Tag : angst

Last (wo)man standing

Der Mann und ich, wir ticken völlig unterschiedlich bei Stress. Zwar haben wir beide ziemlich schnell keinen Appetit mehr, aber das war es quasi auch schon an Gemeinsamkeiten.

Ich muss jeden Tag ein paar Seiten lesen, um einen gewissen Entspannungsgrad zu halten. Schaffe ich das nicht, schleicht sich über die Zeit eine unterschwellige Unzufriedenheit ein. Wird der Stresslevel zu hoch, fange ich an zu rotieren. Ich halte solange die Fahne hoch, bis wirklich nichts mehr geht. Ich ignoriere Krankheiten, Viren, Erschöpfungsgrade. The show must go on, u know? Zum Arzt gehe ich erst, wenn ich quasi den Kopf unterm Arm trage und fühle mich dann noch mies, wenn ich um eine Krankschreibung bitte. (Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter mal krank war, bzw, sich die Zeit dazu nahm. Und auch auf der Arbeit konnte man nicht so einfach fehlen, denn dort musste man sich für jeden Krankentag rechtfertigen.) Ich merke erst dann, wie fertig ich bin, wenn ich es schon zu spät ist. Wenn der Meltdown da ist. Und selbst dann klaube ich so schnell es geht wieder Ressourcen zusammen, um wenigstens zu funktionieren. Auf Sparflamme, mit Abstrichen, ja, aber irgendwie geht es weiter. Keine Zeit, keine Zeit zum krank sein, zum Nachdenken, zum zusammenbrechen. (Nachdenken ist eh grad sehr gefährlich, leider kann ich mich nicht genügend konzentrieren, um auch nur ein paar Seiten zu lesen. Tja.)

Der Mann dagegen hat gelernt, auf sich zu achten. Zwei Nervenzusammenbrüche und einen Burn Out sowie eine heftige Magenschleimhautentzündung hat ihn die Erfahrung gekostet. Wenn er sagt, es geht ihm nicht gut, dann geht es ihm wirklich nicht gut. Für mich ist das unheimlich schwierig, schließlich kriege ich ja irgendwie immer noch ein letztes bisschen Energie her, auch wenn ich dann roboterhaft durch die Gegend laufe, der Haushalt nicht läuft, die Wäsche nicht gemacht ist und der Herd geputzt werden müsste. Ich funktioniere, weil ich nicht anders kann, weil es ja nunmal immer irgendwie weiter gehen muss, weil – ja, warum eigentlich?

Categories: Zweite Seele

Meltdown

Gestern war schlimm. Langsam komme ich wieder in die Spur, bekomme meinen Alltag, mein Leben, bekomme IRGENDETWAS auf die Reihe. Gestern habe ich von 6-12 Uhr nahezu durchgängig geweint, ich konnte nichts dagegen tun. Irgendwann ließ ich den Kleinen bei seinem Vater, flüchtete aus dem Raum und stürzte mich in alte Verhaltensmuster, von denen ich dachte, sie seien längst überwunden. Selbstverletzung ist keine schöne Sache, auch wenn dabei kein Blut fließt. Immerhin habe ich darauf verzichtet, mich zu verbrühen. Ein Fortschritt.

