Umzüge aus der Hölle

(Wir haben noch immer kein Internet, daher raffe ich jetzt alles, was quasi blogbar liegen geblieben ist, in mehreren Beiträgen und stelle die nacheinander online.)

Seit ich zum Studium hergezogen bin, habe ich diverse Umzüge hinter mir. Von der Studenten-Zweck-WG in einem so feuchten Kellerloch, dass man ungelogen das Wasser einfach von der Wand tropfen sah (fließend Wasser! Direkt aus der Wand!) in eine neue WG mit Freunden. Diese lag über einem Schuhladen, weshalb sie liebevoll „der Schuhkarton“ genannt wurde und verfügte über eine riesige Dachterasse und einen Kater. Kein süßer Schmusekater, nein, eine 12 Kilo schwere Kampfkatze, die nicht müde wurde, volles Rohr gegen das Terrarium mit meinen Mäusen zu schlittern, in der Hoffnung, das Glas werde brechen. Es brach nicht, die Mäuse gewöhnten sich daran und ich hatte eine herrliche Zeit im Schuhkarton.

Vom Schuhkarton zog ich ans andere Ende der Stadt, näher an die Uni, allein in eine kleine 1-Zimmer-Wohnung. Als ich mir diese irgendwann nicht mehr leisten konnte, zog ich in den Vorort zum Krieger. Vier Jahre später zog ich wieder zurück in die Stadt, in eine WG, von der ich nur minimale Details wusste. Ich kannte meinen zukünftigen Mitbewohner nur flüchtig, ich wusste lediglich die Höhe der Miete. Es war eine meiner besten Entscheidungen, denn ich zog zum Punk und es entstand eine wundervolle und mir sehr wichtige Freundschaft.

Bis auf einen half der Mann mir bei jedem dieser Umzüge, und schlussendlich zog ich dann mit ihm zusammen. Auch er hat eine Reihe Umzüge hinter sich, nahezu doppelt so viele wie ich, aber keiner war so schlimm wie der aktuelle ins Haus.

Im Vorfeld schien alles gut zu laufen. Der Punk übernahm die Organisation der Hausrenovierung, er baute uns das gewünschte 3,60m Floor-Familien-Bed, brachte Armaturen an und übernahm zusammen mit einem weiteren Freund die Malerarbeiten, während der Mann und ich in der Wohnung zusammen packten und das verwirrte Kind beruhigten. Wir entschieden kurzfristig, das Auto doch vorm Umzug reparieren zu lassen, entdeckten großflächig  Schimmel im Auto und gaben eine Monatsmiete für Reparatur und Säuberung des Wagens aus. Außerdem rief der Maler an, der uns von der Hausverwaltung schon Ende November versprochen worden war, damit er den Schimmel in der Wohnung entfernen würde. Wir lachten hart und  empfahlen ihm, noch drei Tage zu warten, nach unserem Auszug sei das mit dem Streichen sicher einfacher.

Spontan änderten wir den Tag des Umzugs von Freitag auf Samstag, in der Hoffnung, dass mehr Leute helfen könnten. Der Mann und ich stritten immer öfter, neben dem Umzug lag ja auch noch der Damokles-Termin im Raum und die Nerven waren extrem dünn. Am Samstag packte ich mir das Kind und fuhr mit prall gefüllter Wickeltasche zu Freunden, um das Krabbelkind davon abzuhalten, auf Umzugskisten zu klettern. Nach zehn Stunden kam der Mann uns völlig geschafft abholen. Außer dem Punk waren lediglich drei Freunde gekommen, uns zu helfen, einer von ihnen mit gestauchter Rippe. Da dauert es natürlich, bis 70 Kisten plus Möbel umgezogen sind. (Eine Freundin wollte unter Schmerzmitteln helfen kommen, die habe ich dann jedoch davon abgehalten.)

Die erste Nacht im Haus war durchwachsen. Das Kind wurde zwischendurch verwirrt wach und brauchte lange, bis er wieder schlief. Den Sonntag nutzen der Mann und zwei Freunde für erste Renovierungsarbeiten in der Wohnung. Türen streichen, Tapeten ersetzen, Bohrlöcher spachteln etc. Ich wiederum hütete ein sehr verwirrtes Kleinkind. Glücklicherweise schlief er mittags sehr lange, so dass ich die Zeit nutzen konnte, um die Küche einzuräumen. Als der Mann abends da war und das Kind im Bett war, nötigte ich ihn, das Wohnzimmer einzuräumen. Es war für das Kind wichtig, dass zumindest die Wohnebene fertig wurde. Die zweite Nacht im Haus fühlte sich dann auch wirklich wie „wir wohnen jetzt hier“ an. Dennoch schliefen wir noch fast zwei Wochen auf den nackten Matratzen, bis ich endlich dazu kam, die Betten zu beziehen.

In diesem Tenor ging es weiter, denn mit dem Auszug allein war es ja leider nicht getan. Da ich im Kinderzimmer an die Wände gemalt hatte, musste natürlich gestrichen werden. Damit begann der Ärger, denn kaum kam die Farbrolle in die Nähe der Decke, stürzte diese sich suizidal gen Boden. Also Decke abspachteln und neu streichen, was wiederum eine massive Zeitverzögerung zur Folge hatte. Der Mann rief den Hausmeister an, um den Termin für die Schlüsselübergabe zu verschieben, da ich mich weigerte, noch einmal mit diesem Menschen zu sprechen. Bei der ersten Terminvereinbarung kam der mir derart  blöde und frech, dass ich den beinahe durchs Telefon gezogen hätte. (Nein, also DAS geht nicht, wie stellen sie sich das denn vor, um halb vier bin ich längst im Feierabend, wann geht ihr Mann denn morgens aus dem Haus [das der do spät – um 16 Uhr – erst Feierabend hat] ?!) Bei der Gelegenheit eröffnete er uns, dass uns die Verzögerung eine halbe Monatsmiete kosten würde. Wir zuckten resignierend mit den Schultern – brachte ja nichts, mussten wir durch.

Das Kinderzimmer war fertig, der alte Kühlschrank in der Küche sollte raus, da sahen die Jungs, dass sich die Kühlrippen derart in die Tapete gebrannt hatten, dass Streichen unumgänglich war. Also noch einen Abend kleben und streichen. An diesem Tag war der Mann erst um halb eins zu Hause und wir hatten große Lust, die Drecksbude einfach anzuzünden. Schlussendlich war es nach vielen Abenden dann doch geschafft, die Wohnung war renoviert und ausgeräumt, bereit, gesäubert zu werden. Ich zog die Tür hinter mir zu – und die Jungs brachen bei dem Versuch, sie wieder zu öffnen, den Schlüssel ab. Warten bis Montag, um den Wochenendzuschlag des Schlüsseldienstes zu umgehen. Der Montag, an welchem um 15 Uhr die Übergabe stattfinden sollte. Geputzt war da btw noch nicht, dazu hatten wir eine Bekannte engagiert, die jedoch auch erst Montag morgen Zeit hatte. Spannend können wir eben. Hust. Der Mann fuhr also Montag zu Arbeit, um dann eine Stunde später schon wieder loszuhetzen, den Schlüsseldienst in Empfang zu nehmen. Glücklicherweise konnte dieser das Schloss ohne Bohren öffnen, die Wohnung konnte geputzt werden und die Übergabe (welche der Mann allein bestritt, der Held!) war dann auch  entgegen aller Befürchtungen ganz entspannt.

Jetzt langsam kann man sagen, dass wir angekommen sind. Und der nächste  Umzug wird definitiv mit Einpackservice und Umzugsfirma stattfinden!

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