Picknickdecke unter unserem Esstisch. Diese hat eine plastizierte Rückseite und schützt so das Laminat vor Überflutungen. Eigentlich liegt die nur hier, um erstmal den Schall zu dämmen (in unserer Essnische hallt es stark, wir müssen endlich mal Bilder aufhängen etc), aber der wasserdichte Nebeneffekt ist nicht zu verachten 😉 Das allein reicht natürlich nicht, damit das Schütten aufhört. Und so sitzt das Kind teilweise zwei mal am Tag in der gefüllten Duschwanne, umgeben von Stapelbechern, Löffeln, seiner Gießkanne und diversen Schüsseln und Festivalbechern. Er schüttet, schüttet, schüttet, bis das Wasser kalt ist und seine Füße schrumpelig. Meist bleibt das Wasser in der Wanne, das Kind ist glücklich und wird ganz nebenbei sauber und ich sitze daneben und kann lesen oder bloggen. Das nennt man dann wohl eine win-win-Situation 😉

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Kita, Tagesmutter, Spielkreis? Ja was denn nu?

Die kleine F(l)edermaus ist jetzt fast 15 Monate alt und vor einger Zeit flatterte uns der sogenannte „Kita-Pass“ ins Haus. Diesen Ausweis braucht man bei uns bei der Anmeldung in einer Kita oder Spielkreis oder für die Betreuung durch eine Tagesmutter. Er enthält unter anderem die ID-Nummer des Kindes, damit eine Mehrfachanmeldung verhindert wird.

Wir könnten uns nun also festlegen, wo das Kind betreut werden soll. Wir wurden auch schon danach gefragt, z.B. von den Frauen aus meinem ehemaligen Geburtsvorbereitungskurs. Auch Freunde und Bekannte fragen, wie wir das denn machen wollen? Um uns herum sehe ich viele verschiedene Modelle, die Erdnuss geht zur Tagesmutter, viele Kinder in meiner Timeline besuchen eine Kita. Der kleinen F(l)edermaus liebste Spielkameradin ist daheim.

Wir haben uns ebenfalls dafür entschieden, unser Kind nicht „fremdbetreuen“ zu lassen. In eine Kita, da waren wir uns ganz sicher, möchten wir ihn nicht geben – als diese Entscheidung fiel, war er noch sehr viel unausgeglichener als jetzt, aber wir haben unsere Meinung dennoch nicht geändert. Wenn schon woanders betreut, dann wäre eher eine Tagesmutter in Betracht gekommen. Eine kleine Gruppe mit nicht zuvielen Kindern, ein kleiner Betreuungsschlüssel und eben bindungsorientiert und gerne auch unerzogen. Eine Tagesmutter, die den Lütten trägt beim Spaziergang und sich über das Chaos bei BLW nicht aufregt :mrgreen: Erst dachten wir nicht großartig daran (hier ist es nicht so krass, dass man quasi mit positivem Test auch gleich einen Betreuungsplatz suchen muss), und als der Kleine alt genug war, und eben so war, wie er war, da stand die Entscheidung recht schnell: nee, wir verzichten lieber auf das zweite Gehalt und lassen das Kind zu Hause. Wir – das heißt, der Mann – hat sich also hingesetzt und durchgerechnet, ob das überhaupt machbar sei mit nur einem Gehalt. Nun muss man wissen, dass ich auch in der Schwangerschaft nicht mehr angestellt war, stattdessen hab ich so vor mich hingeschrieben, aber alles in allem war das noch nicht so groß ausgebaut und brachte jetzt nicht das bahnbrechende Gehalt, auf das man auf keinen Fall verzichten könne. 😉 (Ja, das ist gleichzeitig auch eine Entscheidung für ein klassisches Rollenmodell, bei der mein Mann Alleinverdiener ist, und ich als „Stay at home Mom“ (ich find den Begriff ja blöd, warum muss man denn bitte alles neumodisch englisch nennen, damit es „besser“ klingt? Was ist aus der guten alten Hausfrau und Mutter geworden?) für Haus und Kind sorge. Mir ist bewusst, dass ich abhängig bin vom Gehalt des Mannes, aber so what, es ist nunmal unsere Entscheidung. Gleichberechtigung beinhaltet für mich auch die Freiheit, mich für ein Leben als Hausfrau und Mutter zu entscheiden.)