Es ist alles zuviel gerade, unser Leben dreht sich irgendwie schneller als der Rest der Welt im Moment. Im Februar beginnt mein Mann eine neue Stelle, Ende Februar ziehen wir um ins Haus, Mitte März kommt die Entscheidung in der Geschichte, über die ich nichts sagen darf, weil es zu gefährlich wäre, wenn vorab etwas durchsickert. Gefährlich für uns, für unser Leben, unsere Existenz. Vertraute, die davon wissen, sagen, es wird schon alles gut, Fachpersonal, das ebenfalls eingeschaltet ist, nehmen die Sache locker und tun für meinen Geschmack zu wenig für das Geld, was sie von uns bekommen, in mir bohrt eine hartnäckige Stimme: und was ist, wenn die sich irren? Das Kind lernt gerade laufen, bekommt Zähne, ist seit vier Nächten um drei Uhr nachts wach, lässt sich nur mit Dauerstillen beruhigen, fiebert immer mal wieder und hat Durchfall. Der Mann hat Magenkrämpfe, die sich beunruhigend ähnlich denen im Dezember vor zwei Jahren anfühlen, als er vor Schmerzen wimmernd auf dem Teppich lag. Ich schleppe eine Blasenentzündung mit mir rum, bei denen ich nicht weiß, wie akut die denn nun wirklich ist, da ich es nicht schaffe, zum Telefonhörer zu greifen und einen Termin beim Arzt zu machen. Alle drei haben wir Schnupfen. Das Auto ist kaputt, wir müssen irgendwie das Haus renovieren, die Wohnung soll auch bis Ende des Mietverhältnisses fertig sein und unsere Nachbarn (jene, welche sich minimum einmal im Monat so aggressiv streiten, dass ich auf unserem Sofa zusammenzucke) drehen durch und fordern uns auf, unsere Türen leiser zu schließen, man habe sich schon bei Ihnen beschwert. Eine der Mäuse hat einen Tumor an der Duftdrüse (auch hier müsste längst ein Arzttermin gemacht sein), generell muss ich die Mäuse vermitteln, da ich sie eigentlich nicht mit ins Haus nehmen möchte, die Katze frisst mal gut, mal weniger gut und im Freundeskreis sind Dinge passiert, über die man am liebsten den Mantel des Schweigens breiten sollte. Und während ich dies hier schreibe, weint die Tochter der Nachbarn über uns sich mal wieder in den Schlaf, weil die Eltern auch nach zwei Jahren noch immer nicht begriffen haben, dass Ferbern einfach nichts bringt.

Zuviel. Meltdown.

Categories: Zweite Seele

Damokles

Heute kamen News von Damokles. Ich hab grade mal nachgesehen, wie lange dieses Damoklesding schon über uns hängt, und bin überrascht – schon im März 2013 hatte ich darüber gebloggt. Und insgesamt währt die Sache noch länger. Ich wünschte sehr, ich könnte alles genau aufschreiben, mir das von der Seele schreiben, das Chaos im Kopf lichten, aber das geht (noch) nicht. Die Umstände der Sache können uns zum jetzigen Zeitpunkt ebenso schaden wie ein ungünstiges Ende der Sache selbst. Vielleicht später in einem privaten Artikel, wenn die Sache ausgestanden ist. Denn ein Ende ist endlich in Sicht, Mitte März wird es zu einer Entscheidung kommen, welche hoffentlich zu unseren Gunsten ausfallen wird. Andernfalls ist unsere Existenz gründlich hinüber. Nicht nur das Haus, sondern unser komplettes Lebenskonzept, so wie es jetzt steht. Inklusive räumlicher Trennung der Familie.

 

Categories: Zweite Seele

Zukunftsweisend

Da ich bei Twitter im Moment so oft gefragt werde, was denn um Himmels willen bei uns nur los sei, meine Tweets klängen momentan „nicht so gut“ – ich kann nicht alles öffentlich machen. Es passiert viel hier grade, unser Sohn entwickelt sich ganz toll, mein Mann tritt im neuen Jahr eine neue Stelle an, alles super. Eigentlich. Dann entdeckten wir Schimmel in unserer Wohnung, schlimm diesmal, die Badezimmerdecke sieht gesprenkelt aus, im Schlafzimmer an der Außenwand ließ es sich mit Mühe abwischen, die Wohnzimmeraußenwand weist feuchte Flecken auf. Als wir das Sofa umstellen wollten, mussten wir schockiert feststellen,dass die Recamiere großflächig angeschimmelt war. Unser Sofa. Wo wir jeden Tag drauf sitzen, wo unser Kind drauf spielt und sich abends eine Kissenschlacht mit seinem Vater liefert. Ich bekam einen Heulkrampf, wir schmissen das verschimmelte Teil weg und machten uns sofort auf die Suche nach einem neuen Domizil.

