Tag : genervt

Der Handwerker

Als wir im März einzogen, waren noch diverse kleinere Mängel am Haus, die behoben werden sollten. Ein tropfender Wasserhahn hier, eine kaputte Falttür da.

Der größte – und skurrilste – Posten war wohl das fehlende Licht auf dem Gäste-WC. Das stille Örtchen war irgendwann einmal nachträglich eingebaut worden, indem entsprechende Rohre verlegt und ein Teil des Flures durch Regips abgetrennt wurde. Leider vergaß man wohl ganz und gar, Licht dorthin zu verlegen. Kein Problem, wir haben nen fähigen Handwerker/Hausmeister an der Hand, der macht das schon, hieß es.

Seitdem eiern wir hin und her wegen Terminabsprachen. Mal rief der Handwerker mich an, er schaffe es heute nicht, mal rief ich ihn an und sagte den Termin wegen 40-Fieber-Kind oder „Kind stürzte sich vom Wickeltisch“ ab. Soweit ja kein Problem, es kann ja immer was dazwischen kommen. Die weitaus häufigeren Situationen waren aber folgende: ich bleibe mit dem nach Bewegung lechzenden Kind heim, denn der Handwerker hatte sich angekündigt. Das gelangweilte Kind tut, was ein gelangweiltes Kind eben so tut, wenn es bei schönem Wetter im Haus bleiben muss. Ich warte und warte – und der Handwerker kommt nicht. Wenn ich Glück habe, kommt am Abend eine Nachricht: „Ich habe es nicht geschafft“. Wenn ich Pech habe, kommt gar keine Nachricht.

Irgendwann bin ich – nun, abgestumpft? Dran gewöhnt, um die im Flur liegende Falttür herumzugehen und abends beim Pinkeln die Klotür einen Spalt offen zu lassen, damit ich Licht habe? Wie auch immer, warum auch immer, es kommen keine weiteren Termine zu Stande. Meine Vermieterin schaltet sich ein, bittet mich, einen erneuten Termin auszumachen mit dem Handwerker, dieser habe bei ihr angerufen. Ich frage mich, warum bitte er nicht bei MIR anruft, aber gut, ich rufe ihn an. Und werde vertröstet: bis Ostern muss er unser Haus fertig haben, das klappe schon, danach habe er viel zu tun. Ich mache einen Termin, er lässt mich hängen. Im Mai sind wir nur unterwegs, mein Mann bekommt eine Mail der Vermieterin, es wurde endlich ein Termin festgelegt, Dienstag oder Mittwoch, ob ich dann da sei? Ich sage für Dienstag meine Termine ab, bespaße bei schönstem Wetter das frisch laufende Kind drinnen – und werde versetzt. Ich bleibe am Mittwoch daheim – und werde versetzt. Am Abend immerhin ein Anruf, er habe es nicht geschafft. Ich denke, dass ich das auch sehe, die blöde Falttür liegt schließlich imemr noch im Flur, schweige aber und weigere mich, am Donnerstag daheim zu bleiben. Nein, auch Freitag kann ich nicht – entweder nächste Woche oder Samstag vormittag. Sein Wochenende, ja, das versaue ich ihm damit, aber ich bin sauer. Samstag bleibt der Mann extra daheim, ich unterstütze eine Freundin – der Mann wird versetzt.

Sonntag vormittag bekomme ich via WhatsApp eine Nachricht: Ich habs nicht geschafft. Alternativtermin Montag, 16 Uhr. Da ich einfach viel zu gutmütig bin, sende ich ihm eine Antwort, in der ich den Termin annehme. Und ihn gleichzeitig darauf hinweise, dass es schön wäre, wenn er absagen würde, wenn abzusehen ist, dass er es nicht schafft, nicht erst Stunden später. Letzte Chance, wenn es heute nicht klappt, informiere ich die Vermieter.

