Tag : 24h-kind

Ich bin die Expertin. Nämlich.

Kurz vor Silvester drehte sich meine Timeline plötzlich um Mütter und Töchter. Teilweise schwierige Konstellationen tauchten auf, mehr oder weniger fest eingefahrene Denkweisen, Generationenkonflikte bezüglich der eigenen Kindererziehung und der Vorstellung der (Groß)Eltern. Und in mir keimte der Wunsch auf, die eigene, ebenfalls komplizierte Beziehung zu meiner Mutter zu klären.

Denn je älter die kleine F(l)edermaus wurde, desto mehr beschlich mich das Gefühl, meine Mutter interessiere sich nicht für ihr Enkelkind. Eine kleine Stimme flüsterte: „Wozu auch? Sie hat ja noch 10 weitere!“ Und je mehr ich darüber nachdachte, desto geneigter war ich, dieser Stimme zu glauben. Immerhin telefonierten wir selten, wenn wir mal miteinander sprachen, war fast immer ich es, die anrief und generell fragte sie dann nicht nach dem Kind. Auch auf Familienfeiern (die wir spärlich besuchten), nahm sie selten Kontakt zu dem Kleinen auf. Statt dessen hatte ich das Gefühl, sie nähme uns noch immer übel, dass wir die ersten zwei Wochen nach der Geburt ausschließlich für uns haben wollten und uns jeglichen Besuch (nicht nur von ihr, sondern generell) verbaten. Und auf den Familienfeiern schien sie darauf zu warten, dass wir ihr das Kind in den Arm legten, was wir jedoch nicht taten. Wir handelten halt so, wie wir es für unser Kind immer taten – kein Fremder bekam ihn auf den Arm. Nun ist meine Mutter ja im familiären Sinne kein Fremder für das Kind, sondern die Oma – im eigentlichen Sinne ist/war sie es aber eben doch, denn wir sehen uns wirklich sehr selten. So selten, dass sie ihm eben nicht bekannt war. Tatsächlich war es sogar so, dass auch Freunde ihn nicht auf den Arm bekamen, eben, weil er es absolut nicht leiden konnte – aber das wusste meine Mutter nunmal nicht, wir sprachen ja auch nie darüber.

Und letztlich brach uns dieses „nicht miteinander sprechen“ fast das Genick. Dann kam, wie bereits erwähnt, dieser Abend kurz vor Silvester. Um Silvester rum muss ich immer an meinen Papa denken, der eine Lieblingsgeschichte hatte, wenn es um Kommunikation ging. Kennen Sie die Geschichte mit dem Hammer? Ein Mann möchte ein Bild aufhängen, oder etwas reparieren? Keine Ahnung, jedenfalls benötigt er einen Hammer dazu. Leider besitzt er jedoch keinen Hammer, und so beschließt er, zu seinem Nachbarn zu gehen und sich einen Hammer zu leihen. Auf dem Weg zum Nachbarn beschleichen ihn aber Zweifel – der Nachbar, der habe ihn gestern schließlich komisch angesehen. Und heute morgen, da habe er ihn nicht mal gegrüßt. Und letzte Woche auch und überhaupt werde der Nachbar ihm seinen Hamemr sicher nicht leihen, der habe ihn ja noch nie leiden können. Als er beim Nachbarn ankommt, klingelt er quasi Sturm und kaum macht dieser auf, ruft der Mann ihm wutentbrannt entgegen: „Dann behalten sie eben ihren scheiß Hammer, sie Armleuchter!“ – naja, oder so ähnlich, der genaue Wortlaut ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Mann seinem Nachbarn etwas vorwarf, was der so vermutlich gar nicht gedacht hatte.