Wir wollten nächstes Jahr eh umziehen, wir wünschten uns etwas mit eigenem Garten, vielleicht ohne Nachbarn, jedenfalls mit weniger Nachbarn und vor allem – ohne unsere Nachbarn nebenan, die sich in dieser Zeit beinahe täglich so agressiv stritten, dass ich auf dem Sofa regelmäßig zusammenzuckte. Wir wälzten Anzeigen, eine Freundin half uns, wir beratschlagten, in welchen Stadtteil wir ziehen wollten bzw. welche Stadtteile gar nicht in Frage kämen. Wir fanden unser Wunschobjekt (Garten, 4 Zimmer, Eckbadewanne, das ganze im Wunschstadtteil!), aber der Makler meldete sich nicht und so suchten wir weiter. Und dann tauchte da dieses kleine Reihenhaus auf, in einem Stadtteil, den wir zunächst gar nicht in Betracht gezogen hatten. Aber je mehr wir darüber nachdachten, desto besser gefiel uns die Idee, Freunde würden dort ums Eck wohnen, die Wunschschule wäre nicht mehr so weit entfernt und hey, es war bezahlbar und hatte einen Garten. Also machte ich einen Termin aus. Die Besichtigung kam und wir fanden es toll. Mussten zwar Abstriche machen (leider keine Badewanne und wieder kein Fenster im Bad), aber das Objekt war es wert. Eine Küche mit Einbauküche, ein großzügiges Wohnzimmer mit Platz für eine Essecke, ein Hauswirtschaftsraum und drei weitere, bislang noch völlig im Rohzustand sich befindende Zimmer, die der Eigentümer in Absprache mit dem neuen Mieter würde renovieren lassen. Dazu ein kleiner Garten mit Gemüsebeet und eine Terasse, auf der man sitzen kann. Das alles in einer ruhigen Gegend, ein Wohnviertel mit vielen Kindern. Heute abend lernen wir den Eigentümer kennen und wir hoffen sehr, dass wir ihn überzeugen können. Daumen sind dafür auf jeden Fall erwünscht!

Mehr noch brauchen wir jedoch Glück in einer Angelegenheit, zu der ich leider nicht öffentlich Stellung beziehen kann, wenn ich uns schützen möchte. Nur soviel sei gesagt: die Vergangenheit kam mit ein paaar sehr hässlichen Lügen um die Ecke, die uns unter Umständen das Genick brechen und unsere Existenz, so wie wir sie aufgebaut und weiter planen, kosten könnte. Tatsächlich schwebt diese Bedrohung schon seit mehreren Jahren über uns, aber es zog sich und zog sich und geriet in den Hintergrund. Wie eine Katze, die eine Maus belauert und auf den perfekten Moment zum Zuschlagen wartet, so schwebte es damoklesschwertgleich über uns. Wir konnten nichts weiter tun, als warten. Und auch jetzt können wir nur warten und hoffen und beten, dass das Gericht die Sache zu unseren Gunsten entscheidet. Das belastet und zermürbt mich grade sehr, denn wir sind darauf angewiesen, dass die Geschichte als das wahrgenommen wird, was sie ist – eine Lüge. Einzig und allein dazu erzählt, um uns zu schaden. Ich hoffe, dass die Wahrheit ans Licht kommt, wir einen Schlussstrich ziehen und endlich wieder befreit atmen können. Ich brenne darauf, das ganze zu verbloggen, ohne die Kryptik, die ich jetzt aufbringen muss. Aber bis dahin warten wir weiter – und hoffen und beten.

Categories: Zweite Seele

Vertrauen

„Warum habt ihr kirchlich geheiratet?“ wurde der Prophet letzte Woche gefragt. Als er antwortete, dass wir Christen seien, bekam er ein überraschtes „So siehst du aber gar nicht aus!“ zu hören. Wir fanden das urkomisch und fragten uns, wie denn der typische Christ wohl aussieht 😉

Heute vor 10 Jahren habe ich mich entschlossen, auch zu dieser Truppe zu gehören. 10 Jahre Christ-sein. (Davon hab ich 5 Jahre lang gar nichts von Gott wissen wollen und nur etwa 2,5 Jahre auf das gehört, was er mir sagte.) Seit 10 Jahren begleitet mich mein Taufvers, und oft war er mir ein Trost.

Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

(Römer 8, 28/29)

Pures Gottvertrauen, dass alles, was passiert, ein Gutes hat, dass alles, was uns passiert, ein gutes Ende nehmen wird. Nie war es wichtiger. Und nie fiel es mir schwerer als in dieser Zeit.

Categories: Stunde des Lichts