schnipp-schnapp

Haare ab. ­čÖé

Ungef├Ąhr zum Jahreswechsel ging der Mann zum dringend ben├Âtigten Friseurbesuch. Es ergab sich eher zuf├Ąllig, dass wir dabei waren und so das Kind in den Genu├č kam, das Innere eines Friseursalons kennen zu lernen. Er fand das Vergn├╝gen eher zweifelhaft, war anfangs ganz neugierig, fing dann aber bitterlich an, zu weinen, als sein Papa unter einem schwarzen Umhang verschwand und nur noch der Kopf zu sehen war. Alles shht shhht, ┬áberuhigen und summen/singen half nichts – selbst der gro├če gelbe Ballon, den er geschenkt bekam, wurde erstmal weinend abgelehnt. Erst, als der Mann fertig geschoren wieder bei seinem Kinde stand, beruhigte sich dieser wieder. Dennoch fand er das Haare schneiden und vor allem die Schermaschine sehr spannend und bekundete, dass ihm auch mal die Haare geschnitten werden sollen.

Ich schluckte. Die langen L├Âckchen? Die wundersch├Ânen blonden seidigen Haare? So weich! Und ich wusste ziemlich genau, dass diese Locken, sollten sie einmal abgeschnitten werden, nicht mehr wiederkommen w├╝rden. So war es bei mir n├Ąmlich auch – bis zum ersten Schneiden besa├č ich wahre Nesth├Ąkchen-Korkenzieher-Locken, danach trug ich langes, glattes, d├╝nnes Spaghetti-Haar spazieren, die ich heute in Dreadlocks verstecke. Andererseits – die Haare fingen langsam an, zu verfilzen. Haare k├Ąmmen mag er selbst mit extra angeschafftem Tangle Teezer und entsprechender -Anti-ziep-langhaar-K├Ąmmtechnik (glaubt mir, ich k├Ąmme ja jetzt seit 4 Jahren nicht mehr, hatte davor aber h├╝ftlanges Haar und wei├č, wie man k├Ąmmt, ohne, dass es wehtut) nicht, weil es ihm trotzdem Schmerzen bereitet. Waschen ist auch so ein Thema f├╝r sich (machen wir eh urselten, gerade deshalb) und mit Essensverschmierten H├Ąnden ins Haar fassen war auch lange Thema. Aber trotzdem…die L├Âckchen! Die wunderbaren, s├╝├čen L├Âckchen!

Dann hinterfragte ich mich sehr genau. Warum nicht abschneiden? Weil er dann nicht mehr nach Baby aussieht? Weil wir stolz darauf sind, dass unser Junge unangepasst ist? Weil ich nicht Abschied nehmen mag? Ein bisschen von allem war es wohl, wenn ich ehrlich bin. Aber gerade das runde, von Locken umrahmte Babygesicht gab dann schlie├člich den Ausschlag – ich tendiere n├Ąmlich dazu, mein Kind zu untersch├Ątzen und zu beglucken. Ich tendiere leider dazu, ihm zu wenig zuzutrauen. Ich will mein Baby sch├╝tzen, das liegt im ersten Jahr verwurzelt, was so schwierig bei uns war. Aber er ist eben kein Baby mehr, er ist ├╝ber 2 Jahre alt und kommt im Sommer in den Kindergarten. Er ist ein toller gro├čer kleiner Junge, der die Treppe im Wechselschritt runtergeht, selbst├Ąndig Rolltreppen f├Ąhrt und einen riesigen Spa├č daran hat, in unbekannten Geb├Ąuden Verstecken mit mir zu spielen. Er flitzt mittlerweile durch Menschenmengen, um dorthin zu kommen, wo er hinwill (heute: Restaurant beim Ikea) und findet allein den Weg zu mir zur├╝ck, wenn ich ihm vorher sage, dass ich genau da und da bin. Er sch├╝ttet sich Milch ein, deckt den Tisch, schmiert sich sein Brot selbst┬áund lutscht dabei die Butter direkt vom Messer und isst dann das trockene Brot hinterher. Er wird mit jedem Tag selbst├Ąndiger und das ist gut so, das macht mich stolz, das ist es, was ich f├╝r ihn m├Âchte.

Ich ├╝berlegte – wenn er nun nicht mehr so nach Baby aussehen w├╝rde, dann w├╝rde mir das wohl helfen, ihn altersentsprechend zu behandeln. Und gestern war es dann eben soweit – ganz spontan. Wir waren sp├Ąt noch im Einkaufscenter, da war ein Friseur und aus einer Laune heraus (spontan kann ich sowas immer besser), fragte ich das Kind, ob er sich die Haare schneiden lassen wolle. Er sagte ja, mit Grinsen im Gesicht. Ich fragte noch einmal nach, und nochmal, und nochmal… Und jedesmal best├Ątigte er nickend. Und als ich mir sicher war, dass er still halten w├╝rde, dass er es wirklich wollte – da gingen wir hin und lie├čen schneiden. Wie stolz er in seinem Stuhl sa├č (nein, Mama, ich wollte zwar erst auf deinen Scho├č, aber jetzt finde ich es so viel besser) und wie genau er das Geschehen im Spiegel verfolgte! Wir hatten Gl├╝ck mit der Friseurin, sie war ganz verliebt in unser Kind, sch├Ąkerte mit ihm herum, ging mit jeder Bewegung mit und schnitt ihm schlie├člich eine Kurzhaarfrisur, die aus meinem kleinen Baby ein gro├čes Kindergarten-Kind-to-be macht. Und das ist gut so.

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