Tag : arbeit

Was ich kann

Heute habe ich wirklich wertschätzendes, tolles Feedback von einer bis dato mir völlig unbekannten Person in einer mir doch recht unangenehmen (Prüfungs)situation erhalten.

Ich komme gerade zurück vom Praxistag der Stoffwindelexperten, bei denen ich die Ausbildung zur Stoffwindelberaterin absolviert habe. Heute war nicht nur Praxis- sondern auch Prüfungstag und soviel gleich mal vorweg:

Call me Stoffwindelberaterin 😎 Ich darf mein Angebot also nun auch ganz offiziell erweitern und nicht nur windelfrei coachen, sondern auch eine weitere Alternative zur Wegwerfwindel vorstellen und Menschen etwas über Stoffwindeln erzählen. Hach. <3

Prüfungssituationen sind jedoch auch nach Abi und Uni-Abschluss immer noch nicht meines und entsprechend nervös war ich den ganzen Tag über. Der Abschied vom Kind heute morgen verlief extrem schlecht, er war gerade eine halbe Stunde wach, da musste ich das Haus verlassen und er weinte schlimm, als ich ging. Sehr schlimm. Sämtliche Ablenkungsstrategien versagten, er wollte mir weinend hinterher und musste praktisch vom Papa festgehalten werden, damit ich überhaupt gehen konnte. Ich hörte ihn noch drei Häuser weiter und heulte im Auto meiner Freundin, die mich mitnahm, selbst erstmal eine Runde. Ich war also nicht recht stabil, so emotional gesehen. Dazu kam Nervösität, Angst vor der Prüfung, vor den Menschen, vor der unbekannten Situation eben. Soweit kannte ich das von mir selbst jedoch und dachte mir, das kriegst du irgendwie hin. Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit oder so, war ja in der Uni auch nicht anders – 20% Fakten abrufen können, 80% Show oder so 😉

Womit ich nun aber überhaupt nicht gerechnet hätte, war, dass ich unter Nervosität scheinbar zur echten sozialen Quasselstrippe mutiere 😯 Ich redete und lachte, quatschte, knüpfte Kontakte, half anderen Teilnehmern bei der Suche nach dem passenden Prüfungsmaterial, trug zu allem irgendwas bei (scheinbar sogar was sinnvolles, es hat sich jedenfalls niemand beschwert) und kümmerte mich um die Begleitpersonen, die mitgekommen waren, um sich ihrerseits um die anwesenden Kinder zu kümmern. Zwischendurch lernte ich neues über Stoffwindeln, rekapitulierte bereits erworbenes Wissen und erzählte soviel aus unserem Wickelalltag, dass ich mir schon wie im Scheinwerferlicht vorkam. In den Pausen, in denen ich nicht nervös vor mich hinplapperte, biss ich die Zähne zusammen. Am Ende schmerzten meine Kiefer und keiner hat so richtig mitbekommen, dass ich vor lauter Angst immer wieder zitternde Hände und nervöse Zuckungen hatte. Ich schauspielere scheinbar immer noch besser, als ich selbst dachte und mir tun die Teilnehmer in Köln Anfang Oktober ja schon fast ein bisschen leid. Da mache ich nämlich eine Woche lang die Ausbildung zum Artgerecht-Coach und fürchte, da werde ich ebenso wie das Hühnchen von ab durch die Hecke rumrennen und reden, reden, reden :mrgreen: Davor kommt jedoch noch ein Workshop auf mich zu. Und jede Menge Klinkenputzen 😉 Freu ich mich drauf.

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Klartext

Ich weiß nicht, wann sie das telefonieren gelernt haben, aber ich gehe davon aus, dass es im Kleinkindalter geschah. Zumindest bei mir war das so – und meine Mutter brachte mir bei, höflich zu sein, bitte und danke zu sagen, meinen Namen DEUTLICH auszusprechen und vor allem, mein Gegenüber ausreden zu lassen. Alles Qualifikationen, die mir heute in meinem Job helfen. Alles Qualifikationen, die ich bei vielen meiner Kunden vermisse. Deshalb hier jetzt ein für allemal, die Wünsche einer geplagten Call-Center-Agentin.

1) Lieber Kunde, dein Gegenüber ist ein MENSCH, vergiss das nicht. Niemals.

2) Lass mich ausreden.

