Traditionsbloggen: das Zauberhemd

Und auch dieses Jahr wieder, in guter alter federschwarzer Tradition, die Geschichte vom Zauberhemd – diejenigen unter euch, die schon länger hier mitlesen, kennen die Geschichte schon, aber es hindert euch ja nix daran, den Artikel einfach zuzumachen 🙂

Es ist nämlich so, das ich auf Silvester Namenstag habe. Mein Name ist Melanie, das bedeutet die Dunkle, oder die Schwarze. Und hier starten wir einen kurzen Ausflug in die Geschichte. Der Name Melanie geht zurück auf eine Frau namens “Melania”, welche im 4/5 Jahrhundert lebte. Diese Dame war der Abkömmling eines reichen Senators, der mitten in Rom einen herrlichen Palast besaß. Geheiratet hat sie auch, und zwar auf Druck der Familie im Alter von 13 Jahren, ihr Mann Pinianus war 17 Jahre alt. Den beiden sollte es nicht vergönnt sein, eine Familie zu haben, beide Kinder starben bei oder kurz nach der Geburt. Als Melania ihr zweites Kind nur knapp überlebte entschloss sich das junge Paar zur Enthaltsamkeit. Die Eheleute verkauften all ihr Hab und Gut und schenkten den Erlös den Armen, den Kirchen und Klöstern. 431 starb Pinianus im gelobten Land, wohin sie inzwischeng ezogen waren. Melania zog sich zurück und wurde eine Einsiedlerin auf einem Ölberg – diese Stätte wurde nach und nach selbst zu einem Kloster. Als die ehemals reichste Frau des römischen Imperiums 439 starb, besaß sie noch 50 Goldstücke, welche sie dem Ortsbischof Jerusalems schenkte. Ihr Attribut ist ein Totenschädel – und da sag noch mal wer was gegen mich als Gothic *hust*Zurück zum Zauberhemd. Als Kind dachte ich immer, die ganze Welt feiert meinen Namenstag mit bunten Lichtern, Böllern und Raketen. Ich hatte herrliche Namenstage, vor allem, weil mein Papa ein Zauberhemd besaß. Dieses Hemd hatte er natürlich auch während der anderen 364 Tage im Jahr an, aber nur an Silvester entwickelte es seine eigene, ganz spezielle Magie. Dieses Hemd konnte nämlich Geld wechseln. Tat man am Anfang des Abends ein paar Münzen rein, konnte man während des Abends immer mal wieder nachsehen, und jedesmal, wenn ich nachsah, war ein anderer Geldbetrag drin. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Und das, was Punkt Mitternacht in der Tasche des Zauberhemds meines Papas war, das durfte ich behalten.

Dieses Jahr werde ich keine Rakete für Papa haben, denn wir haben um des kleinen Mannes willen auf Sprengstoff verzichtet. Kaufen wir sonst eh nur noch leuchtenden Kram, erfreuen wir uns dieses Jahr am Feuerwerk der Nachbarn. Stattdessen werde ich eine Wunderkerze für Papa abfackeln. Rutscht gut rein ihr Lieben!

Categories: Immer dieselbe Leier

Tolino

Lesen gehört zu meinem Leben, so lange ich denken kann. Tatsächlich nervte ich meine Kindergärtnerin so lange, bis sie sich erbarmte, mir das Lesen beizubringen. Als ich eingeschult wurde kannte ich das ABC, konnte lesen und schreiben und langweilte mich dementsprechend fürchterlich 😉

Ich las alles, was mir in die Finger kam, von den Lebensmittelverpackungen auf dem Frühstückstisch bis zu den Shampooflaschen im Badezimmer. Als ich 14 war, schenkten mir meine Eltern Shakespeares gesammelte Werke und ich liebte es! Romeo und Julia, der Sommernachtstraum und King Lear – die verschnörkelte Sprache faszinierte mich.

Langsam kristallisierten sich Genres heraus: allen voran Fantasy, dicht gefolgt von historischen Romanen und SciFi. Dazu der große Altmeister King, der in keinem Bücherregal fehlen darf 🙂 Pratchett und Heitz stehen ganz oben auf meiner Liste geliebter Autoren. Manches, wie die Harry Potter Serie oder Twilight (die Bücher sind toll, die Filme… äh…) las ich aus Prinzip im Original und kann sie auf deutsch nicht leiden.

