Handle with care

Unser Baby ist anders. Es schläft schlecht ein, es wacht nahezu jede Nacht auf und benötigt dann bis zu vier Stunden, um wieder einzuschlafen. Es ist sehr geräuschempfindlich – schläft es einmal, darf sich die Geräuschkulisse nicht ändern, sonst wacht es wieder auf. Der Staubsauger ist nur im ausgeschalteten Zustand akzeptabel, TV oder Radio überfordern ihn. Die Telefone sind stumm geschaltet und mein Mann und ich ertappen uns häufig dabei, dass wir uns im Flüsterton unterhalten, wenn das Baby schläft. Unser Baby ist anders. Es hat eine sehr empfindliche Haut. Als wir einen neuen Teppich bekamen, hatte das Kind tagelang rote Punkte an den Körperteilen, die mit dem Teppich in Berührung kamen. Als wir ein neues Waschmittel für die Stoffwindeln ausprobierten, reagierte es so stark, dass wir die gesamte Windelwäsche mit dem alten Waschmittel erneut wuschen und ich das neue Waschmittel verschenkte. Es sah buchstäblich verätzt aus, als hätten wir das Kind mit dem nackten Hintern auf eine heiße Herdplatte gesetzt. Eine Woche später hatten wir immer noch mit den Nachwirkungen zu tun. Als die ersten Zähne kamen, hatte das Baby tagelang Pickelchen am Mund. Häufig werden wir gefragt, ob er einen blauen Fleck habe, da es einen sogenannten „sugar bug“ besitzt. Als er zum ersten Mal mit Gras in Berührung kam, hatte er danach einen leichten Ausschlag am Mund. Unser Baby ist anders. Es ist temperaturempfindlich. Ist das Badewasser ein Grad zu kalt, weint es. Als es so heiß im Sommer war, sah das Kind aus, als habe es die Masern, da es voller Hitzepickel war. Trotz temperaturausgleichender Schafwollunterlage schwitzte es regelmäßig jede Nacht sein T-Shirt durch. Schläft er draußen in der Trage ein, wird es garantiert wach, sobald wir den kühleren/wärmeren Hausflur oder die Tram betreten. Unser Baby ist anders. Es benötigt seine Zeit, um irgendwo anzukommen. Fühlt er sich dann erstmal heimisch, erkundet er freudig die Umgebung. Sicher auf meinem oder Papas Arm geborgen strahlt das Baby alle Menschen an, die uns begegnen – legt man es in fremder Umgebung jedoch auf den Boden, fängt es zu 50% an zu weinen. Er mag es nicht, von Fremden berührt zu werden. Zu Menschen, die nicht Mama oder Papa sind, möchte er nur sehr selten auf den Arm – das darf dann auch als große Ehre betrachtet werden. Dennoch hören wir immer wieder, was für ein freundliches Kind unser Sohn ist. Unser Baby ist anders. Es hat Schwierigkeiten, Reize zu verarbeiten und sich selbst zu regulieren. Als Neugeborenes weinte es viel, jetzt benötigt das Kind immer noch sehr viel Ruhe, um abschalten zu können. Ein geregelter Tagesablauf, keine Überraschungen, kein TV, kein Radio. Wenig, dafür gut ausgesuchtes Spielzeug aus Stoff oder Holz, kein Plastik, das womöglich noch Lärm macht. Nur ein „Event“ am Tag, wobei ein Spaziergang schon als Event gilt. Es kam schon vor, dass wir vormittags Besuch hatten, nachmittags spazieren gingen und abends ein weinendes überreiztes Kind beruhigen mussten. Der erste Spielplatzbesuch dauerte genau zehn Minuten, dann haben wir abgebrochen, weil es dem Kind zuviel wurde. Unser Baby ist hochsensibel. Und damit gar nicht so anders, als man denkt – denn gute 20% aller Kinder sind hochsensibel. Häufig werden sie als schüchtern, scheu, empfindlich dargestellt. Dabei beobachten sie einfach nur sehr genau, bevor sie sich in eine neue Situation stürzen. Ich wünsche mir, dass unser Kind in einer Welt aufwächst, die mehr Bewusstsein für Hochsensibilität mitbringt. Die mehr darauf achtet, was Kinder brauchen, und weniger darauf, was Erwachsene von ihnen wollen. „Nehmt bloß keine Rücksicht darauf, wenn das Kind schläft – gleich von Anfang an daneben staubsaugen und Krach machen, dann gewöhnt es sich dran und schläft immer iüberall!“ Ungefährer Wortlaut eines Ratschlages, als unser Kind ein paar Wochen alt war. Wenn cih daran denke, kann ich nur den Kopf schütteln. Klarschlafen Kinder überall – nur eben nicht alle Kinder. Einige brauchen ihre sichere Umgebung, die gewohnten Umstände, um einschlafen zu können. Wie oft bin ich schon mit müdem Kind in der Trage nach Hause und sobald wir zu Hause waren, schlief es ein? Obwohl es sich draußen krampfhaft wach gehalten hat! Kopfschüttelnd betrachte ich mein zufriedenes Kind. Ein Kind, dass deshalb so freundlich und zufrieden ist, weil wir Eltern große Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen. Wir nehmen es in Kauf, dass wir wenig rausgehen, sehr leise leben (das kommt mir als Hochsensibler Person mit selektiv übersteigerter auditiver Wahrnehmung tatsächlich sehr entgegen), häufig Feste, Veranstaltungen und Playdates früher verlassen (oder gar nicht erst hingehen) und unsere Tage außerhalb der Routine gut durchplanen müssen. Zeitfenster, in denen die kleine F(l)edermaus wach ist, sind knapp und Verständnis der Umwelt ebenso. Dennoch würden wir es nicht anders machen wollen, denn unser Kind ist zufrieden, so wie es ist.

