„Ich will dir ja keine Angst machen, aber…“

Heute beginnt die 40. Schwangerschaftswoche und quasi seit Beginn meiner Schwangerschaft verfolgt mich dieser Satz. Mal direkt ausgesprochen, mal indirekt impliziert.

Es war in der 12. Woche, als wir uns bei Facebook outeten und instant ploppte ein Chatfenster beim Propheten auf: „so süß, aber lasst es nicht impfen!“ → Ich will dir keine Angst machen, aber [die Nebenwirkungen für das Kind sind unabsehbar]

Eine Weile später twitterte ich was von Feta und nomnomnom und schwupp, hieß es „ich dachte, Schwangere dürfen keinen Feta essen!“ → Ich will dir keine Angst machen, aber [du bringst dich in Gefahr]

Auf der Taufe meines jüngsten Neffen erzählte mir eine Bekannte aus dem Nichts heraus von ihrem Scheidenriss dritten Grades und beim Essen gehen erwähnte die uns wildfremde Kellnerin plötzlich ihre wunden, rissigen Brustwarzen beim Stillen. → Ich will dir keine Angst machen, aber [du wirst Schmerzen haben ohne Ende]

Meine Entscheidung, ins Geburtshaus zu gehen und dort zu entbinden, wurde oft kommentiert. Von absolut unverständlichem „wie kannst du nur???“ bis hin zu kopfschüttelndem „wie mutig du bist“ war alles dabei. Dicht gefolgt von „Ich will dir keine Angst machen, aber…“ und dann folgt eine Horrorstory von der Schwester/Bekannten/Freundin/sonstiger weiblicher Person mit wahlweise Frühgeburt wegen Schwangerschaftsvergiftung/starker Blutung nach Geburt/Notkaiserschnitt/sonstiges Szenario, dass ausschließlich im Krankenhaus gelöst werden konnte. Halte ich dagegen und erwähne die 9 völlig unkomplizierten (!!!) Geburten meiner beiden Schwestern (oder auch alle Geburten im Geburtshaus oder sogar zu Hause, von denen ich so weiß), kommt ein Schulternzucken, eine wegwerfende Handbewegung und ein „Ja, ABER…“

Liebe bald-Mamis und erfahrene Mütter: WAS ZUR HÖLLE SOLL DAS??? Schließt man beim Pinkeln auf das Teststäbchen womöglich einen geheimen Pakt ab, dessen Ziel es ist, andere Schwangere in Angst und Schrecken zu versetzen und ich hab das einfach nicht mitbekommen? Was bitte macht es für einen Sinn, mir alle möglichen Horrorgeschichten aufzutischen oder mir sonstwie Angst machen zu wollen?

Gerade im Bezug auf das Geburtshaus kommt dann oft noch großzügig der Satz „aber das muss ja jeder für sich selbst entscheiden“ – schließlich will man ja keinen Mommy War anfangen, wir haben uns ja alle lieb, nech? Ich weiß nicht, was nerviger ist: „Ich will dir keine Angst machen, aber“ oder das „musst du ja selbst wissen“, wenn ich mich nicht von der gegenteiligen Meinung überzeugen lasse. Bitte Mädels, echt mal – wie wäre es mit leben und leben lassen?* Ich lass euch euren Wunschkaiserschnitt im Krankenhaus und ihr lasst mir meine Wunschentbindung im Geburtshaus. Deal? Kk, Deal.

(7 Tage his zum errechneten Termin, kann jetzt also jederzeit losgehen theoretisch. Wenn ich es vorher noch schaffe, zeig ich euch noch den fertigen Gipsabdruck, den Bettdrachenlindwurm und das fertige Zimmer – falls der kleine Geist es nicht zu eilig hat, heißt das *g*)
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*das gleiche gilt bittedanke auch für Themen wie Stillen, Tragen, Familienbett und ungefragt Bauch anfassen – hier gilt nämlich „Finger weg, ich bin kein Streichelzoo“ 😉

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