In meiner Timeline befinden sich viele Besitzer diverser eBook Reader. Wann immer man versuchte, mir eines dieser Geräte schmackhaft zu machen, lehnte ich naserümpfend ab. Die Argumentation „das ist genau wie ein analoges Buch!“ stimmt für mich einfach nicht. Analoges Lesen bedeutet für mich mehr, als die Augen über Buchstabenreihen gleiten zu lassen. Es ist das Streicheln des Einbandes, das leichte Knacken des Buchrückens, wenn ein Buch zum ersten Mal geöffnet wird und der Duft neuer Seiten, die für mich auch einen Großteil des Genusses ausmachen. Habe ich ein gutes Buch vor mir, kann ich mich durchaus eine Weile damit aufhalten, sein Gewicht in meiner Hand zu spüren und die Fingerspitzen über den Einband gleiten zu lassen. Erst dann öffne ich das Buch und verschlinge lese es.

In der Schwangerschaft nahm die Lesefrequenz ab und seit die kleine F(l)edermaus da ist, komme ich quasi gar nicht mehr dazu. Statt dessen hab ich häufig das Smartphone in der Hand und treibe mich in sozialen Netzwerken herum. Ich lese also durchaus noch viel, allerdings digital und – wenn man mal ehrlich ist – eher nebenbei. Gezieltes Lesen fiel weg, dabei war Lesen für mich doch immer auch Stressausgleich, und den hab ich momentan bitter nötig. 🙂

Immer öfter begann ich, eReader in die Hand zu nehmen – und legte sie immer wieder kopfschüttelnd zurück. Allerdings bei jedem Mal mit etwas weniger Widerwillen 😉 Ich mag Technikspielereien und liebe mein Smartphone.  Wenn es eine App für etwas gibt, bin ich dabei *g* So gesehen wäre ein eReader vielleicht ja doch etwas für mich? Kurzentschlossen bestellte ich den Kindle, entschied mich aber letzten Endes dann für einen Tolino – die Hintergrundbeleuchtung hätte ich zwar auch mit dem Paperwhite haben können, wäre dann aber an das Amazon-Format gebunden.

Also zog gestern ein kleiner Tolino ein und wurde schon fleißig von mir bespielt. Und ich muss sagen, das Lesen darauf fühlt sich bei weitem nicht so befremdlich an wie anfangs befürchtet. Es ist zwar immer noch nicht wie ein echtes Buch, was das angeht, bleibe ich bei meiner Meinung, aber hey, ich lese wieder! Der eReader ist also eine durchaus ernstzunehmende Alternative – und wenn ich ganz ehrlich bin, liebe ich das Teil jetzt schon 🙂

Categories: Der Poet

2 Monate

Mein kleiner Schatz,

jetzt bist du schon zwei ganze Monate bei uns und wir wissen schon gar nicht mehr, wie es ohne dich war. Es ist so schön, dich zu beobachten und zu sehen, was du als Nächstes lernst. Du befühlst jetzt mit der einen die andere Hand und magst es sehr, unter deinem Trapez zu liegen und zu spielen.

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Da liegst du dann und starrst die Figuren über dir an. Die Ringe an den Seiten schiebst du gern hin und her und der Drache, der über deinem Wickelplatz hängt, wird ganz gezielt von dir geboxt 🙂 Auch das Glöckchen am Trapez einer Freundin wurde letzte Woche gezielt bespielt – der Klang hat dich wohl sehr fasziniert. Überhaupt bist du ein sehr neugieriges Kind, dass möglichst viel mitbekommen will. Das sagt zumindest die Osteopathin, die ich um Rat fragte, weil du im Liegen häufig den Kopf verdrehst. Die Kinderärztin riet uns, dich möglichst oft auf den Bauch zu drehen – dummerweise sind wir dabei auf deinen guten Willen angewiesen, denn wenn du keine Lust mehr hast, holst du einfach Schwung und drehst dich wieder um. Als dein Papa mir das sagte, warst du grade mal 7 Wochen alt und ich glaubte an einen Zufall. Aber du hast mir das Gegenteil bewiesen 🙂
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Du liebst es, getragen zu werden und fühlst dich im Tragetuch besonders sicher. Die ersten Besuche am Meer und auf dem Weihnachtsmarkt hast du im Tuch komplett verschlafen 🙂 Damit auch dein Papa dich schnell und unkompliziert tragen kann, haben wir jetzt auch eine Manduca daheim – leider sind deine Beine noch ein wenig kurz dafür, obwohl du seit deiner Geburt 10 cm (und 2 Kilo) zugelegt hast und wir alle Sachen in 56 aussortiert haben.

