Geburtsvorbereitungskurs

Morgen findet er schon zum letzten Mal statt, der Geburtsvorbereitungskurs. Zwei Wochen vor Beginn saßen wir einen Nachmittag lang in einem Säuglingspflegekurs, in dem vom grenzdebil grinsenden Hebammenfangirl über einem hysterischen Ehepaar („was machen wir, wenn das Baby aufhört zu atmen, wenn wir zu Hause sind???“) bis hin zum blonden modisch durchgestyltem Püppchen alles dabei war und ich betete, dass das im Geburtsvorbereitungskurs anders sein würde.

Wir wurden sehr lieb von einer Hebamme aus „meinem“ Team begrüßt und fanden uns zusammen mit vier anderen Paaren gemütlich auf dem Boden hockend wieder. Für alle ist es das erste Kind, die Konstellation war recht gemischt. Von Selbständigen über Angestellten bis zu Arbeitsuchenden war alles dabei, quer durch alle Schichten und Religionen – unter uns befindet sich auch ein sehr sympathisches muslimisches Pärchen und später kam noch ein Paar aus Afrika dazu. Eine bunt gemischte, sehr lustige Truppe, die sich durchaus auf einer Wellenlänge befindet. So fragte unsere Hebamme, was man denn bitte gar nicht im Kurs machen wolle, und durch die Bank waren die Antworten „singen/tanzen/esoterische Lebenshilfe“ 😉

Beim zweiten Termin wurden wir geschlechtergetrennt aufgeteilt und ich war ein wenig enttäuscht – während die Männer praktisch arbeiten durften (wie stellt ihr euch einen Tag mit Neugeborenem vor?) unternahm unsere Hebamme mit uns Frauen eine „Phantasiereise“ – wer mich kennt, weiß, dass ich mit sowas recht wenig anfangen kann. Ins Innere meiner Selbst reisen, mit dem ‚dritten Auge‘ zu meinem Baby in die Gebärmutter, es dort an die Hand nehmen und ihm den ‚Ausgang‘ zeigen – das war zuviel für mich, ich versuchte die ganze Zeit, nicht in hysterisches Kichern auszubrechen 😀

Glücklicherweise blieben die Termine nicht so und es wurde praktisch. Wir sahen uns die verschiedenen Phasen einer Geburt an, lernten verschiedene körperliche Übungen und probierten das sogenannte Tönen aus. Verschiedene Wehen- und Geburtsstellungen und der unvermeidbare Film rundeten den Kurs ab.

Vor allem das Tönen gab mir das Gefühl, etwas Handfestes gelernt zu haben. Und auch der Prophet ist jetzt viel ruhiger und selbstsicherer – er kennt jetzt verschiedene Massagetechniken und Stellungen, mit denen er mir in den Wehen helfen kann und hat nicht mehr das Gefühl, hilflos zusehen zu müssen, während ich Schmerzen habe.

Morgen ist der letzte Termin und ich muss zugeben, ich bin wehmütig. Der regelmäßige Austausch mit anderen Schwangeren wird mir ziemlich fehlen und eine erhoffte Bekanntschaft oder gar Freundschaft zu anderen Paaren hat sich bisher leider nicht ergeben. Mal sehen, wie es den anderen morgen so geht.

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