3) Wenn du deine Kundennummer nicht parat hast, macht das gar nichts – ich suche dich wirklich wirklich gern raus. Aber bitte sprich deutlich mit mir, damit ich dich verstehen kann.

4) Lass mich ausreden.

5) Wenn du die Bestellnummern nicht kennst, such ich sie dir gern raus – bitte nenne PRÄGNANTE Merkmale des gesuchten Produktes – „ich suche ein T-Shirt“ hilft mir nicht weiter, wir haben zig Shirts im Sortiment.

6) LASS MICH AUSREDEN!

7) Wenn du weder Kundennummer noch Bestellnummer hast, kannst du gern trotzdem bei uns anrufen – aber zick nicht rum, das die Hotline Geld kostet. Hetz mich nicht, das bringt uns nicht weiter.

8) LASS MICH VERDAMMT NOCH MAL AUSREDEN!!!

9) Ich bin ein Mensch. Ich bin keine Maschine, ich werde dir nichts verkaufen, was du nicht willst, ich möchte dir nichts aufquatschen, ich ruf dich nicht morgens um 8 auf einem Sonntag an, um mit dir unser Sortiment zu bequatschen. Vergiss nicht, dass DU etwas von MIR willst, also sei höflich!

10) Lass mich – ihr wisst schon.

Ich weiß nicht, wann Sie ihre gute Kinderstube verlieren, aber – das geht so nicht. Wir sind auch nur Menschen am andren Ende der Line. UND wir werden mies bezahlt. Also seid gefälligst höflich. Oder habt wenigstens Mitleid.

(Der Prophet sagte heute: wird Zeit, dass du nen neuen Job kriegst, du kommst jeden Abend genervt heim.)

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dschobb-gedingse

Seit einer Woche heißt es jetzt wieder „Herzlich Willkommen beim … Bestellservice, mein Name ist Frau Federschwarz, was kann ich für Sie tun?“ Am ersten Tag beobachtete ich mich selbst und stellte erstaunt fest – ich hab trotz der miesen Arbeitsumstände den Spaß am Telefonieren nicht verloren. Und ich weiß trotz der Tatsache, dass ich seit 3 Jahren nicht mehr am Telefon saß, noch immer alle Vorgaben, kann mit dem Programm umgehen und gleichzeitig meine Kunden am Telefon unterhalten. Am ersten Tag saßen wir, das „neugeschulte“ Team, alle zusammen und hatten einen Teamleiter, der nur für uns da war, um eventuelle Fragen zu beantworten. Ich hatte keine. (Jahaaa, geprollt, ich weiß, aber ich bin gut in dem, was ich tue, und wenn die auf der Arbeit das schon nicht erkennen, dann müsst ihr mir das jetzt sagen, so =p ) Selbst die neunzigjährige Dame, dement und mit Ansätzen des Tourrettesyndroms, brachte mich nur kurzzeitig aus der Ruhe. Klar war das anstrengend („Liebe Frau Meiermüllerschulz, sie möchten einen Wecker bestellen?“ „Einen was? Reden sie deutlich, junge Frau, ich verstehe die neue deutsche Sprache nicht!“ „EINEN WECKER?“) zumal sie zwischendurch sinnloses Zeug vor sich hin brabbelte, aber naja, sie wollte einen Wecker, ich konnte ihr einen besorgen, alles gut. (Und sogar Frl. Rottenmeier ist gradezu nett zu mir.)

Das einzige, was nervt, ist der Krampf in der Wangenmuskulatur, wenn ich mir abends das Lächeln abschraube 😉

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#%&!@@%!!!!!!!!

Als ich aus der Strassenbahn stieg und merkte, ich habe meinen Thermobecher vergessen, schwante es mir schon.

Als ich bei der Arbeit ankam und noch vor dem ersten Kaffee mit der Nervensäge der Firma im Aufzug eingepfercht war, wusste ich: es wird ein mieser Tag.

WIE scheisse er allerdings werden würde, wurde mir erst bewusst, als mir, kaum war ich an meinem Platz, eröffnet wurde, das mein Team aufgelöst wird. Unsere Arbeit ist unserem Chef zu teuer. Er hat schlechte Verträge mit Tch*bo ausgehandelt, und WIR dürfen das jetzt ausbaden. Keine Mailbearbeitung mehr, sondern wieder Telefon.

Das bedeutet schlechtere Arbeitsbedingungen, weniger Geld, mehr Stress, vorgeschriebene Pausen, eventuell neuer Teamleiter. Wenn ich bei Frl. Rottenmeier im Team lande kündige ich. Asap.