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Dein Papa ist dein Held, du strahlst jedesmal über beide Ohren, wenn du ihn siehst. Seit seine Magenkrämpfe nicht mehr so stark sind, bist du auch wieder gern bei ihm. Morgens kuschelt ihr gern oder spielt Rakete. Dann hebt er dich ganz ganz hoch und du gluckst vor dich hin. Und wenn du nicht schlafen kannst, macht er den „walking dad“ und läuft Rillen in unseren Fußboden.

Schlafen klappt mal mehr, mal weniger gut. Nachts hast du relativ feste Zeiten, wann du Hunger hast, und da wir nachts für gnadenlose Langeweile sorgen, indem wir dich nicht großartig bespaßen, schläfst du auch recht schnell wieder ein. Nur das ins Bett gehen selbst ist manchmal schwer, je nachdem, was den Tag über so los war. Aber so langsam kannst du Reize besser verarbeiten und seit wir wissen, dass du mit Tuch über den Augen am besten schläfst, können wir häufig schnell genug gegensteuern, wenn du überreizt bist.

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Außerdem ist da ja noch deine CTG-Aufnahme, die hilft dir quasi immer, dich zu beruhigen. Unsere Geheimwaffe und unschlagbares Einschlaflied 🙂 Was das angeht, zeigst du übrigens jetzt schon guten Geschmack und liebst es, wenn wir „Kleid aus Rosen“ singen – noch besser wirkt allerdings „soft kitty, warm kitty“ 😉

Wenn du deinen Kopf zum Schlafen auf die Seite legst (bevorzugt übrigens nach links), dann klappen deine Ohren nach vorne. Ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass du mal Segelohren bekommst, bis dein Papa meinte, bei ihm sei das auch so. 😉 Überhaupt sind deine Ohren die perfekte Mischung von uns beiden: die „Faltkante“ inklusive spitz zulaufender Ohrmuschel hast du vom Papa, die freien Ohrläppchen von mir 🙂

Du machst soooo gern Spuckebläschen, lullst und sabberst aber nicht. 🙂 Und deine Stimme klingt schon viel tiefer als am Anfang. Du kannst unserem Bettgestell stundenlange wilde Geschichten erzählen – du liegst dann da und brabbelst vor dich hin. Das klingt dann ungefähr so: Ere! Grö! Als dein Papa dir antwortete (Gubbel? Gubbelgubbel! Abrbrbr!!) hast du richtig gestrahlt – weiß der Himmel, was ihr euch da erzählt habt 😀 Vor zwei Tagen lagst du bei ihm im Arm und plappertest etwas, dass wie „äbbl“ klang. Als ich dir daraufhin wildfuchtelnd erklärtest, dass wir ein Androidhaushalt seien, fiel dein Papa vor Lachen fast vom Sofa 😉

Du bist jetzt in einem Alter, dass ich total faszinierend finde. Du wirkst nicht mehr so „zerbrechlich“ und siehst schon gar nicht mehr nach Neugeborenem aus. Du reagierst auf uns und man kann schon richtig mit dir spielen. Ich freu mich so auf die nächste Zeit mit dir! ♥

Categories: Dein Anblick

Pieps

Wir sind noch da, auch wenn es hier ganz schön ruhig geworden ist.

Die kleine F(l)edermaus gedeit gut, die U3 liegt hinter uns (knappe 5 Kilo auf 56cm – die Strampler in 56 hab ich heute alle aussortiert) und allmählich wissen wir auch mit den Schreiattacken umzugehen. Unser Sohn kann Reize leider nur bedingt gut verarbeiten. Manchmal denk ich, das nimmt mir doch keiner ab, wenn ich das sage, denn meist ist er in der Situation selbst ganz ruhig, schreit dann aber spätestens 24 Stunden später zum Steinerweichen. -.- Da war es natürlich auch nicht hilfreich, dass wir die letzten zwei Wochen nahezu jeden Tag bei irgendeinem Arzt saßen 🙁