Um 16:30 bekomme ich einen Anruf (!) – er werde sich verspäten, in einer halben Stunde ist er aber sicher da. Um 17:00 ist vom Handwerker noch nichts zu sehen. Gegen halb sechs taucht er auf – ich bringe gerade das müde Kind ins Bett. Der Mann bittet ihn, erst den Wanddurchbruch für das Stromkabel zu machen, das sei ja sicher am lautesten? Der Handwerker guckt, wie vom Donner gerührt. Wie, Wand aufbohren, Kabel ziehen, häh? Ihm geht ebensowenig ein Licht auf wie in unserem Gäste-WC – ach du meine Güte, nee, den Strom hat er ganz vergessen, dafür hat er jetzt auch gar nichts dabei! Der Mann empfiehlt ihm den nächsten Baumarkt, der Handwerker guckt wieder wie vom Donner gerührt und macht sich an das Einfachste – den tropfenden Wasserhahn. Die Tür stellt ihn vor ein Rätsel – die muss ja gekürzt werden! (Wie jede Falttür, btw und genauso, wie meine Vermieterin ihm bei der Besichtigung gesagt hat.) Schlussendlich fährt er doch noch zum Baumarkt, Werkzeug zum Kürzen der Tür besorgen.

Es ist jetzt halb zehn, wir haben ihn gerade verabschiedet. Ich kenne jetzt viele lustige Flüche, die Falttür ist drin (extrem wackelig eingebaut, aber drin), der Wasserhahn tropft nicht mehr und wir haben jetzt ein hübsches Loch in der Wand im Gäste-WC. Licht konnte er nämlich keines legen, ein Kabel zu wenig, von irgendwoher ziehen geht auch nicht, aber er überlegt sich etwas.

Tut er sicherlich. In drei Monaten, wenn er dann wieder mal hier ist.

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Auf dem Trockenen

Kennen Sie die Folge aus Big Bang Theory, wo Sheldon sich (mal wieder) mit Lennard streitet und in Folge dessen den Strom abdreht, damit sie sich wieder vertragen? Die Folge, in der Sheldon seinen bestens ausgearbeiteten Notfallplan präsentiert, inklusive Trinkwassergewinnung aus Urin? Ich muss ja immer ein bisschen schmunzeln, vor allem natürlich wegen der Hommage an Crocodile Dundee, aber ich muss ja generell über Sheldon schmunzeln, auch und vor allem, weil ich mich halt gut mit ihm identifizieren kann.

Was ich jedoch merkwürdig finde, sind Prepper, also Menschen, die sich mittels Nahrungsmittelbunkerung und Waffenvorrat auf jedwege Katastrophe vorbereiten, vom heftigen Schneefall bis hin zur Zombieapokalypse. Also, nicht, dass ich Zombieapokalypsen so abwegig finde, aber ich habe den Survivalguide für einen solchen Fall gelesen und da steht, soweit ich mich erinnern kann, nicht drin, dass man für 10 Jahre Wasser auf Vorrat brauchen würde 😉 Zudem fallen wir als übermüdete Eltern bei einem Zombie-Walk ja eh nicht auf. Ähem.

Heute jedoch hätte ich so einen Wasservorrat doch ganz gut gefunden. Also, nicht für die nächsten zehn Jahre, auch zehn Monate wären zuviel gewesen, aber so ein paar Flaschen Wasser wären schon nett gewesen. Als ich nämlich heute das Kind wickeln und zu diesem Zweck ein Schüsselchen warmes Wasser an den Wickeltisch (von dem er dann abends fast noch runtergepurzelt wäre, aber das ist eine ganz andere Geschichte und nicht halb so nett, wie sich „runterpurzeln“ anhört) stellen wollte, da staunte ich nicht schlecht, denn als ich den Wasserhahn aufdrehte, tat sich genau gar nichts. Ein müdes Rinnsal ergoß sich ins Becken und dann kam nichts mehr. Ich probierte es an sämtlichen Hähnen in der Wohnung, überall das gleiche Trauerspiel. Ein paar Tropfen, dann nichts mehr. Kurzfristig dachte ich darüber nach, ob die Hausverwaltung uns knapp drei Wochen vor Auszug das Wasser abgedreht habe – mittlerweile traue ich denen ja wirklich viel zu – und entschied mich dann, bei der Nachbarin zu klingeln. Diese saß jedoch ebenfalls auf dem Trockenen – irgendwo weiter vorne an der Straße wurde wohl der Boden aufgegraben und zu diesem Zwecke unser Wasser im ganzen Haus abgedreht. Nett, so ohne Vorwarnung. Nicht.

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