Categories: Anderswelt

Monatsbericht #10

Mein kleines großes schwarzs Glück,

 

ich kann es kaum fassen, dass du schon fast ein Jahr alt bist. Wenn ich an dich denke, habe ich ein maximal 6 Monate altes Baby im Kopf, dabei ist das doch schon lange her und du wandelst dich immer mehr zum Kleinkind. Richtig babyhaft siehst du nur noch im Schlaf aus – bist du waach, blitzen mich wei große blaue Augen schalkhaft an. Deine Haare sind so lang geworden, dass sie dir schon fast in den Augen pieksen – am Hinterkopf sind sie aber immer noch kurz. Bist du grad erst aufgewacht, stehen sie sb und sind so fusselig, dass wir dich jetzt öfter Fussel nennen 😉

Du robbst durch die Gegend und entdeckst deine Welt. Über Kissen, Bettdecken und Spielzeug robbst du einfach drüber und lässt dich kaum beeindrucken. Unser Bettgestell haben wir abgebaut, damit du selbständig ins Bett kannst. Da du aber nach wie vor in deiner Nonomo einschläfst, kommt das eher selten vor. Dafür steigst du selbständig aus dem Bett aus, robbst an den Rand und würdest dich wohl kopfüber die 25cm runter stürzen, wenn wir dich nicht jedesmal umdrehen würden. Hoffentlich lernst du bald, dass man immer mit den Füßen voran irgendwo runterklettert!

du bist so davon fasziniert, wenn ich die Wohnung fege, dass wir dir ein eigenes Tablett mit verschiedenen Bürsten gemacht haben. Handfeger, Massagebürste mit Noppen, Fingernagelbürste, Haarbürste – dieses Tablett gehört zu deinem liebsten Spielzeug. Im Moment sind Stoffe nicht so interessant für dich, dafür findest du Rasseln und alles, was krach macht, umso spannender. Und mit leeren Wasserflaschen kann man dich immer noch begeistern 🙂

Dein Wortschatz wächst und wächst – nach Mama und Papa sagst du jetzt auch „Tate“ (Katze), rufst sie manchmal beim Namen (Fraidy – das fanden wir wirklich beeindruckend, dass du das so gut aussprichst) und plapperst uns generell viel nach. Lustig finde ich, dass „neinneinnein“ grade zu deinem Dauerbrenner wird, dabei hörst du das hier wirklich selten. Wir lassen dich alles untersuchen, was du findest, meine Brille, den Staubsauger, die gesicherten Steckdosen an der Wand. Befriedigte Bedürfnisse verschwinden von allein, also darfst du überall ran, solange es nicht gefährlich ist. Als du ins Kabel des Staubsaugers gebissen hast, haben wir dich doch lieber mit einem nein aus der Situation geholt, dich weggesetzt und erklärt, dass das gefährlich ist. Wo du nicht ran sollst, sind die Dinge gesichert. So z.B. auch das Badezimmer, denn da steht das Katzenklo 😉

Mit deinen 5 Zähnen kannst du echt kraftvoll zubeißen – häufig erwischt du dabei auch meine Hände, oder die Wange und Nase deines Papas. Die scheinen besonders gut zu schmecken *lach* Abbeißen magst du momentan nicht so gerne, deshalb gebe ich dir das Essen in mundgerechte Stücke geschnitten. Oft bist du total aufgeregt, wenn es zum Essen geht – du hüfst uns quasi vom Arm, klopfst hektisch mit der Hand auf den Tisch und kannst es gar nicht erwarten, anzufangen. Dann sieht man dich genießerisch alle Eindrücke aufsaugen – Geruch, Geschmack, Haptik, Farbe – und nach 5 Minuten kommen die ersten Vermeidungstaktiken wie Gähnen und Augen reiben, da dich das Ganze überfordert. Zuviel neues, also gebe ich dir Stück für Stück für Stück – damit kommen wir gut klar.

