Mei Tai

Vor etwa drei Wochen fing es an – die kleine F(l)edermaus ningelte und jammerte im Tragetuch wie nix gutes, teilweise weinte er so arg, dass ich es kaum richtig gebunden bekam. Ich vermutete, dass er nicht mehr genug sähe, und wechselte von der Wickelkreuztrage auf die Doppelkreuztrage – anfangs fand er es okay, aber schon bald fing das Weinen wieder an. Er stemmte sich regelrecht von mir weg, bog den Rücken durch und machte sich steif – nix mehr mit getragen werden im Tuch. Vor einer Woche dann twitterte ich, dass ich aufgäbe. Das Baby schien eben doch kein Tragling zu sein, dachte ich. Und war echt traurig, denn als Neugeborener gab es für ihn nichts besseres, als im Tuch ganz nah bei mir zu sein und das Tragen war auch immer ein bisschen mein „Kuschelersatz“, denn so richtig verschmust war/ist der kleine Mann nicht. Er kuschelt sich nur an, wenn er schläfrig ist – wach ist er viel zu neugierig, um kuschelnd den Kopf an meine Schulter zu legen – dann kriegt man ja gar nichts mehr mit! 😉 Mittlerweile vermutete ich, dass das „Wehren“ gegen das Tuch auch von den Rückenschmerzen kam, die der Kleine hat.

Letzten Endes war ich dann auch vom Tuch genervt – so richtig mobil ist man damit nämlich auch nur, wenn man irgendwo drinne binden kann. Beim Einkaufen den Lütten aus dem MaxiCosi raus und ins Tuch ist im Winter eher schlecht, weil eben die Tuchenden doch immer im Dreck liegen. Ich begann mich zu informieren – wir haben zwar eine Manduca hier, aber die mag er nur, wenn der Prophet ihn darin trägt. Bei mir scheint das anatomisch nicht so richtig zu passen (Brüste sind eben nicht immer auch Tittenbonus *g*) und ich mag diese Klicki-Schnallen-Tragen auch nicht so gern. Außerdem ist die Manduca eigentlich auch erst ab Sitzalter geeignet. Da ich nun aber diejenige bin, die den Kleinen öfter trägt, musste was für mich alltagstaugliches her. Sehr spannend fand ich die Mei Tai – das sind Tragehilfen nach asiatischem Vorbild. Im Grunde genommen handelt es sich um ein Stück Stoff mit vier Bändern dran – für mich die trage, die dem Tuch noch am ähnlichsten ist. Und wie das so ist, dann guckt man hier und guckt man da und schwup, war ich heftig verliebt. In eine Fräulein Hübsch Mei Tai. Schluckte aber dann doch beim Preis, denn so ganz günstig sind die nicht… Als ich dem Propheten dann aber den Preis eines LueMai vorrechnete, fanden wir beide die Fräulein Hübsch Trage dann doch sehr attraktiv 😀 Aber da war auch noch der MySol und auch der lockte gewaltig – vor allem, als ich bemerkte, dass der Fräulein Hübsch eine Schnalle am Hüftgurt hat. Geknotet ist für mich irgendwie doch mehr das Tragetuchgefühl, und ich wollte so nah wie möglich am Tuch bleiben. Wir beschlossen, zunächst eine Trageberatung zu buchen – so spontan wollte ich dann auch keine 120 Euro ausgeben, wenn die am Ende gar nicht zu uns passt.

