Sauerteig

Die Beziehung zwischen Roggenbrot und mir ist eine schwierige, gelinde gesagt.

Seit ich unser Brot selbst backe, ist mir noch jedes Brot, dass auch nur einen Löffel voll Roggenmehl enthielt, nicht so gelungen, wie ich wollte. Entweder die Kruste war so hart, dass man sie kaum kauen konnte oder das Brot so fest, dass „kompakt“ nett formuliert war. Das letzte Exemplar,  für dass ich extra Sauerteig aus dem Bioladen besorgte, eignete sich gut zum Nägel in die Wand klopfen und wurde missmutig von mir entsorgt. Als ich mich frustriert auf Twitter darüber ausließ, bekam ich den Rat, doch mal selbst Sauerteig anzusetzen. So schwer sei das doch gar nicht!

Hm. Ich las und recherchierte (und amüsierte mich ein wenig über die Glaubenskriege ob der Frage des richtigen Umgangs mit Sauerteig, die much ziemlich an „Impfen oder nicht Impfen“ MommyWars erinnerten) und beschloss dann, es auszuprobieren. 5 Tage lang Mehl und Wasser zusammenrühren, das klang wirklich nicht so schwierig.

Ich rührte also 200ml Wasser und 100g Roggenmehl zu einem Brei an, taufte das Ganze auf Vorschlag des Propheten „Biff“ (nach der Bibel nach Biff, da der Prophet bei Sauerteig an Jesu Gleichnis denken musste), machte es ihm in der Küche bequem und beherrschte mich, nicht allzuoft nachzusehen, wie es Biff gehe. Am zweiten, dritten und vierten Tag fütterte ich Biff jeweils mit 100g Mehl und gab ihm 100ml Wasser zu trinken.

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Am vierten Tag war ich etwas in Sorge, da Biff sich gar nicht so verhielt, wie man es von einem anständigen Sauerteig erwartet. Er roch nicht, er blubberte nur mäßig und nahm augenscheinlich trotz regelmäßiger Fütterung nicht zu. Betrübt twitterte ich, Biff sei tot. Aber so richtig aufgeben wollte ich auch nicht, also setzte ich probehalber heute ein Roggenmischbrot mit Röstzwiebeln an. Und was soll ich sagen – Totgeglaubte leben länger! 😉 Nach 1,5 Stunden Gehzeit war der Römertopf jedenfalls ziemlich voll:

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Nach 90 Minuten Backzeit konnte ich ein wirklich gelungenes Zwiebelbrot aus dem Ofen nehmen. Locker, luftig, saftig und mit toller Kruste.

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Nomsig! Sauerteig, ne? Hätte ich mal eher ausprobieren sollen.

Categories: Immer dieselbe Leier

Monatsbericht #8

Fast einen Monat ist es her, seit ich gebloggt habe, und in der Zwischenzeit hat sich viel verändert!

Wir hatten über ein verlängertes Wochenende deine älteste Cousine zu Besuch. Erst warst du ein wenig skeptisch, aber schon bald hast du sie angestrahlt, wann immer du sie sahst. „Baby-High-Five“ war euer liebstes Spiel – du findest es klasse, wenn du abklatschen kannst.

Direkt im Anschluss waren wir im Urlaub – das war richtig schön. Da wir deine Wiege mitgenommen haben, konntest du auch in fremder Umgebung wie gewohnt ins Bett gehen. Du hast mich wirklich überrascht, wie gut du das gemeistert hast – freme Menschen, eine fremde Umgebung und ganz viel Auto fahren. Aber du liebst deinen neuen Autositz und die Zeit mit deinem Papa hat der Bindung von euch beiden sehr gut getan.

Du sagst gezielt Mama und Baba (Papa) und hast mich damit völlig überrumpelt. So früh schon? Ich hab mich beim Delfi erst gar nicht getraut, davon zu erzählen, weil ich keine „ach ja, die Erstlingsmütter, die bilden sich ja schnell mal was ein“ Kommentare kassieren wollte. Erst konnte ich es ja selbst nicht glauben, aber es ist tatsächlich so, du setzt beide Worte bewusst ein und rufst nach uns. Als dein Papa nach drei Wochen wieder arbeiten ging, entspann sich folgender Dialog zwischen uns:

Mama!
Ich bin hier Schatz!
Baba!
Papa ist arbeiten.
Abei.

Und ich so: 😯 😯 😯

Ich nehme an, du weißt noch nicht, was das Wort bedeutet, aber dass du mit noch nicht 8 Monaten bereits den Klang so exakt nachahmst, hat mich sehr verblüfft.