Mich belastete das schon eine ganze Weile, denn egal, wie kompliziert es manchmal zwischen meiner Mutter und mir ist, das Kind hat schließlich ne Oma und ich möchte nicht, dass er ohne sie aufwächst. Entsprechend nahm ich allen Mut zusammen, schluckte mein Herzklopfen runter und schrieb ihr eine SMS, ob wir nicht mal telefonieren könnten. Ich wollte ein Gespräch von Mutter zu (Groß)Mutter. Am Ende sprachen wir über eine Stunde miteinander und konnten viele Dinge klären. Es kamen viele ungesagte Sachen zur Sprache, von beiden Seiten. Mögliche Verletzungen wurden vorsichtig abgeklärt, künftige dadurch hoffentlich vermieden, Missverständnisse aufgeklärt. Und natürlich kam da auch diese mehr oder weniger typische Generationensache auf den Plan. Junge (oder in meinem Fall halt auch nicht mehr ganz so junge) Erstlingsmutter vs. erfahrene (Groß)Mutter. Wir sprachen über Themen von A wie ablegen (nein, haben wir nicht gemacht, weil er es eben nicht mochte) bis Z wie zweites Kind. („Zu dem Zeitpunkt dachte ich Kind, ihr braucht schnell ein zweites Kind, damit ihr den Jungen nicht so verwöhnt.“) Ich schmunzelte ein wenig in mich hinein. Genau diese Dinge haben wir im letzten Jahr dank unserer Filterbubble immer und immer wieder durchdacht und so konnte ich gelassen reagieren. Denn wenn ich im letzten Jahr eines gelernt habe, dann, dass wir als Eltern die Experten für unser Kind sind. Und so erklärte ich, dass nichts von dem, was wir taten oder tun werden, gegen sie und ihre Qualitäten als Mutter gerichtet seien. Es ist eben nur so, dass wir uns für einen anderen Weg entschieden haben, weil wir gemerkt haben, der Weg, den andere teilweise von uns erwarten, der passt halt nicht auf uns und unser Kind. Wir stillen, tragen, familienbetten, weil es für uns passt. Wir leben gewaltfrei, weil auch das für uns passt. Wir erziehen unser Kind nicht nach dem, was „man“ von uns erwartet (jedenfalls haben wir das nicht vor), sondern nach dem, was wir persönlich für uns wollen. Wir legen unsere Grenzen entsprechend fest. So darf unser Kind hier zum Beispiel auch auf dem Wohnzimmertisch sitzen, obwohl ich in meiner Kindheit immer wieder gehört habe „Auf den Tisch gehört der Kuchen, da hat der Popo nix zu suchen.“ Weil mich der Popo unseres Kindes auf unserem Wohnzimmertisch überhaupt nicht stört. Das heißt im übrigen nicht, dass er das woanders auch darf. Und das alles hat ja nichts damit zu tun, dass ich meiner Mutter oder meinen Schwestern (oder Ihnen da draußen) keine Kindererziehung zutraue. Nur gehen meine Verwandten eben einen Weg, den wir nicht gehen wollen. Das ist unbequem, in erster Linie für uns, wenn wir uns mit der Verwandtschaft auseinander setzen müssen, aber der Erfolg gibt uns recht. Es passt halt für uns.

Diese eine Stunde, in der wir miteinander telefonierten, die war sehr wertvoll. Für uns beide, glaube ich, denn wir konnten beide mal hinter die Fassade des anderen blicken und waren uns nah wie schon lange nicht mehr. Das war sehr schön und ich hoffe, das bleibt jetzt so. Danke Mama!

