Das (un)kooperative Kind

Kinder kooperieren immer, so las ich mal. Entweder sie tun, was man von ihnen möchte, oder sie kooperieren spiegelverkehrt und verweigern sich. Mein Kind ist ein spiegelverkehrt kooperierendes und ich komme nun wirklich an meine Grenzen.

Er wirft mit Essen. Jeden verdammten Tag.

Er schüttet sein Getränk aus. Nahezu jeden verdammten Tag.

Er wirft mit Handys, Fernbedienungen, dem Babyphon, seiner Wasserflasche, mit Besteck – am Tisch gezielt auf mich.

Ich weiß, was er damit ausdrücken will. Es geht mir gerade wirklich nicht gut, es gibt zwei große Themen, die seinen Papa und mich arg belasten. Aber beide Themen sind von außen gesteuert und wir können nichts daran ändern. In dem einen Fall (Damokles) war eine Lösung in Sicht, diese kam dann jedoch nicht zu Stande, und so ist das Problem auf unbestimmte Zeit vertagt. Da können wir nichts beschleunigen, das lauert im Hintergrund und wir müssen abwarten. Der andere Fall ist nicht minder kompliziert, weil er Menschen betrifft, die einen zwar entfernten, aber nicht minder festen Platz in meinem Leben haben – auch da müssen wir abwarten, ob die „Gegenseite“ reagiert. Wenn sie nicht reagiert, werde ich entsprechende Maßnahmen ergreifen, die jedoch auch nicht schön sind und dazu führen würden, dass das Kind ohne diese Menschen aufwachsen wird. All das möchte er mir zeigen, er übernimmt unbewusst die Verantwortung und will mich mit der Nase darauf stoßen.

So weit, so gut.

Aber wie zum Geier soll ich denn nun reagieren? Ich kann weder die eine noch die andere Sache in der Lösungsfindung beschleunigen, und meine Nerven sind am Ende. Ich will und werde mich nicht mehr mit irgend etwas bewerfen lassen. Das Schütten können wir ihm natürlich in der Wane ermöglichen, aber das ändert nichts daran, dass ein paar Schlucke getrunken werden am Tisch und der Rest auf dem Kind und dem Boden landen. Ich bin schon soweit, eine Wachstuchdecke zu besorgen, diese unter seinem Platz zu deponieren und darauf Handtücher zu legen. Macht dann zwar mehr Wäsche, aber ich muss nicht mehr jeden Tag dreimal wischen.

Was mich WIRKLICH nervt, ist das Werfen von Essen. Wie kann ich da bedürfnisorientiert reagieren? Habt ihr eine Idee? Wir haben es mit Alternativen versucht (er hat einen HAUFEN Softbälle, die er werfen kann und die er auch mit Begeisterung nutzt – nur hat das Werfen von Essen damit nicht aufgehört), mit Erklären, mit Schimpfen. Wir haben es ignoriert, ihm den Teller weggenommen  und ihn vom Tisch entfernt. Ich weiß nicht mehr weiter. Momentan setze ich ihn dann auf den Boden, sage ihm, dass er jederzeit weiter essen kann, dass ich es aber nicht toleriere, wenn er mit dem Essen wirft. Allerdings bin ich dann oft wütend und muss mich arg zusammenreißen, damit ich ihn nicht zu heftig auf den Boden setze. Und es fühlt sich generell auch nicht okay an. Außerdem bringt es nichts, er setzt sich an den Tisch, isst einen Happen und wirft dann wieter. Ich hab schon überlegt, ob ICH mich aus der Situation nehmen sollte? Also, meinen Teller nehmen und gehen. In der Küche weiteressen oder so. Allerdings hab ich Sorge, dass er dann vom Stuhl fällt…

Ich weiß auch nicht – könnte mal Hilfe brauchen.

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