Von neuen und alten Traditionen

Dieses Jahr ist schon das zweite Weihnachten mit eigener Kernfamilie. Wir sind auf der Suche nach unserem Weg, alte und neue Traditionen so zu vereinen, dass es für uns passt. So wollen wir zum Beispiel jedes Jahr die Krippe in 24 Päckchen aufteilen und in den Adventskalender stecken. Maria und Josef ziehen dabei quer durch die Wohnung zum Stall und die heiligen drei Könige nähern sich mit Sack und Pack und Kamel aus anderer Richtung und treffen dann irgendwann nach Weihnachten bei der Krippe ein. So möchten wir unserem Sohn die biblische Geschichte spielerisch näher bringen. Lieder singen, Weihnachtsbaum (mit echten Kerzen), Kartoffelsalat und Würstchen am 24 – das sind Dinge, aus denen das Weihnachten meiner Kindheit besteht. Vorlesen im Advent, Plätzchen backen, manchmal auch Schlitten fahren, wenn denn mal Schnee lag.

Nun feier ich schon seit Jahren Weihnachten nicht mehr in meinem Elternhaus. Die letzten Jahre waren wir Heilig Abend immer beim Punk, dem Paten der kleinen F(l)edermaus, der zufälligerweise des Mannes bester Freund und mein ehemaliger Mitbewohner ist. Dieser richtet schon seit mindestens fünf Jahren am heiligen Abend eine Party aus, zu der alljene der Gemeinde kommen, die sonst allein zu Hause sitzen würden. Es gibt Raclette und leckere Getränke und egal ob man Fleisch isst oder nicht, ob Alkohol konsumiert wird oder nicht, für jeden ist etwas dabei. Wer jedoch besinnliche Weihnachtslieder oder gar einen Baum oder sonstigen Schmuck erwartet, der wird überrascht sein. Denn traditionell feiert der Punk am heiligen Abend den Geburtstag von Jesus Christus, und entsprechend ist die Wohnung mit Luftballons und Girlanden geschmückt. Tatsächlich könnte man meinen, da sei schon für Silvester geschmückt, aber so ist das eben bei einer Geburtstagsparty, da gehören Luftschlangen und Girlanden dazu 🙂 Ist der Punk besinnlich drauf, legt er ein Weihnachtsalbum der Toten Hosen auf, alternativ hört man die Blockflöten des Todes mit ihrem Happy Birthday Jesus Song. Es ist toll und ich liebe das sehr. Letztes Jahr haben wir die kleine F(l)edermaus mitgenommen, ich bin dann aber aufgrund brüllendem Baby recht schnell wieder gegangen. Ursprünglich wollten wir dieses Jahr gar nicht gehen, wir dachten, Weihnachten und heilig Abend gehört doch der Familie und so – bis mir aufgefallen ist, dass das nicht geht. Heilig Abend ohne Geburtstag feiern beim Punk ist einfach nicht mein, nicht unser heilig Abend. Also sind wir vorgestern doch spontan losgezogen und haben einen wundervollen Abend mit Freunden verlebt. Den vorbereiteten Kartoffelsalat und die Würstchen gab es dann einfach gestern nach der Bescherung. Ich finde die Idee, am 25. morgens zu bescheren nämlich ganz praktisch – so können wir ohne Stress auspacken, das Kind kann den lieben langen Tag mit seinen Geschenken spielen und es ist einfach gemütlich. Vielleicht werden wir es so machen, dass es am 24. einen neuen Schlafanzug gibt – in den können wir dann nach der Party schlüpfen und wir ziehen ihn auch einfach bis zum nächsten Abend nicht mehr aus. Weihnachten im Schlafanzug ist nämlich irre gemütlich, müsst ihr wissen. Das haben wir dieses Jahr ausprobiert und beschlossen, dass wir das auf jeden Fall zur Tradition machen 😀 (Nur das Fieber, den Schnupfen und den Durchfall des zahnenden Kindes, das lassen wir bitte nächstes Jahr einfach weg, ja?)

Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Fest, wie ihr es haben wolltet, egal ob nun Jesus Geburtstag, Chanukka, Weihnachten, Jul oder was auch immer. Macht es euch schön!

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