Tolino

Lesen gehört zu meinem Leben, so lange ich denken kann. Tatsächlich nervte ich meine Kindergärtnerin so lange, bis sie sich erbarmte, mir das Lesen beizubringen. Als ich eingeschult wurde kannte ich das ABC, konnte lesen und schreiben und langweilte mich dementsprechend fürchterlich 😉

Ich las alles, was mir in die Finger kam, von den Lebensmittelverpackungen auf dem Frühstückstisch bis zu den Shampooflaschen im Badezimmer. Als ich 14 war, schenkten mir meine Eltern Shakespeares gesammelte Werke und ich liebte es! Romeo und Julia, der Sommernachtstraum und King Lear – die verschnörkelte Sprache faszinierte mich.

Langsam kristallisierten sich Genres heraus: allen voran Fantasy, dicht gefolgt von historischen Romanen und SciFi. Dazu der große Altmeister King, der in keinem Bücherregal fehlen darf 🙂 Pratchett und Heitz stehen ganz oben auf meiner Liste geliebter Autoren. Manches, wie die Harry Potter Serie oder Twilight (die Bücher sind toll, die Filme… äh…) las ich aus Prinzip im Original und kann sie auf deutsch nicht leiden.

In meiner Timeline befinden sich viele Besitzer diverser eBook Reader. Wann immer man versuchte, mir eines dieser Geräte schmackhaft zu machen, lehnte ich naserümpfend ab. Die Argumentation „das ist genau wie ein analoges Buch!“ stimmt für mich einfach nicht. Analoges Lesen bedeutet für mich mehr, als die Augen über Buchstabenreihen gleiten zu lassen. Es ist das Streicheln des Einbandes, das leichte Knacken des Buchrückens, wenn ein Buch zum ersten Mal geöffnet wird und der Duft neuer Seiten, die für mich auch einen Großteil des Genusses ausmachen. Habe ich ein gutes Buch vor mir, kann ich mich durchaus eine Weile damit aufhalten, sein Gewicht in meiner Hand zu spüren und die Fingerspitzen über den Einband gleiten zu lassen. Erst dann öffne ich das Buch und verschlinge lese es.

In der Schwangerschaft nahm die Lesefrequenz ab und seit die kleine F(l)edermaus da ist, komme ich quasi gar nicht mehr dazu. Statt dessen hab ich häufig das Smartphone in der Hand und treibe mich in sozialen Netzwerken herum. Ich lese also durchaus noch viel, allerdings digital und – wenn man mal ehrlich ist – eher nebenbei. Gezieltes Lesen fiel weg, dabei war Lesen für mich doch immer auch Stressausgleich, und den hab ich momentan bitter nötig. 🙂

Immer öfter begann ich, eReader in die Hand zu nehmen – und legte sie immer wieder kopfschüttelnd zurück. Allerdings bei jedem Mal mit etwas weniger Widerwillen 😉 Ich mag Technikspielereien und liebe mein Smartphone.  Wenn es eine App für etwas gibt, bin ich dabei *g* So gesehen wäre ein eReader vielleicht ja doch etwas für mich? Kurzentschlossen bestellte ich den Kindle, entschied mich aber letzten Endes dann für einen Tolino – die Hintergrundbeleuchtung hätte ich zwar auch mit dem Paperwhite haben können, wäre dann aber an das Amazon-Format gebunden.

Also zog gestern ein kleiner Tolino ein und wurde schon fleißig von mir bespielt. Und ich muss sagen, das Lesen darauf fühlt sich bei weitem nicht so befremdlich an wie anfangs befürchtet. Es ist zwar immer noch nicht wie ein echtes Buch, was das angeht, bleibe ich bei meiner Meinung, aber hey, ich lese wieder! Der eReader ist also eine durchaus ernstzunehmende Alternative – und wenn ich ganz ehrlich bin, liebe ich das Teil jetzt schon 🙂

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