Gedanken zur Betreuung

Kindergarten ja oder nein? Ich stolper in letzter Zeit immer wieder über Berichte von gelungenen oder misslungenen Eingewöhnungen. Da bei uns auch gerade die Kindergartenwahl ansteht, mache ich mir so meine Gedanken – und die Zeit drängt.

Fakt ist: das Kind soll in die Betreuung. Weil ich die Zeit brauche, weil wir uns oft streiten, weil er andere Kinder vermisst. Weil eben.

Fakt ist aber auch: ich bin unzufrieden mit der Gesamtbetreuungssituation. Ich will ihn nicht in eine Gruppe mit 20 Kindern und 2 Erziehern geben, weil ich den Betreuungsschlüssel unter aller Sau finde. Punkt. Ich will ihn aber auch nicht in eine derart große Gruppe geben, weil – und das ist das schwerer wiegende Argument – unser Kind mit einer derartigen Lautstärke nicht klarkommt. Unser Kind ist nun mal sehr geräuschempfindlich und holt sich hier tagsüber schon seine Kopfhörer, wenn ich kurz einen Pfannkuchenteig anrühre. Oder nur das Radio läuft. Vom Staubsauger nicht zu reden. Ich sehe ihn einfach nicht in einer Gruppe mit 20 Kindern, ich habe starke Bedenken, dass er das aushält.

Ich tendiere zu einem Outdoorkindergarten. Wir haben hier in paar Kindergärten, die sowas bieten, entweder im Park, auf einer Wiese oder – mein Favorit – auf einer Farm. Mit Schweinen, Pferden, Kaninchen, Schafen…die Kinder übernehmen dort Verantwortung für die Natur und kümmern sich mit um alles, was so anfällt – das mag ich sehr. Unser Zwerg kennt das Gelände dort und mag es auch sehr. Leider kommt man an solche Plätze nur schwer ran, aber wir wollen es trotzdem versuchen und hoffen, dass wir Glück haben.

Abgesehen davon habe ich auch Bauchschmerzen, wenn ich an die Eingewöhnungszeit denke. Hier gewöhnen ja mittlerweile fast alle nach Berliner Modell ein, und in Bremen heißt das, ungefähr in 2 Wochen ist die Eingewöhnung durch. 2 Wochen reichen wohl eher nicht bei uns, denke ich. Ich wünsche mir eine Eingewöhnung, in der unser Kind wirklich ZEIT hat, eine gute Bindung zu seiner Bezugsperson aufzubauen. Und da ich unser Kind kenne, schätze ich, wir brauchen da minimum die doppelte Zeit. 4 Wochen macht aber wohl kaum eine große Einrichtung mit, jedenfalls nicht, ohne Sprüche wie „sie müssen sich nur mal lösen und mit einem Lächeln gehen“ oder so fallen zu lassen. Und es ist echt nicht so, als ob ich nicht will, dass er woanders ist. Beileibe nicht. Aber ich will, dass mein Kind dort gut aufgehoben ist, und das schließt für mich eben mit ein, dass auf ihn eingegangen wird und er genug Zeit hat, Vertrauen aufzubauen. Denn das ist es, wozu die Eingewöhnung da ist – BINDUNG aufbauen, nicht, sich an Räumlichkeiten und andere Kinder zu gewöhnen. Andere Dinge wie selbstbestimmtes Essen etc kommt noch dazu – wobei das eher nicht so sehr Thema wird, hoffe ich. Wir versuchen ja, ihn möglichst überall mit einzubeziehen und ihn mit entscheiden zu lassen. Nun ist mir durchaus klar, dass die Erzieher im Regelkindergarten nicht unbedingt Lust haben, bei einem Ausflug 15 Jacken zu schleppen, nur weil 15 Kinder meinen, ihnen sei warm genug, es aber ja sein könnte, dass sie sich irren. Schon klar, dass es dort Regeln gibt, die es hier so nicht geben würde, weil es einfach anders nicht umsetzbar wird. Ich sehe auch ein, dass er sich da halt auch ein bisschen anpassen muss – und dass das für ihn vermutlich weniger schwierig wird, als für uns. Was ich aber nicht einsehe, sind Argumente wie „da muss er sich doch dran gewöhnen, das ist ja später in der Schule auch so!“ Schule ist noch 4 Jahre weit weg. 4 lange Jahre. Das ist, als ob ich sagen würde: zieht euch schon mal ne Windel an, später im Altersheim tragt ihr ja vermutlich auch irgendwann mal eine. Gewöhnt euch schommal dran. Warum soll er sich JETZT an still sitzen, Gruppen von (mehr als) 20 Kindern und lernen gewöhnen? Es ist KINDERGARTEN, verdammt noch mal! Mal abgesehen davon, dass ich das Konzept von still sitzen und „alles schläft und einer spricht, sowas nennt man Unterricht“ eh total fürn Arsch halte. Kinder lernen rechnen, wenn sie sich dafür interessieren, und nicht, weil grad Montag 8 Uhr ist und das so im Stundenplan steht. Regelschule wird es für unseren Zwerg auf keinen Fall geben, wenn ich es irgendwie verhindern kann, aber das ist wohl einen anderen Blogeintrag wert. Wenn die Zeit dafür reif ist und er in die Schule gehen soll. In 4 langen Jahren. Bis dahin darf er frei sein, darf er Kind sein, darf er lernen, was und wann es ihm passt. Jedenfalls, wenn es nach uns geht.

Also überlegen wir, was passende Alternativen wären. Montessori-Kindergärten zum Beispiel. Blöd nur, dass der nächste Monte-Kindergarten nicht gut mit dem Auto zu erreichen ist und man mit der Bahn fast eine Stunde lang fährt (wir wohnen einfach am Arsch der Welt in HB). Outdoor-Kindergarten wäre toll, das wären aber auch noch 20 Minuten mit dem Auto (ginge noch), nur kommt man da eben so schlecht ran, da muss man echt Glück haben. Mittlerweile tendiere ich zur Tagesmutter, weiß aber ehrlich gesagt gar nicht, ob es überhaupt noch Tamus gibt, die ü3 betreuen. Und die Zeit drängt, denn bis Ende des Monats müssen wir angemeldet haben. Seufz.

Categories: Dein Anblick, Immer dieselbe Leier