Du versuchst immer öfter, dich hinzusetzen und schaffst es in der Badewanne, dich in den Sitz zu ziehen. Dabei hast du schon so manches Mal für eine Überschwemmung gesorgt, wenn du den Stöpsel gezogen hast. Dann hört man deinen Papa hektisch nach mir rufen, da er mit einer Hand dich festhalten, mit der anderen Hand das Loch in der Wanne zuhalten muss 😀 Auch der Vierfüßler wird unter viel Gebrüll geübt. Dabei ächzt und jammerst du so arg, dass ich so manches mal erschrocken angelaufen komme, weil ich denke, du hast dir weh getan. Dann guckst du mich an, strahlst fröhlich und übst weiter.

Mein Liebstes, ich freue mich so sehr auf die Zeit, wenn du krabbelst. Es ist unglaublcih schön, dir beim groß werden zuzusehen und dich zu begleiten. Wir lieben dich so sehr! <3

Categories: Dein Anblick

Ringelblumensalbe – Tutorial

Ringelblumensalbe eignet sich hervorragend als natürliche Wundschutzcreme und ist ganz einfach herzustellen. Man benötigt lediglich:

 

– Ringelblumenblüten (100g, ganz)

– Kokosfett (2,5 bis 3 Gläser a 300ml)

– saubere Mullwindel

– etwas Geduld

– einen großen Topf

– mehrere saubere Gläser

 

1) Schüttet die Ringelblumenblüten in den Topf und gebt das Kokosfett hinzu. Vorsichtig erhitzen – die Blüten sollen nicht frittiert werden, also achtet darauf, das Fett nicht heißer als 40° werden zu lassen. Es sollte nur leichte Blasen schlagen. Das Gemisch bei schwacher Hitze 10 Minuten simmern lassen, dabei gelegentlich umrühren.

2) Den Topf beiseite stellen und das Blütengemisch 24 Stunden lang ziehen lassen. Nach der Wartezeit das Gemisch noch einmal erwärmen, falls nötig, damit das Fett wieder flüssig wird.

3) Über einer sauberen Mullwindel abseihen und die Blüten gut auspressen

4) In saubere Gläser abfüllen und freuen 🙂

 

Die Salbe hält sich bis zu einem Jahr, kann jedoch auch auf Vorrat hergestellt und eingefroren werden. Ringelblumen wirken wundlindernd, das Kokosfett wirkt antiseptisch – in Kombination ergibt das eine gute, „grüne“ Wundschutzcreme ganz ohne Chemie.

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Categories: Anderswelt

#aufdieTische

Einer der ganz Großen ist heute gestorben und ich kann es nicht glauben. Robin Williams, der ewig junge Peter Pan, Held meiner Kindheit. Ich weiß nicht, wie oft ich Mrs Doubtfire gesehen habe. Bei Flubber und Jumanji herzhaft gelacht, bei Peter Pan gekräht, bei Hinter dem Horizont geseufzt. Und natürlich seine Darstellung des Mr Keaton im Club der toten Dichter. Ich habe heute ernsthaft geweint um diesen Mann, der Zeit seines Lebens soviele Menschen zum Lachen brachte und scheinbar im tiefsten Inneren so unendlich traurig war. Ein großer Teil meiner Kindheit starb mit ihm.

Und so stand auch ich heute auf einem Tisch und nahm Abschied.

 

Oh Captain, my Captain!

Categories: Zweite Seele

Zaubersand

Der Zauber- oder auch Mondsand ist eine famose Idee, um die taktile Wahrnehmung zu fördern.

Es handelt sich dabei um kinetisches Material. Der Sand ist also weder trocken noch nass, wodurch er sich wunderbar zum Spielen in der Wohnung eignet. Da er eben feucht ist und nicht so trocken wie normaler Spielsand ist, krümelt er (theoretisch) weniger und staubt nicht so. Gleichzeitig ist Mondsand aber trocken genug, um locker und feinkörnig zu sein. Durch diese Eigenschaften haftet er unter Druck perfekt aneinander, so dass man leicht komplette Skulpturen formen kann. So lassen sich in Windeseile ganz tolle Sandburgen herstellen.
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Sucht man Zaubersand im Internet, stolpert man schnell über die nahezu unverschämt teuren Preise. Aber ich habe eine gute Nachricht: der Spielsand ist kinderleicht herzustellen und kostet dann umgerechnet für ein Kilo nicht mal einen Euro!

Man braucht:

– 8 Teile Mehl
– 1 Teil Öl

Optional:

– Lebensmittelfarbe zum Färben
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Mischt das Mehl mit dem Öl, bis sich eine krümelige Konsistenz ergibt. Ein Mixer oder eine Küchenmaschine sind hier sehr hilfreich. Bei Kindern in der oralen Phase empfiehlt es sich, ein gutes Lebensmittelöl zu verwenden. Stecken eure Kinder nicht mehr alles in den Mund, kann auch auf Mandelöl oder ähnliche Öle zurück gegriffen werden. Oder wie wäre es mit Kokosöl? Das kostet zwar ein bisschen mehr, duftet dafür dann aber himmlisch!

Wer mag, mischt noch Lebensmittelfarbe hinzu, um bunten Sand herzustellen. Das war’s. Wirklich. Ganz einfach, chemiefrei und man weiß, was drin ist.

Categories: Anderswelt