Das Kinderzimmer

Vor ein paar Wochen las ich auf mehreren Blogs Artikel, in denen überlegt wurde, ob ein Kinderzimmer wirklich notwendig sei, da das Baby ja doch bei den meisten das erste Jahr im Elternschlafzimmer schlafen werde. ein paar der Dinge fand ich wirklich gut: das Kinder bei ihren Eltern sein möchten, zum Beispiel. Und das es daher zumindest im ersten Jahr gar keinen Grund für ein eigenes Kinderzimmer geben würde. Dass das Grundbedürfnis eines jeden Kindes wohl eher „Nähe der Eltern“ als „eigener Platz“ lauten würde. Ein Kinderzimmer sei wohl eher ein Schlafraum und eine Art Aufbewahrungsstelle für Kleidung, Wickeltisch und Kuscheltieren im Regal denn ein Ort, wo Kinder die ersten Jahre wirklich LEBEN und nicht nur schlafen.

Nun – seit Samstag ist es fertig renoviert, das Kinderzimmer. Natürlich fehlen noch Sachen wie Wickelauflage, Matratze, Bettwäsche etc. Aber tapeziert ist jetzt und Möbel sind auch aufgebaut 🙂 Als wir anfingen, an unserem kleinen Poltergeist zu basteln, gehörte die Vorstellung eines Kinderzimmers irgendwie fest mit dazu. Ein eigenes Bett, auch wenn es zumindest in der Stillzeit wohl eher nicht genutzt werden würde. Familienbett, bis das Kind dann vier, fünf Jahre alt ist, konnten weder der Prophet noch ich uns vorstellen. Beim besten Willen nicht. Dann las ich ein Argument, dass mich zum Nachdenken brachte: „Wenn du nicht ohne deinen Herzmenschen einschlafen möchtest, warum verlangst du es von deinem Kind?“ Wir kamen ins Wanken, denn an dieser Tatsache ist wirklich was dran. Mein Mann und ich haben seit der Hochzeit genau zwei Nächte ohne einander verbracht, und das nur gezwungenermaßen. Nie würde uns bei einem Streit einfallen, auf der Couch zu schlafen – lieber diskutieren wir bis morgens um vier und schlafen dann versöhnt und nebeneinander ein. Ich kann nicht schlafen, wenn ich seine Atemzüge nicht höre. Warum sollte unser Kind dann ohne Papa und Mama schlafen müssen?

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Ich kann teilweise aber auch nicht schlafen, wenn er neben mir liegt, denn der Prophet ist nicht nur ein ganz wunderbarer Mensch, er ist auch ein ganz großartiger Schnarcher. Ich wurde von Freunden, die das von gemeinsamen Seminaren schon kennen, schon mitleidig bis ungläubig angesehen, wie ich denn nur um Himmels willen FREIWILLIG mit diesem Sägewerk in einem Zimmer schlafen könne. Nun – in den meisten Fällen kann ich ganz wunderbar 😀 Nur jetzt in der Schwangerschaft macht es mir teilweise zu schaffen, dann liege ich schlaflos neben ihm, während er ganze Wälder abholzt. Und genau das ist einer der Gründe, warum ich ein eigenes Kinderzimmer für unseren Jungen für sinnvoll halte. Ich kann mir auf der einen Seite überhaupt nicht vorstellen, die Nächte ohne das Wunschkind zu verbringen, auf das ich so lange gewartet habe. Und ich hoffe so sehr, dass es sich vom Schnarchen seines Vaters nicht davon abhalten lässt, zu schlafen. Dann kann er nämlich ohne weiteres bei uns seine Nächte verbringen. Es gibt aber Kinder, die können das nicht. Familien, in denen sich beide Generationen immer wieder wecken und keiner, weder Eltern noch Kind, nachts zur Ruhe kommt. Für mich ist es beruhigend, dass wir dann „für den Notfall“ ein Zimmer in der Hinterhand haben.

Tagsüber haben wir fürs Wohnzimmer eine Wiege – aber ewig wird der Kleine da auch nicht reinpassen. Auf dem Sofa ist nicht genug Platz für ein sicheres Mittagsschläfchen, und das Risiko, dass der Kleine von unserem Bett fällt, möchte ich nicht eingehen. Da würde ich also schon das eigene Babybett im Kinderzimmer zum Schlafen vorziehen. Zumal das Kind dann auch sicher vor unserer Katze wäre, die gern zwischen „Morgen-“ und „Abendfell“ wechselt. Ins Schlafzimmer darf sie deshalb nicht mehr, ich  mag weder Katzenhaare im Bett noch auf meiner frischgewaschenen Wäsche in unserem offenen Schranksystem. Im Kinderzimmer möchte ich sie eigentlich auch nicht haben, da ich nicht verhindern kann, dass sie dann auch ins Babybett springt.

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Ich finde die Überlegungen, ob ein Baby denn nun ein eigenes Zimmer braucht, durchaus sinnvoll. Es sprechen genug Gründe dafür, dass so ein Raum dann eben nur Schlafraum wäre, wo sonst keine „Nestwärme“ vorhanden ist, weil er eben nicht genutzt wird. Da kann man aber gegensteuern, denke ich. Kinder wollen da sein, wo die Eltern sind. Für mich spricht nichts dagegen, dass ich mich auch tagsüber im Kinderzimmer aufhalte, damit das Kind auch diesen Raum als heimelig empfindet. Und für den Notfall ist es beruhigend zu wissen, dass ein gemütliches, liebevoll eingerichtetes Zimmer mit kuscheligem Bett auf unsren Poltergeist wartet, falls er wegen Papas Schnarchen nicht schlafen kann. 🙂

(Mal abgesehen davon, dass wir auf Dauer gern noch weiteren Nachwuchs hätten und ich dem Gedanken an Sex, während mein Kind schlafend neben mir liegt, nichts abgewinnen kann. Mal ehrlich, liebe Familienbetteltern – wie MACHT man das?)

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