Fick dich Murphy – so langsam is ja mal gut, nech?!?

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Fräulein Rottenmeier

Kennt ihr sie noch, die verkniffene Gouvernante von Klara? Die ältliche Jungfer, die immer so tut, als sei die kleine Heidi ein kleines dummes Kind?

In letzter Zeit komme ich mir auf der Arbeit immer öfter vor wie Klara und Heidi. Eine der Teamleiterinnen hat scheinbar beschlossen, mich nicht zu mögen. Und mich dementsprechend zu behandeln. Es ist völlig egal, was ich tue, sie zickt mich an, spricht in diesem „Ich nehme dich sowieso nicht ernst“ süßlichem Tonfall mit mir oder macht mir das Leben sonstwie schwer. Suche ich mir selbständig Arbeit, löse ich bei ihr anscheindend den Freidenker-Alarm aus und sie staucht mich massiv zusammen, inklusive Sprüchen wie „du denkst doch sowieso „leck mich am Arsch“, nicht wahr?“ (Für alle anderen teamleiter ist es kein Problem, wenn ich mir selbständig Arbeit suche, die sagen dann: ach, du weißt schon, was du tust.) Frage ich sie, was zu tun ist, reagiert sie genervt, weil sie sich um mich kümmern muss. Sitze ich mit Kopfhörern da und arbeite (bei uns im Büro gibt es immer welche, die Stöpsel im Ohr haben, damit sie sich besser konzentrieren können, ist halt ein Großraumbüro), passt es ihr nicht, dass ich Musik höre. Wenn ich aber da sitze und starr auf meinen Bildschirm sehe und arbeite, während sich zwei Kolleginnen über meinen Kopf hinweg privat unterhalten, krieg ich ebenfalls einen auf den Deckel, denn schließlich würde ich ja zuhören und mich ablenken lassen.

Ich bin seit vier Jahren in dieser Firma und sie behandelt mich immer noch wie ein Kleinkind. Die dumme Neue, die nicht weiß, was sie tut. Ich bin ja auch nur die blöde Studentin, die halt nur drei Tage in der Woche da ist. Die kann man ja triezen. Nun ist es so, dass ich bedingt durch den Stundenplan auch oft am Wochenende arbeite. Und sie arbeitet drei von vier Wochenenden im Monat auch. Also sitze ich in den letzten Monaten jeden Samstag in der Straßenbahn und murmele vor mich hin: „heute ist ein schöner Tag, ich werde mich nicht ärgern lassen, heute ist ein…“ Ganz so arg ist es nicht, aber es nervt schon sehr. Ich hab Mühe, ihr morgens einen schönen guten Morgen zu wünschen und dabei auch noch zu lächeln – es bringt ja nix, wenn ich sie ignoriere, sie hat mich halt auf dem Kieker und sitzt als Teamleiterin am längeren Hebel.

Heute habe ich dann versucht, meine Schicht für Mittwoch vorzuziehen. Geht bei jedem andren relativ problemlos, zumal ich angeboten habe, ich könnte ja dann auch eine Stunde länger machen – ich hab halt jetzt abends Vorlesungen, müsste aber Mittwoch bis 20 Uhr arbeiten. Nein, das müsse ich gefälligst beim Personalreferenten klären. Schon als sie meinen Namen am Telefon hörte, kühlte ihre Stimme merklich ab.

Ich finde das so lächerlich. Wir sind beide erwachsene Frauen, wenn sie mich nicht mag, ja meine Güte, dann ist das halt so. Ist ja nicht so, als ob ich sie sonderlich gut leiden könnte. Man kann doch trotzdem fair miteinander umgehen. Ich weiß echt nicht mehr, was ich tun soll. Beim Betriebsrat könnte ich mich beschweren, aber das ist ein bisschen wie petzen in der Schule, davon wirds ja nicht besser, eher schlimmer. Also werde ich beim neuen Stundenplan Samstags eine regelmäßige Studiengruppe für die Abschlussarbeit angeben. Uni geht vor, das ist bei den Studenten auf der Arbeit so, dann werde ich zumindest nicht mehr Samstags mit ihr zusammen geplant. Unter der Woche sind mehr Leute da, da kann sie mich nicht so sehr triezen.

Lächerlich ist es trotzdem.

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