Die ersten Wochen

16 Tage ist der kleine Geist jetzt schon alt. Mittlerweile liegen sowohl U2 als auch Hörtest hinter uns (beides positiv – über die Kinderarztpraxis muss ich mal separat bloggen) und endlich nehme ich mir die Zeit zum bloggen. Die Tage sind gut gefüllt mit stillen, wickeln, Kind an die Welt gewöhnen und ja, auch durch die Gegend tragen, schuckeln, singen, beruhigen und Weinen aushalten gehört dazu.

Die erste Woche war echt nicht ohne. Gefühlsmäßige Achterbahn zwischen „whoah! 36 Stunden ohne Schlaf! Hormone! Geiles Zeug!!!“ und „das Baby weint und ich weine mit“. Der kleine Geist musste erstmal ankommen und wir natürlich auch. Dummerweise spuckte ich nach dem Lütten keine Gebrauchsanweisung, sondern eben doch nur eine handelsübliche Plazenta aus und so waren vor allem die Nächte geprägt vom „Trial and Error“ Prinzip. Der kleine Geist hatte böse Schreiphasen, die wir aushalten mussten. Vorzugsweise nachts, wenn das ganze Haus still war. Nun muss man wissen, dass unser Haus recht hellhörig ist.  In der zweiten Nacht schrie er derart, dass es mir in den Knochen vibrierte. Der Begriff markerschütternd wurde real und glaubt mir, das ist kein schönes Gefühl. Ich habe die erste Woche über viel an Frau Blumenpost und die doofen Nachbarn gedacht und stand mindestens zweimal heulend neben dem Propheten aus Angst, dass gleich erboste Nachbarn klingeln. (Gestern hatte er eine Schreiweinphase, bei der ich zu Oropax greifen musste, um es ertragen zu können. Heute trafen wir auf die Nachbarin unter uns, die uns auf meine Nachfrage hin versicherte, sie höre ihn nachts nicht. Beruhigte mich ungemein.) Dazu kamen Hormonchaos und der Druck, den ich mir selbst machte. Schließlich hatte ich schon so lange mit Müttern zu tun, da müsste ich doch wissen, was zu tun sei bei einem schreienden Baby. Das Gefühl, nur der Babysitter zu sein, machte die Sache auch nicht besser. Tatsächlich hat es ganze sieben Tage gebraucht, bis ich begriff, dass er wirklich UNSER Baby ist und niemand kommt und ihn uns wieder wegnimmt.

Am sechsten Tag erwischte mich der Babyblues eiskalt. Ich wollte sowohl dem Baby als auch dem Propheten gerecht werden und überforderte mich damit total. So gab es einen Moment, ich drehte mich mit einem „orr Kind!“zu dem Lütten um und wurde von einem Blick getroffen, der mir das Herz brach. In diesem einen Blick lag das Vertrauen der ganzen großen weiten Welt. Dieser Blick sagte „aber du bist doch meine Mama und du bist alles für mich, du bedeutest mir die ganze Welt“ und ich fühlte mich so unendlich mies. Eine Stunde lang heulte ich Rotz und Wasser und konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich schnappte mir das Kind, hielt es ganz fest und entschuldigte mich immer wieder bei ihm.

Am nächsten Morgen begriff ich, dass dieses Baby wirklich mein Sohn war und die Liebe wuchs. Seitdem wurde es besser. Wir kommen an, lernen uns kennen und können immer besser einschätzen, was der Kleine braucht und möchte. Seit die Verdauung umgestellt ist, weint er weniger. Ganz wichtiger Leitsatz: unser Baby ist kein kleiner Brüllgeist. Er ist entspannt, solange wir entspannt sind. Es ist schon fast unheimlich, wie sehr er mit uns vernetzt ist – so fing er letztens im Schlaf an zu nölen und zu zetern, als das Gespräch zwischen mir und dem Propheten emotionaler wurde. Wir sahen uns an, entspannten uns bewusst und et voila, schlief das Baby wieder seelig.

Das Stillen klappt wunderbar und er hatte nach einer Woche schon das Geburtsgewicht bis auf 60 Gramm wieder eingeholt. Er hat halt guten Appetit und wenn nicht schnell genug was zu Futtern da ist, reagiert er mit schlechter Laune – da ist er ganz der Papa 😀 Dummerweise scheint er von mir dazu den Jähzorn geerbt zu haben – jedenfalls gibt es dann nicht nur hektisches Gebrüll, sondern dazu teilweise auch wütendes mit den Beinen strampeln und Kopf hin und her werfen. Ich freue mich schon auf den ersten Trotzanfall beim Einkaufen, öhm… hust.

Rein körperlich konnten wir feststellen: Mamas Nase (der Papa sagt YAY!), Mamas blonde Haare (die Hebamme unter der Geburt so: hey, ich seh schon Haare!!! und ich so: welche Farbe? Ich hatte mir passend zur Namensbedeutung „schwarzes Glück“ dunkle Haare gewünscht), Papas Ohrform bis auf die Ohrläppchen, die im Gegensatz zu Papa nicht angewachsen sind. Mal sehen, was da als weitere Ähnlichkeiten auftritt.
 
Wenn meine Hormone nicht grade Samba tanzen, geht es mir gut.  Ich brauchte eine Weile, bis ich wusste, was mir gut tut. So litt ich nach 5 Tagen Bettruhe massiv an Lagerkoller. Ich steuerte mit „wir laden jetzt Besuch ein!“ dagegen und übernahm mich damit emotional sehr. Einfach, weil ich das Baby viel zu früh aus der Hand gab. Abends hatten wir dann zwei Stunden Brüllgeist vom Feinsten, weil der kleine Geist und ich uns gegenseitig hochschaukelten. Nervt mich extrem, dass die Geburt mich da so veränderte. Ich war nie diejenige, die so extrem nah am Wasser gebaut war – jetzt kann es passieren,  dass ich wegen eines kaputten Glases anfange zu heulen. Hatten wir grad letzte Woche erst. Ich hoffe, das renkt sich wieder ein, denn ich kanns nicht leiden, nicht zu wissen, was ich verkrafte und was mich aus der Bahn wirft.

Was das rein körperliche angeht, fühle ich mich gut. Der Bauch hängt ein bisschen, was okay ist. Die Brüste – hachjanun. Gewöhnungsbedürftig, so über Nacht ein Körbchen mehr und teilweise auch sehr nervig. Aber so alles in allem ist es echt ok 🙂

Der Prophet und ich – wir sortieren uns. Er hilft mir sehr, kümmert sich souverän um seinen Sohn, wickelt wie ein Profi, badet mit dem Baby und genießt seine Elternzeit. Klar gibt es dann und wann Schwierigkeiten, aber nichts, was man nicht schaffen könnte. Solange wir reden, ist alles machbar 🙂

Zusammengefasst kann man also sagen: zwei Wochen Poltergeist, kein Anfängerbaby in jeder Hinsicht, nicht immer alles plüschig rosarot, aber es ist okay, so wie es ist. Wir lernen uns kennen, wachsen zusammen und genießen die Zeit 🙂

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