Kommunikation ist deine Stärke. Wir haben ungefähr vor zwei Monaten angefangen, Worte auch zu gebärden und dir somit Babyzeichen nahezubringen. Erstmals nur Dinge, die dir jeden Tag begegnen. Mama, Papa, Katze, Milch, Essen, baden… Das haben wir zwischendurch allerdings immer mal wieder schleifen lassen. Dein Papa und ich nutzen „Ich liebe dich“ als Zeichen zwischen uns, wenn wir grad nicht so gut reden können, weil es zum Beispiel laut ist oder wir besonders leise sein wollen. „Ich liebe dich“ ist ein ziemlich schwieriges Zeichen – man hebt die Hand und klappt Ring- und Mittelfinger ein. So richtig bewusst haben wir dir das nie gezeigt, aber scheinbar hast du es oft genug gesehen, denn gestern hast du es uns ganz oft gezeigt, als wir dich zum Schlafen hinlegten. <3 Dein Papa erzählte, du hast es morgens richtig geübt. Heimlich auf deine Hand geschielt und die Finger sortiert und erst, als du sicher warst, dass es richtig ist, hast du die Hand gehoben und es uns gezeigt. Mein kleiner Perfektionist ♥

Du isst und trinkst unheimlich gern. Im Urlaub hast du viele neue Lebensmittel probiert, von Schafs- und Ziegenkäse über Erdbeeren und Melone bis hin zu gegrillter Aubergine und Champignons. Auch vor eingelegtem Knoblauch machst du nicht halt und verlangst begeistert nach mehr.

Du krabbelst und robbst nicht, hast jetzt aber entdeckt, dass du dich auf dem Laminat rückwärts schieben kannst. Oft lege ich dich in deinem Zimmer auf deinen Teppich vor den Spiegel, mit dem du dich wirklich lange beschäftigen kannst. Hast du keine Lust mehr, drehst du dich auf dem Bauch um 180º und schiebst den Teppich auf dem Boden hin und her.

Spielzeug ist interessant, solange nicht alles auf einmal da liegt. Mit großem Durcheinander und viel Auswahl kannst du nichts anfangen. So haben wir dir ein Expedit eingerichtet, in dem du in jedem Fach ein anderes Spielzeug entdecken kannst. Das funktioniert so gut, dass wir diesen Ansatz auch im Wohnzimmer umgesetzt haben.

Du isst, was du möchtest, stillst weiterhin nach Bedarf, wann immer du möchtest und wir praktizieren immer noch mehr oder weniger gut windelfrei. Im Moment lässt du dich allerdings nicht mehr so gern abhalten, was auch okay ist. Du bestimmst selbst, wer dich anfassen darf – wenn du nicht gestreichelt werden willst, zeigst du das deutlich, indem du das betreffende Körperteil wegziehst/-drehst oder die Hand, die dich anfassen will, wegstößt. Dein Papa und ich finden es gut und richtig, dass du das so deutlich machst, und gehen darauf ein, so gut es uns möglich ist. Leider ecken wir damit auch öfter mal an, wenn wir dich nicht jedem auf den Arm geben. Sagen wir nein (und erklären, dass du das nicht magst und im Moment auch stark fremdelst), ist unser Gegenüber zwar frustriert und irritiert, kann das aber meistens nachvollziehen. Wenn unser Nein überhört wird, setzen wir uns durch, indem wir dich aus der Situation nehmen – im schlimmsten Fall gehen wir einfach nach Hause.

Du wächst also ziemlich selbstbestimmt auf. Wir finden es wichtig, deine Bedürfnisse und von dir gesteckten Grenzen wahr- und ernstzunehmen und haben uns so eingerichtet, dass du überall hin darfst. Was du nicht anfassen sollst, wird eben hoch gestellt oder gesichert. Zum einen kannst du deine Entdeckerlust dann ungehindert ausleben, zum anderen muss ich nicht 50 mal am Tag nein sagen, was ich sehr entspannt finde 🙂 Einzig für das Katzenklo und die Klobürste haben wir noch keine Lösung gefunden.

In deinem Zimmer findet man kein Gitterbett, sondern wir haben dir ein ebenerdiges "Floorbed" gebaut und unser Familienbett (2,70×2,00) hat eine Stufe. Der Plan ist, dass du dich frei bewegen kannst bei der Wahl deines Schlafplatzes und des Zeitpunktes nicht auf uns angewiesen bist. So richtig funktioniert das natürlich erst, wenn du krabbeln kannst 🙂 Aber auch jetzt schläfst du nur, wenn du müde bist, und nicht ab einer bestimmten Uhrzeit. Das funktioniert eigentlich ziemlich gut, auch wenn dein Papa und ich manchmal noch Schwierigkeiten haben, uns von dem "du müsstest aber doch schon längst schlafen!" Gedanken zu lösen. Wenn wir uns aber dann vor Augen halten, dass wir ja auch erst schlafen gehen, wenn wir müde sind, geht es wieder. 😉

Ach mein kleines großes schwarzes Glück, es macht wahnsinnig Spaß, deine Mama zu sein!

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Categories: Dein Anblick