Categories: Anderswelt, Zweite Seele

Handle with care

Unser Baby ist anders. Es schläft schlecht ein, es wacht nahezu jede Nacht auf und benötigt dann bis zu vier Stunden, um wieder einzuschlafen. Es ist sehr geräuschempfindlich – schläft es einmal, darf sich die Geräuschkulisse nicht ändern, sonst wacht es wieder auf. Der Staubsauger ist nur im ausgeschalteten Zustand akzeptabel, TV oder Radio überfordern ihn. Die Telefone sind stumm geschaltet und mein Mann und ich ertappen uns häufig dabei, dass wir uns im Flüsterton unterhalten, wenn das Baby schläft. Unser Baby ist anders. Es hat eine sehr empfindliche Haut. Als wir einen neuen Teppich bekamen, hatte das Kind tagelang rote Punkte an den Körperteilen, die mit dem Teppich in Berührung kamen. Als wir ein neues Waschmittel für die Stoffwindeln ausprobierten, reagierte es so stark, dass wir die gesamte Windelwäsche mit dem alten Waschmittel erneut wuschen und ich das neue Waschmittel verschenkte. Es sah buchstäblich verätzt aus, als hätten wir das Kind mit dem nackten Hintern auf eine heiße Herdplatte gesetzt. Eine Woche später hatten wir immer noch mit den Nachwirkungen zu tun. Als die ersten Zähne kamen, hatte das Baby tagelang Pickelchen am Mund. Häufig werden wir gefragt, ob er einen blauen Fleck habe, da es einen sogenannten „sugar bug“ besitzt. Als er zum ersten Mal mit Gras in Berührung kam, hatte er danach einen leichten Ausschlag am Mund. Unser Baby ist anders. Es ist temperaturempfindlich. Ist das Badewasser ein Grad zu kalt, weint es. Als es so heiß im Sommer war, sah das Kind aus, als habe es die Masern, da es voller Hitzepickel war. Trotz temperaturausgleichender Schafwollunterlage schwitzte es regelmäßig jede Nacht sein T-Shirt durch. Schläft er draußen in der Trage ein, wird es garantiert wach, sobald wir den kühleren/wärmeren Hausflur oder die Tram betreten. Unser Baby ist anders. Es benötigt seine Zeit, um irgendwo anzukommen. Fühlt er sich dann erstmal heimisch, erkundet er freudig die Umgebung. Sicher auf meinem oder Papas Arm geborgen strahlt das Baby alle Menschen an, die uns begegnen – legt man es in fremder Umgebung jedoch auf den Boden, fängt es zu 50% an zu weinen. Er mag es nicht, von Fremden berührt zu werden. Zu Menschen, die nicht Mama oder Papa sind, möchte er nur sehr selten auf den Arm – das darf dann auch als große Ehre betrachtet werden. Dennoch hören wir immer wieder, was für ein freundliches Kind unser Sohn ist. Unser Baby ist anders. Es hat Schwierigkeiten, Reize zu verarbeiten und sich selbst zu regulieren. Als Neugeborenes weinte es viel, jetzt benötigt das Kind immer noch sehr viel Ruhe, um abschalten zu können. Ein geregelter Tagesablauf, keine Überraschungen, kein TV, kein Radio. Wenig, dafür gut ausgesuchtes Spielzeug aus Stoff oder Holz, kein Plastik, das womöglich noch Lärm macht. Nur ein „Event“ am Tag, wobei ein Spaziergang schon als Event gilt. Es kam schon vor, dass wir vormittags Besuch hatten, nachmittags spazieren gingen und abends ein weinendes überreiztes Kind beruhigen mussten. Der erste Spielplatzbesuch dauerte genau zehn Minuten, dann haben wir abgebrochen, weil es dem Kind zuviel wurde. Unser Baby ist hochsensibel. Und damit gar nicht so anders, als man denkt – denn gute 20% aller Kinder sind hochsensibel. Häufig werden sie als schüchtern, scheu, empfindlich dargestellt. Dabei beobachten sie einfach nur sehr genau, bevor sie sich in eine neue Situation stürzen. Ich wünsche mir, dass unser Kind in einer Welt aufwächst, die mehr Bewusstsein für Hochsensibilität mitbringt. Die mehr darauf achtet, was Kinder brauchen, und weniger darauf, was Erwachsene von ihnen wollen. „Nehmt bloß keine Rücksicht darauf, wenn das Kind schläft – gleich von Anfang an daneben staubsaugen und Krach machen, dann gewöhnt es sich dran und schläft immer iüberall!“ Ungefährer Wortlaut eines Ratschlages, als unser Kind ein paar Wochen alt war. Wenn cih daran denke, kann ich nur den Kopf schütteln. Klarschlafen Kinder überall – nur eben nicht alle Kinder. Einige brauchen ihre sichere Umgebung, die gewohnten Umstände, um einschlafen zu können. Wie oft bin ich schon mit müdem Kind in der Trage nach Hause und sobald wir zu Hause waren, schlief es ein? Obwohl es sich draußen krampfhaft wach gehalten hat! Kopfschüttelnd betrachte ich mein zufriedenes Kind. Ein Kind, dass deshalb so freundlich und zufrieden ist, weil wir Eltern große Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen. Wir nehmen es in Kauf, dass wir wenig rausgehen, sehr leise leben (das kommt mir als Hochsensibler Person mit selektiv übersteigerter auditiver Wahrnehmung tatsächlich sehr entgegen), häufig Feste, Veranstaltungen und Playdates früher verlassen (oder gar nicht erst hingehen) und unsere Tage außerhalb der Routine gut durchplanen müssen. Zeitfenster, in denen die kleine F(l)edermaus wach ist, sind knapp und Verständnis der Umwelt ebenso. Dennoch würden wir es nicht anders machen wollen, denn unser Kind ist zufrieden, so wie es ist.

Categories: Anderswelt

Nonomo

Vor zwei Tagen kam sie an, unsere Nonomo. Gestern habe ich sie provisorisch an der Klimmzugstange des Propheten in die Küchentür gehängt, um sie auszuprobieren. Ich dachte mir, wenn das Teil das Gewicht des Mannes trägt, hält die auch die Federwiege samt Kind.

