Bilanz

Januar:

Der Umzug ins Haus stresst mich so sehr, dass ich entweder den ganzen Tag weine oder mit üblem Drehschwindel im Bett liege. Aber es hilft nichts, wir haben so argen Schimmel in der Wohnung, dass uns die Möbel buchstäblich unterm Hintern wegrotten, wir MÜSSEN umziehen.

Februar:

Der Umzug ins Haus ist die reinste Katastrophe und kostet uns eine vierstellige Summe mehr, als wir geplant hatten. Die Werkstatt will eine vierstellige Summe für angeblich nötige Reparaturen, damit das Auto TÜV bekommt. Der TÜV lässt das Auto ohne die Reparaturen durch. Das Kind bekommt vier Zähne auf einmal und der Umzug ist endlich geschafft. In der Gemeinde gibt es einen schlimmen Bruch, der uns so sehr trifft, dass wir darüber nachdenken, die Gemeinde zu verlassen. Zu Hause fühle ich mich dort jedenfalls nicht mehr.

März:

Wir haben kein Internet, dafür unglaublich spießige Nachbarn und damit ist eigentlich alles gesagt.

April:

Mir kommt der Glaube abhanden und wir haben immer noch kein Internet.

Mai:

Das Kind läuft mit 19 Monaten noch nicht und wir sind schwer genervt von den ewigen Fragen, ob er denn nun laufe und den mitleidigen Blicken, wenn wir verneinen. Und Internet haben wir auch noch nicht.

Juni:

Der Lebensgefährte meiner Mutter bedroht meinen Mann und ich breche den Kontakt zu meiner Familie endgültig ab.

Juli:

Das Kind läuft und freut sich nen Keks! Wir uns auch. In Freital brennen Flüchtlingsheime. Das belastet meinen Mann sehr, der in Freital zur Schule gegangen ist. Mein Schwager outet sich als Pegida-Fan und damit ist auch hier eigentlich alles gesagt.

August:

Freakstock. Yay! Heftige Depression danach. Nay.

September:

Ich plane eine Kinderküche und mache einen Neurologen-Termin, der später mit Verdacht auf Bipolarität endet. Ich bin kaum in der Lage, mich vernünftig um mein Kind zu kümmern, die Depression ist nach wie vor da. Ich beschließe, dass ich die Damokles-Sache nicht mehr allein tragen kann und blogge mir das nach 3 Jahren endlich aus dem Kopf.

Oktober:

Lüttis zweiter Geburtstag. Davor eine Woche Köln, um die Artgerecht-Ausbildung zu machen. Trotz Depression und sehr lauter innerer Stimmen ein guter Monat.

November:

Ich mache die Ausbildung zur Zwergensprache-Kursleitung und stürze mich in mein Projekt „achtsam miteinander“. Das Arbeiten tut mir gut, auch wenn die Zweifel immer wieder stark hochkommen.

Dezember:

Neuigkeiten vom Damokles-Ding. Ich scheine ganz stabil zu sein und eine Woche vor Weihnachten fange ich mich soweit, dass ich wieder lesen kann. Mich auf Bücher konzentrieren zu können, mich in Geschichten zu versenken, das bedeutet mir viel, sehr viel und ich bin froh, dass ich wieder lese.

 

2016, sei lieb zu mir, ich hab’s verdient.

Categories: Immer dieselbe Leier