Freitag war es dann soweit, die liebe Julia von Rein ins Tuch kam uns besuchen. Im Schlepptau hatte sie einen riesigen Koffer voller verschiedener Tragen und auf dem Arm thronte Julchen, ihre Tragepuppe 😉 Da die kleine F(l)edermaus grade schlief, zeigte sie uns erstmal anhand der Puppe noch einmal die korrekte Anhockspreizhaltung und gab noch ein wenig theoretischen Input. Als der Kleine dann wach war, durften wir ausprobieren. Zuerst meinen Favoriten, den MySol. Die kleine F(l)edermaus saß prima darin, nuckelte sofort den Schultergurt an und schien sichtlich zufrieden 😀 (Hah! Doch ein Tragling!) Aber da waren ja noch die anderen Tragen: Fräulein Hübsch, der Didytai und der Storchenwiege Carrier. Im Fräulein Hübsch quengelte er ein wenig, die Träger waren ihm wohl im Weg und er konnte nichts sehen. Mir waren die Schultergurte auch zu breit, sie rutschten an den Hals und das war echt unangenehm – außerdem fühlte sich der Stoff für mich nicht nach Tragetuchstoff an. Als nächstes probierten wir den Didytai aus. Was soll ich sagen – wer DEN binden kann, der kann auch gleich ein Tuch nehmen. Durch die breiten Träger muss man ihn genauso sorgfältig strähnchenweise festziehen wie ein Tragetuch und bequem fand ich ihn auch nicht – da ist das Tragetuch meiner Meinung nach bequemer, weil das mehr polstert durch die Stoffmenge, die man auf den Schultern und der Hüfte hat. Außerdem sind die Träger lang. SEHR lang. Binden ist auch hier nicht drin, ohne dass die Hälfte der Träger auf dem Boden schleift, und das wollte ich ja vermeiden. Als letztes probierte ich den Storchenwiege Carrier aus – den fand ich trotz Schnalle am Hüftgurt wirklich angenehm zu tragen. Die seitliche Raffung und gepolsterte Schulterträger machen das ganze echt bequem – aber die kleine F(l)edermaus fand den doof 😀 Fand ich nicht schlimm, denn so landeten wir bei meinem Favoriten, dem MySol *hachz* Ich war ganz froh, dass die kleine F(l)edermaus den auch so toll fand wie ich – aber natürlich hätte ich letzten Endes das Kind entscheiden lassen! Das Tolle am MySol ist, dass der auch ganz unkompliziert vom Propheten genutzt werden kann, ohne dass wir irgendwas verstellen müssen – so kommt auch er in den Genuß, das Baby zu tragen – was sowohl der Prophet als auch die kleine F(l)edermaus sichtlich genießen <3 Einen Sling zeigte sie mir auch – super schnell und einfach, aber das Tragegefühl stimmt für mich nicht. Irgendwie hab ich nicht das Gefühl, dass die kleine F(l)edermaus schon in den Hüftsitz passt (obwohl ich natürlich weiß, dass man den Sling auch schon für ganz kleine nehmen kann…)

Zum Schluss zeigte ich Julia noch einmal, wie ich das Tuch binde – und sie fand einiges, was man verbessern kann. Insgesamt binde ich viel zu locker, Das Baby ist darin nicht gut gestützt und das ist der Grund, warum er darin weint. Er hat nicht das Gefühl, wirklich gehalten zu werden und fühlt sich unsicher. Eine sichere korrekte Bindeweise ist aber nun mal das A und O beim Tragen – nur dann ist das Kind ausreichend gestützt und der Träger bekommt auch beim stundenlangen Tragen keine Rückenschmerzen, da sich das Gewicht des Kindes gleichmäßig verteilt und man eben nicht in eine Ausgleichshaltung geht. Kein Wunder also, dass ich tatsächlich (leichte) Beschwerden hatte – zu locker gebunden und ein rumrutschendes Kind – da hatte ich schnell die Ausgleichshaltung drin, damit das Baby eben nicht rausrutscht oder so. Die kleine F(l)edermaus liebt es, getragen zu werden – wenn die Trage richtig gebunden ist.

Am Nachmittag fuhren wir dann gleich in den Trageladen und kauften einen MySol. Erst wollte ich den Arco Iris, aber da sie ihn leider nicht mit der schwarzen Rückseite hatte und mir die Kombi rot/regenbogenfarben nicht gefiel, entschied ich mich für den MySol Orizaba – dieser ist rot schwarz, was ziemlich genau in mein Farbschema passt 😉 Man kann ihn beidseitig tragen, je nach Lust und Laune habe ich also eine rote oder eine schwarze Trage hier. Der Steg zwischen den Beinen ist durch ein Bändchen stufenlos verstellbar, sodass die korrekte Haltung ganz leicht erreicht werden kann. Die gepolsterten Träger machen den MySol sehr bequem, unser sechs Kilo Baby spürt man darin kaum. Da er komplett aus Tragetuchstoff ist, stützt er das Baby wirklich gut und passt sich leicht an. Man kann den Hüftgurt in zwei Höhen einstellen, so dass der MySol noch lange passt – ich muss also nicht zum ersten Geburtstag hin eine neue Trage kaufen. Und Fair Trade ist er auch. Total gut!

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