Beim ersten Versuch weinte er. 🙁 Es war eine Mischung aus ungewohnter Umgebung, quersitzendem Rülpser und Empörung, dass er allein schlafen sollte, denke ich 😉 Ich ließ Zwerg also aufstoßen, gab ihm Espumisan und legte mein Schlafanzugoberteil mit in die Nonomo – er weinte weiter. Alleine schlafen? Also bitte, was für eine absurde Idee! *g* Ich hielt seine Hand und schmiss die App an, die wir in Notfällen nutzen, wenn alles singen, schuckeln und schaukeln nicht helfen. Diese App ahmt die Töne nach, die Babys im Mutterleib hören und hilft Zwerg gut, sich zu beruhigen.

Als er sich mit der neuen Situation angefreundet hatte, fielen ihm auch recht bald die Augen zu und er schlief zwei Stunden. Das schafft er tagsüber eigentlich nur mit Körperkontakt o/ Unnötig zu erwähnen, dass ich die ganze Zeit über daneben stand, weil ich der Feder noch nicht traute, ne? 😉

Aller guten Dinge sind drei, und mittlerweile kann ich sagen, er liegt gern in der Nonomo, solange er mich beim Einschlafen sieht 🙂  Heute hing die Wiege nochmal am Reck, während der Punk einen Haken an der Decke im Wohnzimmer anbrachte. Der kleine Mann ließ sich weder von Bohrmaschine noch vom Staubsauger stören und verschlief auch den Umzug ins Wohnzimmer komplett O_o

Hat sich wohl gelohnt, der Kauf 🙂

Categories: Anderswelt

Alltag

Jetzt haben wir die erste Woche hinter uns, in der der Prophet wieder arbeiten war und ich tagsüber mit dem Baby allein. Die kleine F(l)edermaus ist jetzt 12 Wochen alt und nein, es ist nicht ruhiger geworden. Kein Tag ohne Schreiattacke, dabei fing letzte Woche alles so gut an…

Montag war ziemlich entspannt. Überraschend entspannt sogar. Tagsüber war alles okay, ich freute mich, dass ich mir scheinbar umsonst Sorgen gemacht hatte. Diese gingen immerhin soweit, dass ich die Nächte davor komplett nassgeschwitz und mit Milchstau aufgewacht war… Aber wie gesagt, tagsüber war alles okay. Dummerweise dachte das Kindelein sich wohl, dass sein Papa auch was von ihm haben solle, denn das Schreien setzte abends ein, als der Prophet schon wieder daheim war, und hielt dann auch 45 Minuten lang an. War. nicht. witzig. Und mir tat der Prophet irrsinnig leid, da ist er einen Tag wieder arbeiten und wird abends vom Kind angebrüllt, als ob es kein Morgen gäbe 🙁

Dienstag fing schon scheisse an. Die kleine F(l)edermaus hatte schlechte Laune, war müde, was weiß ich – jedenfalls saß ich schon um 8 morgens mit Oropax da. Der Prophet verließ die Wohnung mit schlechtem Gewissen, aber es half ja nix, er ist Alleinverdiener bei uns und muss wieder arbeiten gehen. Glücklicherweise schlief der Lütte dann recht schnell ein. Gegen zehn brachen wir auf, ich wollte ihm einen kuscheligen Fußsack für den Kinderwagen besorgen, und *schwupp* weinte er das nächste Mal. Er hatte schlicht keine Lust auf seinen MaxiCosi… Das bemerkte wohl auch die Nachbarin von unten, die wir vor der Haustür trafen. Sie ist wirklich sehr sehr lieb, aber das „Mensch, du hast aber ein kräftiges Stimmchen!“ war nun nicht unbedingt das, was meine angegriffenen Nerven brauchten… Um 15 Uhr wollte ich mit ihm spazieren gehen und zog ihm zu diesem Zwecke eine Mütze über – ich erntete Gebrüll. Im Kinderwagen schlief er dann glücklicherweise – als der Prophet um 18 Uhr heim kam, schlief das Kind noch und ich saß „Träume statt Tränen“ lesend und heulend auf dem Sofa.