Dem Kind geht’s gut, dafür leidet der Prophet erbärmlich – er hat starke Magenkrämpfe. Erst war der Verdacht auf Bauchspeicheldrüse, aber das Blutbild war unauffällig. Der Hausarzt verschrieb Magentabletten und Paracetamol, aber es wurde nicht besser. Mittwoch waren wir beim Notdienst, der noch Magentropfen obendrauf packte – es wurde nicht besser. Donnerstag war er wieder beim Arzt, der eine Überweisung für ne Magenspiegelung fertig machte. Freitag war es nicht besser. Samstag dachten wir daran, den Notdienst zu rufen, dachten dann aber, vlt kommt er mit Schonkost über den Tag. Sonntag vormittag waren wir in der Notaufnahme, wo alles Mögliche getestet wurde. Der Ultraschall ergab eine unauffällige Gallenblase, intakte Nieren und auch der Darm arbeitet korrekt. Er bekam ein Schmerzmittel und  wir gingen wieder heim. Als nach 5 Stunden die Wirkung des im Krankenhaus verabreichten Medikaments aufhörte, nahm er wie mit dem Arzt besprochen eine Tablette. Die schlug nicht an, also nahm er nach einer Stunde eine weitere Tablette. Daraufhin erbrach er sich und die Schmerzen wurden schlimmer. Glücklicherweise haben wir tolle Freunde, einer von ihnen fuhr den Propheten wieder in die Notaufnahme, während ich mit dem eh schon völlig überreizten Baby daheim blieb.

Drei Stunden später war der Prophet immer noch nicht dran gekommen und kam wieder heim. Am Montag ging er zum Hausarzt. Dieser besorgte einen Termin für Freitag (also gestern) zur Magenspiegelung. Der Spezialist war dann jedoch so spontan, dass der Prophet noch am Montag gespiegelt werden sollte. Dummerweise ging das nicht (wohl wegen zuviel Säure), aber immerhin konnte eine Darmspiegelung durchgeführt werden. Ergebnis? Der Darm sei ok – letzten Endes sind wir also so schlau wie vorher.

Der Prophet bekam ein Rezept für neue Schmerzmittel und einen Säurehemmer – beide Medis nimmt er seit Montag, aber es wird nicht besser. Stattdessen erbricht er sich nun jeden Tag. Montag gehen wir also mit dem ganzen Scheiß in die dritte Woche und hoffen, endlich rauszukriegen, woran der Prophet genau leidet.

Das ganze belastet uns sehr, denn es geht ihm echt mies. Häufig zu mies, als dass er sich um den Kleinen kümmern könnte. Das merkt das Baby auch und weint, wenn es beim Papa ist und der in dem Moment Schmerzen hat.

Ich hab also einen Mann, der starke Schmerzen hat, ein Baby, das eh schon relativ häufig weint und einen Haushalt, der auch nach mir schreit. Das zerrt natürlich auch an mir, ist anstrengend und nimmt Zeit – zum Bloggen zum Beispiel 🙂

)Wobei ich auch sagen muss, dass der Tag heute eigentlich wirklich gut war. Die kleine F(l)edermaus schlief 5 Stunden am Stück und spielte gemütlich vor sich hin oder schlief in seinem (!) Bett, ganz ohne das man ihn begleiten musste – das war wirklich sehr entspannt 🙂 Es ist also nicht alles mies, und überhaupt: es kommt immer ein neuer Tag. Nur die Helligkeit variiert. *Fahne hochhalt*

Categories: Immer dieselbe Leier

Jedes Kind kann schlafen lernen

Irgendwann schreib ich ein Buch:  die 100 beklopptesten Wege, ein Baby zu beruhigen 😀

Wir hatten schon:

– Kind ins Bett unter Mamas Bettdecke, Spucktuch über die Augen legen, Nuckel in die Schnute (und mit eigenem Busen vorm Rausfallen bewahren) und die CTG Aufnahme der 27. Woche abspielen.

– auf der Krabbeldecke mit dem Kopf halb im Bücherregal liegend das Baby in den Schlaf stillen

– in seinem dunklen Zimmer auf dem Teppich sitzen ind die ersten Takte von Greensleaves in Dauerschleife zischen

Heute dann ganz pseudoesoterisch:

Bei Neumond in der dunklen Küche zum Takt der Spülmaschine auf dem Pezziball auf und ab wippen und dem Baby gegen den Uhrzeigersinn kreisförmig über die Nasenwurzel streichen.

(Wirste bekloppt bei. Ächt jetzt.)

Categories: Dein Anblick