Immer zwei mal mehr als du!

Gestern las ich einen tollen Artikel bei Frau Mutter. Über den Wettstreit der Mütter berichtet sie, über das „ällabätsch, mein Kind ist toller/klüger/weiter entwickelt/besser als dein Kind“ Gehabe.

Ich hab ja nun (mehr oder minder gezwungenermaßen) grade viel Kontakt zu Müttern, vor allem natürlich zu Frauen mit Kindern in des Babys Alter, plus minus ein paar Monate. Das ist toll und ich genieße das sehr! Meistens.

Denn natürlich – ob man will oder nicht – wird verglichen. Wenn du es nicht selbst tust, macht es dein Gegenüber. Beim Delfi guckt man, was die anderen Babys so machen und können. Als es darum ging, wie Babys sich vom Bauch wieder auf den Rücken drehen und die kleine F(l)edermaus das mal eben fix vorführte, grinste ich und nannte ihn einen kleinen Poser. Und natürlich war ich insgeheim stolz auf ihn, dass er etwas konnte, dass die anderen nicht konnten. Dafür drehte das Kind links neben uns sich eine Woche später vom Rücken auf den Bauch und rechts neben uns zeigte der Kleine eine wunderschöne stabile Seitenlage. Dinge, die die kleine F(l)edermaus nicht kann. Wenn wir den Kleenen auf die Seite drehen, sieht er aus wie ein Shrimp. Ein niedlicher kleiner Shrimp, aber eben – ein Shrimp. Und das ist okay so.

Schlafen ist auch so ein Thema, bei dem Babymütter gern vergleichen. Am Anfang des Kurses fragte die Leiterin nach der Schlafsituation. Nun, die kleine F(l)edermaus ist tagsüber ein schlechter Schläfer, nachts dagegen war es super und so erzählte ich von Nächten mit nur einem Stillstopp – und erntete neidvolle Blicke. Wir wurden verglichen, ob wir wollten oder nicht. (In der Woche drauf war ich die Mami mit den tiefsten Augenringen, der Gerechtigkeit war also Genüge getan.)

Der Punkt ist – ich antwortete auf die Frage, wie die Nacht war und erzählte nicht, um mich mit meinem Kind über die anderen zu erheben und ällabätsch zu rufen. (Anders herum können Frauen das btw auch ganz wunderbar: tiefstapeln. Ich hatte eine schlimmere Schwangerschaft/Geburt/Nacht/… als du. Viel schlimmer. Nervt genauso.)

Fazit: jedes Baby ist anders. Alle entwickeln sich unterschiedlich schnell. ALLE Babys schlafen mal besser, mal schlechter. Und wenn eine Mama ihr Leid klagt, weil die Nacht scheiße war oder sie Sorge hat, das Kind entwickelt sich nicht schnell genug, sollten wir verdammt noch mal den Kopf tätscheln, einen starken Kaffee kochen und „alles wird gut“ sagen. Und nicht „du meine Güte, viel Glück, UNSERE Nacht war super“.

Habe fertig.

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