Ab Mittwoch wurde es sehr viel besser. 🙂 Die kleine F(l)edermaus hatte sich dran gewöhnt, dass der Papa morgens aus dem Haus geht und ich hatte gemerkt, wieviel Schlaf das Kind eigentlich braucht. Ich achtete mehr auf Zeichen, versuchte, den Zeitpunkt zum Einschlafen nicht zu verpassen. Die Waschmaschine stellte sich als gute Nanny heraus – Kind in Babywippe auf die Wama während des Schleuderganges: Kind pennt – und ich konnte etwas im Haushalt schaffen. Der Trockner ist sogar eine NOCH bessere Nanny – warme Luft, monotones Geräusch und Vibrieren lassen das Kind binnen Sekunden einschlafen und das machte ich mir zu Nutze. Dann zahlen wir halt mehr Strom, solange das Kind schläft… Ich lass den Trockner ja nicht leer laufen und dank Anbieterwechsel haben wir jetzt günstigen Ökostrom, da „gönn“ ich mir – und dem Kind – das gerne 😉

Zwar laufen die Tage immer noch nicht ohne Schreien und Weinen ab – der kleine Geist ist eben ein Kind, dass sich zu 90% in den Schlaf weint. Solange ich auf dem Pezziball auf und ab wippe, schläft er so ein – nur eben da liegen und dabei einschlafen, das kann er nicht. Wir haben eine wunderschöne Wiege hier, die extra für meine Nichte damals angefertigt wurde und seit dem von Schwester zu Schwester weiter gegeben wurde – allein, die kleine F(l)edermaus schläft darin nicht. Er braucht das auf und ab, kein hin und her 🙁 Hachjanun. Vielleicht beim nächsten Kind. (Der Prophet, mein HELD, hat jetzt den Kauf seines Tablets verschoben und statt dessen eine Nonomo bestellt. Eine NONOMO! *KREISCH* kein Pezziballgehopse mehr, yeah!!!!!)

Man kann also sagen, die Tage werden besser und es spielt sich langsam sowas wie ein Alltag ein 🙂

Categories: Immer dieselbe Leier

Die ersten Wochen

16 Tage ist der kleine Geist jetzt schon alt. Mittlerweile liegen sowohl U2 als auch Hörtest hinter uns (beides positiv – über die Kinderarztpraxis muss ich mal separat bloggen) und endlich nehme ich mir die Zeit zum bloggen. Die Tage sind gut gefüllt mit stillen, wickeln, Kind an die Welt gewöhnen und ja, auch durch die Gegend tragen, schuckeln, singen, beruhigen und Weinen aushalten gehört dazu.

Die erste Woche war echt nicht ohne. Gefühlsmäßige Achterbahn zwischen „whoah! 36 Stunden ohne Schlaf! Hormone! Geiles Zeug!!!“ und „das Baby weint und ich weine mit“. Der kleine Geist musste erstmal ankommen und wir natürlich auch. Dummerweise spuckte ich nach dem Lütten keine Gebrauchsanweisung, sondern eben doch nur eine handelsübliche Plazenta aus und so waren vor allem die Nächte geprägt vom „Trial and Error“ Prinzip. Der kleine Geist hatte böse Schreiphasen, die wir aushalten mussten. Vorzugsweise nachts, wenn das ganze Haus still war. Nun muss man wissen, dass unser Haus recht hellhörig ist.  In der zweiten Nacht schrie er derart, dass es mir in den Knochen vibrierte. Der Begriff markerschütternd wurde real und glaubt mir, das ist kein schönes Gefühl. Ich habe die erste Woche über viel an Frau Blumenpost und die doofen Nachbarn gedacht und stand mindestens zweimal heulend neben dem Propheten aus Angst, dass gleich erboste Nachbarn klingeln. (Gestern hatte er eine Schreiweinphase, bei der ich zu Oropax greifen musste, um es ertragen zu können. Heute trafen wir auf die Nachbarin unter uns, die uns auf meine Nachfrage hin versicherte, sie höre ihn nachts nicht. Beruhigte mich ungemein.) Dazu kamen Hormonchaos und der Druck, den ich mir selbst machte. Schließlich hatte ich schon so lange mit Müttern zu tun, da müsste ich doch wissen, was zu tun sei bei einem schreienden Baby. Das Gefühl, nur der Babysitter zu sein, machte die Sache auch nicht besser. Tatsächlich hat es ganze sieben Tage gebraucht, bis ich begriff, dass er wirklich UNSER Baby ist und niemand kommt und ihn uns wieder wegnimmt.

