Wenn einer eine Reise tut

dann kann er was erleben.

Diese Woche verbringen wir bei meiner Schwiegerfamilie in der Nähe von Dresden. Der Plan war, so zu fahren, dass die kleine F(l)edermaus im Auto schlafen würde. Den ersten Zwischenstopp verbrachten wir im Ikea in Braunschweig. Wir aßen eine Kleinigkeit, der Lütte spielte und bewegte sich und wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten ein, ehe wir uns wieder auf den Weg machten. Der zweite Halt war in Leipzig bei den dortigen Jesus Freaks geplant.

Leider wurde nichts daraus, denn irgendwo auf halber Strecke mitten in der Pampa hörten wir ein „kläng kläng kläng“ – wir fuhren auf den Seitenstreifen, hielten und sahen,dass der Auspuff nur noch am seidenen Faden hing. Um genauer zu sein,  schleifte er über den Boden. Weiterfahren war keine Option, also raus aus dem Auto, die MySol umgebunden und das vor  15 Minuten grade eingeschlafene Kind eingebunden. Klar, dass er wach wurde, nicht? Tief unter den Unmengen von Sachen,  die wir mithatten, lagen die Warnwesten. So standen wir an der A2, die LKW rauschten an uns vorbei und es war einfach extrem laut. Als HSP kam ich damit nicht so wirklich klar, aber es nutzte ja nix, der Kleine war noch viel überforderter als ich. Dem Mann ging es  ähnlich, aber er rief erstmal den Pannendienst an. Eine Stunde später bekam er einen Anruf von einem extrem angepissten Fahrer, der ihn fragte: „Sie stehen gar nicht da, wo Sie gesagt haben, dass Sie stehen!“ Da erst fiel meinem Mann auf, dass er der Leitstelle wohl die falsche Autobahn genannt hatte. Der Fahrer versprach, das an den Pannendienst weiterzuleiten – diese würden uns dann zurück rufen. Als nach 10 Minuten noch kein Rückruf erfolgt war, rief mein Mann erneut an. Doch jetzt konnte kein Auftrag auf das Kennzeichen unseres Wagens gefunden werden. Ähm, bitte was? Es war laut, es war kalt, das Kind war überfordert und ich musste dringend mal pinkeln – und jetzt finden die unseren Auftrag nicht? Na super. Weitere 10 Minuten später war die Sache jedoch geklärt und irgendwann tauchte dann der Abschleppdienst bei uns auf.

Ich war so erleichtert! Da der Motor nicht mehr ansprang (in unserer Nervosität vergaßen wir, das Licht auszumachen und die Batterie hatte darunter gelitten) sollte das Auto per Haken auf den Schlepper gezogen werden. Also wieder in die Untiefen des Kofferraums getaucht, die Öse rausgekramt, die ans Auto geschraubt werden muss für diesen Fall und dann kam der Mechaniker auch schon wieder zurück und gab uns die Öse wieder. Das Gewinde ist vollständig durchgerostet und so können wir nur noch mit besonderen Tricks abgeschleppt werden, was jedoch widerum eine Kostenerhöhung bedeutet hätte. Ich muss wohl sehr verzweifelt geguckt haben, jedenfalls sah uns der gute Mann an, legte sich auf den Asphalt und warf einen prüfenden Blick unter unser Auto. Dann trat er einmal beherzt zu, sodass der Endschalldämpfer polternd zu Boden fiel. Wir machen das jetzt unkompliziert, verkündete er, ihr gebt mir XY € und ich stell die Anfahrt nicht in Rechnung. Der Wagen ist zwar jetzt lauter, aber ihr kommt sicher bis an euer Ziel, fahrt morgen in ne Werkstatt und lasst das reparieren und könnt jetzt schnell weiterfahren. Ich war so erleichtert!! Habe ich uns doch schon mitten in einem kleinen Kaff in der Werkstatt festsitzen sehen, ohne Ersatzwagen oder mit einem Ersatzwagen ohne Isofix (was bedeutet hätte, wir haben keinen Ersatzwagen, denn unser Reboarder lässt sich ausschließlich via Isofix befestigen), mit einem völlig überreizten und müden Kind und ohne Plan, wie das jetzt weiter gehen soll. Der Haken an der Geschichte: wir hatten kein Bargeld dabei. Und das Auto sprang nicht an. Also fuhr der nette Abschleppmensch seinen LKW ein gutes Stück vor (nicht weglaufen, sprach er dabei und ich kicherte ein wenig, denn wo sollten wir schon hin, auf der Autobahn, mit einem einjährigen und ohne funktionierendes Fahrzeug?), hieß den Mann das Auto anschieben und startete erfolgreich den Wagen. So folgten wir dem Abschlepper bis zum nahe gelegenen Parkplatz, mein Mann holte den abgemachten Betrag (und legte noch was drauf, da wir definitiv unter den Abschleppkosten gelegen haben und einfach so dankbar waren) und wir fuhren weiter.

Die Weiterfahrt war geprägt von einem überreiztem Kind und often Stopps, da der Zwerg weinte und sich nicht beruhigte. Irgendwann tat ich das, was ich niemals tun wollte – ich kniete mich über den Reboarder und stillte das Kind während der Fahrt, denn es war das Einzige, was half. Zwanzig Minuten, bevor wir bei meinem Schwager ankamen, fiel das kind erschöpft in einen Schlaf, der so tief war, dass ich ihn tatsächlich aus dem Autositz in den MySol setzen, in der Wohnung die Freundin meines Schwagers samt Kind begrüßen, die kleine F(l)edermaus aus dem MySol aufs Sofa, wickeln und in die inzwischen aufgebaute Nonomo legen konnte, ohne dass er nennenswert wach wurde. Jetzt schläft er und ich hoffe, die Nacht wird erträglich, denn schließlich waren wir 11 Stunden unterwegs, in denen er keine größeren Pausen hatte, um gesammelte Eindrücke zu verarbeiten. Morgen müssen wir uns dann eine Werkstatt suchen, die den Wagen schnell repariert, denn Mittwoch ist hier Feiertag und Freitag müssen wir schon wieder fahren. Puh.

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