Das mit dem Schlafen

Als die kleine F(l)edermaus grade ganz frisch war, waren unsere Nächte schlimm. Jede Nacht um halb 4 wachte er auf und schrie das ganze Haus zusammen. Ich war verzweifelt und glaubte nicht, dass es noch schlimmer kommen könnte. Schlafen war für unser kind schon immer schwierig, tagsüber schlief er nur auf uns oder an meiner Brust ein, nachts wachte er häufig auf und schrie.

Oft wurde mir gesagt, es werde besser, ich müsste Geduld haben. Mir war schon klar, dass durchschlafen utopisch war, das wollte ich auch gar nicht – ich wollte nur, dass er nicht mehr schrie. Mit einem wachen Kind käme ich schon irgendwie klar. Ich erinnere mich noch gut an eine stöhnende Mutter beim Delfi-Kurs, die seufzend und mit Leidensmiene erzählte, die Nacht sei so schlimm gewesen. Ihr Kind habe nur von 18-8 Uhr geschlafen und sich dabei immer mal wieder hin und her geworfen. Er sei ja so unruhig gewesen, sie habe deswegen so schlecht geschlafen! Ich schluckte ein hysterisches Lachen hinunter und biss mir auf die Lippen. Zu dieser Zeit schlief die kleine F(l)edermaus schon nur noch bei Bewegung ein. Einschlafstillen? Haha, von wegen Mutter! Das hieß im Klartext, ich saß tagsüber bis zu 5 Stunden mit meinem Sohn im Arm auf einem Gymnastikball und wippte auf und ab. Sobald ich aufhörte zu wippen, war er wach und weinte. Nachts wurde er entweder stündlich bis halbstündlich wach zum Stillen oder war wach und blieb das dann bis zu vier Stunden am Stück. das stündliche Stillen waren unsere guten Nächte, denn in diesen Nächten konnte ich wenigstens mit ihm liegen bleiben.

Im Januar bekamen wir von einer Freundin den Tipp, eine Federwiege zu kaufen. Wenn der Kleine nur bei auf und ab Bewegung schliefe, wäre das sicher das Richtige für uns. Wir recherchierten und entschieden uns schlussendlich für eine Nonomo. Sie rettete meinen Rücken und unsere Nerven. Kind stillen, reinlegen, wippen, Kind schläft. In Verbindung mit einer App, die Gebärmuttergeräusche spielte bzw später dann White Noise wirkte die Nonomo wie Zauberei. Fortan sang ich ein Loblied auf die Federwiege, die bei uns im Wohnzimmer direkt neben dem Sofa stand. Er schlief immer noch nicht besser nachts, aber so konnten wir ihn wenigstens schneller beruhigen. Doch die Nonomo war auch ein wenig ein zweischneidiges Schwert, schlief unser Kind doch schließlich AUSSCHLIEßLICH da drin ein. Wo vorher wenigstens noch ein Nickerchen in der Trage drin war, ging jetzt nicht mal mehr das. Und wenn er nachts wach wurde – und das wurde er nach wie vor häufig – blieb uns nichts anderes übrig, als aufzustehen und ihn in die Nonomo zu legen. Ich war also bei weitem nicht so mobil, wie ich es gern gehabt hätte. Wir arrangierten uns damit. Ich hatte eben enge Zeitfenster, in denen ich etwas mit ihm unternehmen konnte. Die Nächte bleiben weiterhin bescheiden und wir ignorierten die Ratschläge, ihn doch tagsüber einfach wach zu halten, damit er nachts besser schliefe. Lieber ließen wir ihn weiterhin nach Bedarf schlafen, alles andere fühlte sich einfach falsch an. Andererseits war die Nonomo natürlich super, wenn wir auf Reisen waren, denn so hatten wir sein gewohntes Bett immer dabei.