Was? Wie wir das Kind daheim lassen können, es braucht doch schließlich frische Luft? Wie konnte ich das vergessen! Ich sag ja gern, für frische Luft mach ich das Fenster auf 😛

Hm? Bewegung? Kinder brauchen doch Bewegung? Haben Sie schonmal ein Kind gesehen, welches gerade das Stehen für sich entdeckt hat und wohl bald das Laufen lernt? Der Herr Sohn macht den lieben langen Tag nichts anders, als wie der Blitz durch die Wohnung zu krabbeln und sich an allem hochzuziehen, was ihm in die Finger kommt. Gerne auch eher locker sitzende Schlumperbüxen – da muss man aufpassen, dass man nicht ungeplant unten ohne dasteht!

Ach, soziale Kontakte braucht er auch. Ja. Na, da ist es ja gut, dass wir nahezu jeden Tag unterwegs sind und kleine Minimenschen in seiner Größe treffen. 😉 Montags Bücherei, zwei mal die Woche Krabbeltreffen, zwei mal die Woche Treffen mit Eltern der Gemeinde (gut, einmal ist es der Gottesdienst, aber das zählt, da sind Kinder! =p)… ich denke, soziale Kontakte zu Kindern hat die kleine F(l)edermaus wahrlich genug. Und so verwarfen wir auch schnell die Idee vom Spielkreis wieder, die zwischenzeitlich auf dem Tisch war. Eigentlich kommen wir nämlich auch ohne anderweitige Betreuung ganz gut zurecht.

Categories: Anderswelt

Ich bin die Expertin. Nämlich.

Kurz vor Silvester drehte sich meine Timeline plötzlich um Mütter und Töchter. Teilweise schwierige Konstellationen tauchten auf, mehr oder weniger fest eingefahrene Denkweisen, Generationenkonflikte bezüglich der eigenen Kindererziehung und der Vorstellung der (Groß)Eltern. Und in mir keimte der Wunsch auf, die eigene, ebenfalls komplizierte Beziehung zu meiner Mutter zu klären.

Denn je älter die kleine F(l)edermaus wurde, desto mehr beschlich mich das Gefühl, meine Mutter interessiere sich nicht für ihr Enkelkind. Eine kleine Stimme flüsterte: „Wozu auch? Sie hat ja noch 10 weitere!“ Und je mehr ich darüber nachdachte, desto geneigter war ich, dieser Stimme zu glauben. Immerhin telefonierten wir selten, wenn wir mal miteinander sprachen, war fast immer ich es, die anrief und generell fragte sie dann nicht nach dem Kind. Auch auf Familienfeiern (die wir spärlich besuchten), nahm sie selten Kontakt zu dem Kleinen auf. Statt dessen hatte ich das Gefühl, sie nähme uns noch immer übel, dass wir die ersten zwei Wochen nach der Geburt ausschließlich für uns haben wollten und uns jeglichen Besuch (nicht nur von ihr, sondern generell) verbaten. Und auf den Familienfeiern schien sie darauf zu warten, dass wir ihr das Kind in den Arm legten, was wir jedoch nicht taten. Wir handelten halt so, wie wir es für unser Kind immer taten – kein Fremder bekam ihn auf den Arm. Nun ist meine Mutter ja im familiären Sinne kein Fremder für das Kind, sondern die Oma – im eigentlichen Sinne ist/war sie es aber eben doch, denn wir sehen uns wirklich sehr selten. So selten, dass sie ihm eben nicht bekannt war. Tatsächlich war es sogar so, dass auch Freunde ihn nicht auf den Arm bekamen, eben, weil er es absolut nicht leiden konnte – aber das wusste meine Mutter nunmal nicht, wir sprachen ja auch nie darüber.

