Realismus

„Du bist aber auch eine ewige Optimistin“ sagte eine Freundin mir mal. Nein. Bin ich nicht. Aber es gibt Situationen, in denen übe ich Zweckoptimismus bis zum Erbrechen. Weil ich mich zwinge. Weil ich muss. Weil ich ohne zusammenbrechen würde.

An guten Tagen bin ich einfach nur wütend. Wütend, wie jemand so unverfroren sein kann. So frech. Wütend, weil dieser jemand ganz genau weiß, was die aufgestellten Behauptungen anrichten. Wütend auf das System, dass den Anschuldigungen zu glauben scheint. Wütend auf Gott, der sowas zuzulassen scheint. Wütend, weil es unsere Existenz bedroht. Wütend, weil es mir meine erste Schwangerschaft versaut. Wütend, weil ich hilflos bin und nur abwarten kann. An diesen Tagen denke ich „fick dich Welt“ und mache weiter. Halte daran fest, dass das System irgendwann aufwacht. Rechtzeitig aufwacht. Drehe meine Runden in der Tretmühle und denke nicht an morgen. Vergesse beinahe das Damoklesschwert, was über unserer Existenz hängt, die wir unser Leben nennen. Wut ist ein prima Katalysator, um seinen Alltag zu bewältigen.

Dann gibt es die schlimmen Tage. Tage, an denen ich morgens schon nicht aufstehen möchte. An denen ich nichts schaffe, weil ich den ganzen Tag vor dem Rechner rumhänge in der Hoffnung auf Ablenkung. Tage, an denen ich den Worst Case wieder und wieder google und keinen Ausweg finde. Das sind die Tage, an denen ich mühsam versuche, nicht immer wieder in Tränen auszubrechen. Und es doch nicht schaffe. Das Problem aber ist, wenn ich einmal angefangen habe, kann ich nicht mehr aufhören. Freitag war so ein Tag. Ich versuchte es mit der üblichen Maske, böse, schwarz, meine Rüstung, doch es nutzte nichts. Hilflose Wut schlug in Tränen um, und so saß ich im Wartezimmer des Arztes und heulte stumm vor mich hin. Samstag war ein besserer Tag, dachte ich. Es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Sonntag war es ganz schlimm. Bis nachts um vier schlaflos, Diskussionen, Tränen. Und alte Verhaltensmuster. Immerhin griff ich diesmal nicht zu heißem Wasser, um mich zu verbrühen. Ich war erstaunt, dass ich den Propheten bitten musste, meine Nägel aus meinem Arm zu lösen – meine Hand ließ einfach nicht los. Ja, die Nerven sind dünn. Sehr dünn. Ihm geht es nicht anders. Und so geraten wir an schlimmen Tagen regelmäßig aneinander. Weil wir beide hilflos sind. Weil wir wütend sind. Weil wir nur abwarten können und uns das zermürbt. Weil es Zeit, Geld und Nerven kostet. Dinge, die wir nicht haben. Geld, das fehlt. Nerven sowieso. Im Moment habe ich viele schlimme Tage.

„Ihr schafft das“, sagen Freunde. „Ihr steht das durch, ihr seid stark.“ Unsere Ehe hält das aus, daran zweifel ich ja gar  nicht. Wenn es also darum ging, unsere Beziehung zu zerstören – nein, das schaffst du nicht. Die Frage ist nur, ob unsere Existenz es auch schafft.

Ich bin keine ewige Optimistin. Ich bin Realist. Ich weiß genau, wenn ich jetzt durchdrehe, kann ich mich nicht mehr fangen. Also hangel ich mich durch jeden Tag. An den schlimmen Tagen oft von Stunde zu Stunde. Und momentan habe ich viele schlimme Tage. (Heute die Flucht ans Meer. Tat gut.)

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müde

Die Dauerbelastung geht in die nächste Runde. Was solls. Nicht mehr drüber aufregen. Stillhalten. Atmen. Aushalten. Resigniert? Nein. Nur zu müde zum Kämpfen.

Categories: Zweite Seele

17. Woche

Schon 5. Monat jetzt – meine Güte, wann ist DAS denn passiert??? 😯

Heute war die zweite Vorsorge im Geburtshaus. Als wir ankamen, wurden wir vom Schrei eines Babys begrüßt ♥♥♥

Die Untersuchung ergab, dass ich bisher etwa 1,5 Kilo zugenommen habe. Die Gebärmutterkante liegt bei zwei Fingern unterm Nabel, die kleine F(l)edermaus wächst also ganz brav 😉 Ich frag mich, wo der Kugelbauch herkommt, wenn ich doch so wenig zugenommen habe bisher, aber vermutlich hat das alles in mir wenig Platz, ich bin ja so klein, das staucht dann schon mal und wölbt sich nach aussen *kicher* Der Blutdruck liegt bei 100/60 – sehr gemütlich, sagte die Hebamme, von Stress keine Spur. Ich bin ganz beruhigt, dass sich all der Ärger, den wir grade haben (und davon haben wir ja nun mal zur Zeit echt nicht zu knapp) sich nicht auf meinen Blutdruck auswirkt 🙂

Das Spannendste war natürlich das Herztöne hören – klar auch für den Liebsten, der unser Kind ja zum ersten Mal hörte ♥ Leider wollte das Entchen diesmal nicht so recht, man konnte die Herztöne zwar hören, aber schon recht dumpf und leise. Dafür pochte es immer mal wieder in dem Apperat – so als ob das Kleine mit der Faust gegen die Abhörmonitur schlagen würde. Braves Kind, wir mögen es eben nicht, wenn fremde Menschen uns belauschen :mrgreen:

So weit alles gut, in vier Wochen gehts zum Ultraschall, bei dem das Baby uns dann hoffentlich auch verrät, ob Erpelchen oder Entchen 😉

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