Mit sechs Monaten kam dann die Phase, in der ich schon fast fürchtete, unser Sohn sei ein kleiner Autist. Er ließ sich ausschließlich von mir in die Wiege legen und hatte einen festen Ablauf, den ich strikt befolgen musste. In die Wiege legen, die Spieluhr, das Schnuffeltuch an die rechte Wange, sein Seidenpüppchen an die linke, und wehe, die Seiten waren vertauscht. Oder die Reihenfolge. Dann brüllte er wie am Spieß und war nicht zu beruhigen, von Schlafen ganz zu schweigen. Drei Monate später war der Spuk zwar wieder vorbei, dafür war er grundsätzlich zwischen 22 Uhr und Mitternacht wach. Schlief er dann endlich wieder, robbte er im Halbschlaf seufzend und jammernd durchs Bett, war um 5 Uhr wieder hellwach und entsprechend müde den ganzen Tag. Ich seufzte ebenfalls müde und winkte abermals gute und nicht so gute Ratschläge ab. Alles Phase, es half ja nichts, zwingen konnte ich ihn nicht und je mehr ich es darauf anlegte, dass er schlief, desto weniger schlief er. Und desto wütender wurde ich, was weder ihm noch mir etwas brachte. Also ließ ich den Haushalt wie er war, nutzte die Tagschläfchen für mich mich mich und ließ ihn schlafen, wie er wollte.

Seit er nun etwa ein Jahr alt ist, schläft er nachts. Dennoch brauchte er die Nonomo nach wie vor, um taugsüber und abends einschlafen zu können. Aber nachts mussten wir immer seltener aufstehen, wenn er wach wurde, schlief er auch wieder im Bett ein. Das dauerte zwar dann auch bis zu einer Stunde, aber ich musste nicht aufstehen, yay 😉 Vor ungefähr zwei Wochen oder so fing es an, dass wir Schwierigkeiten bekamen, wenn wir die kleine F(l)edermaus in seine Wiege legen wollten. Er wwar zwar hundemüde, klammerte sich aber mit aller Macht an mir fest und weinte und jammerte. Gab man ihm etwas in die Hände, um ihn abzulenken, konnte man ihn jedoch durchaus in die Wiege legen, wo er auch relativ schnell einschlief. Wirklich kapiert, was er wollte, haben wir nicht –  das Einschlafstillen funktionierte nach wie vor nicht, beim Tragen schlief er nur im seltensten Fall ein und wir wussten ja, dass er ohne Nonomo nicht schlafen würde. Tagsüber war er sehr knatschig, wir vermuteten schon, dass er seinen Schlafrythmus abermals umstellen würde. Statt 2 x 1,5-2 Stunden (meist von 8-10 und 13-15 Uhr) wollte er nur noch einmal am Tag schlafen und war dann ab 17 Uhr so müde, dass er sich nicht einmal mehr aufrecht hinsetzen konnte. Sehr anstrengend für uns alle. Wir versuchten, das Beste daraus zu machen und hielten uns weiterhin an unsere Devise, ihn nach Bedarf schlafen zu lassen, auch wenn das bedeutete, dass sich unser „Feierabend“ nach hinten verlagern würde. Die Erfahrung zeigte, dass er sich auf etwa 19 Uhr einpendeln würde, +/- eine Stunde. Das war okay für uns.

Am Sonntag dann überraschte die kleine F(l)edermaus uns total. Er verschwand mittags im Schlafzimmer und rief nach mir. Erst dachte ich, er wollte spielen, aber als ich nachsah, saß er im Bett und schien auf mich zu warten. Wir legten uns hin, er stillte und binnen 10 Minuten schlief er tief und fest. Nach zwei Stunden wachte er fröhlich auf und rief wieder nach mir. Er strahlte übers ganze Gesicht und war mindestens ebenso stolz wie wir 😉 Abends versuchten wir es gleich nochmal, und siehe da, er brauchte die Nonomo nicht, er schlief nach etwa einer halben Stunde in unserem Bett ein und wachte – große Überraschung – auch erst um 7:30 wieder auf. Gegen halb 5 war er zwar unruhig und weinte, schlief dann aber noch mal wieder ein. Am Montag hielt er den Mittagsschlaf wieder in unserem Famillienbett und er schlief so problemlos ein, dass wir abends die Federwiege kurzentschlossen abbauten. Heute versuchte dann der Papa sein Glück, aber da der Zwerg doch noch stillen wollte, klappte das mit dem ins Bett bringen nicht. Aus unserem „ich schlafe nur bei der auf und ab Bewegung der Federwiege ein“ Kind ist scheinbar ein Einschlafstillkind geworden. Ein Einschlafstillkind, dass um 19 Uhr rum schläft, um halb 5 einmal weinend wach wird und dann aber erst um halb acht aufwacht. Halb ascht! Das ist quasi Urlaub für uns! Wir sind immer noch überrascht, gucken alle 5 Minuten auf das Babyphone (wobei die Abstände jetzt doch schon größer werden *g*) und genießen diese neue, ungewohnte Freiheit. Und unser Kind geht weiterhin so selbstbestimmt schlafen, wie er es schon als Säugling tat.

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