Und letztlich brach uns dieses „nicht miteinander sprechen“ fast das Genick. Dann kam, wie bereits erwähnt, dieser Abend kurz vor Silvester. Um Silvester rum muss ich immer an meinen Papa denken, der eine Lieblingsgeschichte hatte, wenn es um Kommunikation ging. Kennen Sie die Geschichte mit dem Hammer? Ein Mann möchte ein Bild aufhängen, oder etwas reparieren? Keine Ahnung, jedenfalls benötigt er einen Hammer dazu. Leider besitzt er jedoch keinen Hammer, und so beschließt er, zu seinem Nachbarn zu gehen und sich einen Hammer zu leihen. Auf dem Weg zum Nachbarn beschleichen ihn aber Zweifel – der Nachbar, der habe ihn gestern schließlich komisch angesehen. Und heute morgen, da habe er ihn nicht mal gegrüßt. Und letzte Woche auch und überhaupt werde der Nachbar ihm seinen Hamemr sicher nicht leihen, der habe ihn ja noch nie leiden können. Als er beim Nachbarn ankommt, klingelt er quasi Sturm und kaum macht dieser auf, ruft der Mann ihm wutentbrannt entgegen: „Dann behalten sie eben ihren scheiß Hammer, sie Armleuchter!“ – naja, oder so ähnlich, der genaue Wortlaut ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Mann seinem Nachbarn etwas vorwarf, was der so vermutlich gar nicht gedacht hatte.

Mich belastete das schon eine ganze Weile, denn egal, wie kompliziert es manchmal zwischen meiner Mutter und mir ist, das Kind hat schließlich ne Oma und ich möchte nicht, dass er ohne sie aufwächst. Entsprechend nahm ich allen Mut zusammen, schluckte mein Herzklopfen runter und schrieb ihr eine SMS, ob wir nicht mal telefonieren könnten. Ich wollte ein Gespräch von Mutter zu (Groß)Mutter. Am Ende sprachen wir über eine Stunde miteinander und konnten viele Dinge klären. Es kamen viele ungesagte Sachen zur Sprache, von beiden Seiten. Mögliche Verletzungen wurden vorsichtig abgeklärt, künftige dadurch hoffentlich vermieden, Missverständnisse aufgeklärt. Und natürlich kam da auch diese mehr oder weniger typische Generationensache auf den Plan. Junge (oder in meinem Fall halt auch nicht mehr ganz so junge) Erstlingsmutter vs. erfahrene (Groß)Mutter. Wir sprachen über Themen von A wie ablegen (nein, haben wir nicht gemacht, weil er es eben nicht mochte) bis Z wie zweites Kind. („Zu dem Zeitpunkt dachte ich Kind, ihr braucht schnell ein zweites Kind, damit ihr den Jungen nicht so verwöhnt.“) Ich schmunzelte ein wenig in mich hinein. Genau diese Dinge haben wir im letzten Jahr dank unserer Filterbubble immer und immer wieder durchdacht und so konnte ich gelassen reagieren. Denn wenn ich im letzten Jahr eines gelernt habe, dann, dass wir als Eltern die Experten für unser Kind sind. Und so erklärte ich, dass nichts von dem, was wir taten oder tun werden, gegen sie und ihre Qualitäten als Mutter gerichtet seien. Es ist eben nur so, dass wir uns für einen anderen Weg entschieden haben, weil wir gemerkt haben, der Weg, den andere teilweise von uns erwarten, der passt halt nicht auf uns und unser Kind. Wir stillen, tragen, familienbetten, weil es für uns passt. Wir leben gewaltfrei, weil auch das für uns passt. Wir erziehen unser Kind nicht nach dem, was „man“ von uns erwartet (jedenfalls haben wir das nicht vor), sondern nach dem, was wir persönlich für uns wollen. Wir legen unsere Grenzen entsprechend fest. So darf unser Kind hier zum Beispiel auch auf dem Wohnzimmertisch sitzen, obwohl ich in meiner Kindheit immer wieder gehört habe „Auf den Tisch gehört der Kuchen, da hat der Popo nix zu suchen.“ Weil mich der Popo unseres Kindes auf unserem Wohnzimmertisch überhaupt nicht stört. Das heißt im übrigen nicht, dass er das woanders auch darf. Und das alles hat ja nichts damit zu tun, dass ich meiner Mutter oder meinen Schwestern (oder Ihnen da draußen) keine Kindererziehung zutraue. Nur gehen meine Verwandten eben einen Weg, den wir nicht gehen wollen. Das ist unbequem, in erster Linie für uns, wenn wir uns mit der Verwandtschaft auseinander setzen müssen, aber der Erfolg gibt uns recht. Es passt halt für uns.

Diese eine Stunde, in der wir miteinander telefonierten, die war sehr wertvoll. Für uns beide, glaube ich, denn wir konnten beide mal hinter die Fassade des anderen blicken und waren uns nah wie schon lange nicht mehr. Das war sehr schön und ich hoffe, das bleibt jetzt so. Danke Mama!

Categories: Anderswelt, Zweite Seele