Am sechsten Tag erwischte mich der Babyblues eiskalt. Ich wollte sowohl dem Baby als auch dem Propheten gerecht werden und überforderte mich damit total. So gab es einen Moment, ich drehte mich mit einem „orr Kind!“zu dem Lütten um und wurde von einem Blick getroffen, der mir das Herz brach. In diesem einen Blick lag das Vertrauen der ganzen großen weiten Welt. Dieser Blick sagte „aber du bist doch meine Mama und du bist alles für mich, du bedeutest mir die ganze Welt“ und ich fühlte mich so unendlich mies. Eine Stunde lang heulte ich Rotz und Wasser und konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich schnappte mir das Kind, hielt es ganz fest und entschuldigte mich immer wieder bei ihm.

Am nächsten Morgen begriff ich, dass dieses Baby wirklich mein Sohn war und die Liebe wuchs. Seitdem wurde es besser. Wir kommen an, lernen uns kennen und können immer besser einschätzen, was der Kleine braucht und möchte. Seit die Verdauung umgestellt ist, weint er weniger. Ganz wichtiger Leitsatz: unser Baby ist kein kleiner Brüllgeist. Er ist entspannt, solange wir entspannt sind. Es ist schon fast unheimlich, wie sehr er mit uns vernetzt ist – so fing er letztens im Schlaf an zu nölen und zu zetern, als das Gespräch zwischen mir und dem Propheten emotionaler wurde. Wir sahen uns an, entspannten uns bewusst und et voila, schlief das Baby wieder seelig.

Das Stillen klappt wunderbar und er hatte nach einer Woche schon das Geburtsgewicht bis auf 60 Gramm wieder eingeholt. Er hat halt guten Appetit und wenn nicht schnell genug was zu Futtern da ist, reagiert er mit schlechter Laune – da ist er ganz der Papa 😀 Dummerweise scheint er von mir dazu den Jähzorn geerbt zu haben – jedenfalls gibt es dann nicht nur hektisches Gebrüll, sondern dazu teilweise auch wütendes mit den Beinen strampeln und Kopf hin und her werfen. Ich freue mich schon auf den ersten Trotzanfall beim Einkaufen, öhm… hust.

Rein körperlich konnten wir feststellen: Mamas Nase (der Papa sagt YAY!), Mamas blonde Haare (die Hebamme unter der Geburt so: hey, ich seh schon Haare!!! und ich so: welche Farbe? Ich hatte mir passend zur Namensbedeutung „schwarzes Glück“ dunkle Haare gewünscht), Papas Ohrform bis auf die Ohrläppchen, die im Gegensatz zu Papa nicht angewachsen sind. Mal sehen, was da als weitere Ähnlichkeiten auftritt.
 
Wenn meine Hormone nicht grade Samba tanzen, geht es mir gut.  Ich brauchte eine Weile, bis ich wusste, was mir gut tut. So litt ich nach 5 Tagen Bettruhe massiv an Lagerkoller. Ich steuerte mit „wir laden jetzt Besuch ein!“ dagegen und übernahm mich damit emotional sehr. Einfach, weil ich das Baby viel zu früh aus der Hand gab. Abends hatten wir dann zwei Stunden Brüllgeist vom Feinsten, weil der kleine Geist und ich uns gegenseitig hochschaukelten. Nervt mich extrem, dass die Geburt mich da so veränderte. Ich war nie diejenige, die so extrem nah am Wasser gebaut war – jetzt kann es passieren,  dass ich wegen eines kaputten Glases anfange zu heulen. Hatten wir grad letzte Woche erst. Ich hoffe, das renkt sich wieder ein, denn ich kanns nicht leiden, nicht zu wissen, was ich verkrafte und was mich aus der Bahn wirft.

Was das rein körperliche angeht, fühle ich mich gut. Der Bauch hängt ein bisschen, was okay ist. Die Brüste – hachjanun. Gewöhnungsbedürftig, so über Nacht ein Körbchen mehr und teilweise auch sehr nervig. Aber so alles in allem ist es echt ok 🙂

Der Prophet und ich – wir sortieren uns. Er hilft mir sehr, kümmert sich souverän um seinen Sohn, wickelt wie ein Profi, badet mit dem Baby und genießt seine Elternzeit. Klar gibt es dann und wann Schwierigkeiten, aber nichts, was man nicht schaffen könnte. Solange wir reden, ist alles machbar 🙂

Zusammengefasst kann man also sagen: zwei Wochen Poltergeist, kein Anfängerbaby in jeder Hinsicht, nicht immer alles plüschig rosarot, aber es ist okay, so wie es ist. Wir lernen uns kennen, wachsen zusammen und genießen die Zeit 🙂

Categories: Dein Anblick