Vertrauen

„Warum habt ihr kirchlich geheiratet?“ wurde der Prophet letzte Woche gefragt. Als er antwortete, dass wir Christen seien, bekam er ein überraschtes „So siehst du aber gar nicht aus!“ zu hören. Wir fanden das urkomisch und fragten uns, wie denn der typische Christ wohl aussieht 😉

Heute vor 10 Jahren habe ich mich entschlossen, auch zu dieser Truppe zu gehören. 10 Jahre Christ-sein. (Davon hab ich 5 Jahre lang gar nichts von Gott wissen wollen und nur etwa 2,5 Jahre auf das gehört, was er mir sagte.) Seit 10 Jahren begleitet mich mein Taufvers, und oft war er mir ein Trost.

Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

(Römer 8, 28/29)

Pures Gottvertrauen, dass alles, was passiert, ein Gutes hat, dass alles, was uns passiert, ein gutes Ende nehmen wird. Nie war es wichtiger. Und nie fiel es mir schwerer als in dieser Zeit.

Categories: Stunde des Lichts

Verlangen

Und dann ist da dieser Impuls, einfach ein paar Klamotten in den Koffer zu werfen und abzuhauen. Alle Brücken abbrechen, ikognito und sorgenfrei leben.

(Durchatmen.
Bleiben.)

Categories: Zweite Seele

Alltagsrassismus

Am Dienstag traf ich mich mit ein paar Freunden zum Hauskreis am See. Spontan packte ich Decken und Nudelsalat ein und es war abends dann zwar schon ein wenig frisch, aber trotzdem sehr gemütlich. Ich fühlte mich sehr wohl, bis – bis wir angesprochen wurden von zwei Männern mit dunkler Haut. Einer von ihnen setzte sich zu uns und es ergab sich schnell ein Gespräch mit dem Rest der Gruppe. Derweil drehte ich mich mehr oder weniger mit dem Rücken zu ihm, ergriff die Hand meines Mannes und hielt mich daran fest. Ich sah den jungen Mann nicht an und gab mich sehr abweisend, um nicht ins Gespräch gezogen zu werden.

In meinem Kopf lief ein anderer Film ab – neun Jahre her, eine andere Location und dennoch war die Situation seltsamschlimm vertraut. Ich ging zur Uni und lernte einen scheinbar netten jungen (schwarzen) Mann kennen. Wir gingen in dieselbe christliche Studentengruppe und ich gab ihm dummerweise meine Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Dann fing der Terror an. Egal wo ich war, er tauchte auf. Bücherei, Mensa, Computerlabor, die Studentengruppe, am Ende selbst die Bar, in der ich kellnerte. Und immer setzte er sich in meine Nähe und ließ mich nicht aus den Augen. Ignorierte ich ihn, sprach er mich. Hörte ich Musik, um ihn besser ignorieren zu können, summte er die Melodien mit. Schrie ich ihn an, er solle mich in Ruhe lassen, fragte er, warum ich ihn nicht angerufen habe. Sagte ich ihm, ich werde nie und nimmer mit ihm ausgehen, warf er mir vor, ich hätte ja nur Angst, dass er mich vergewaltigen würde, weil er schwarz sei. Das war etwas, dass mich wirklich wütend machte, ich sagte ihm schließlich nicht ab, weil er schwarz war, sondern weil er mich stalkte. Er aber drängte mich in die Rolle einer Rassistin und nutzte seine Hautfarbe schamlos aus, um mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Schließlich war ich doch die Frau, die Gott für ihn geschaffen habe, warum ich das nicht erkennen würde? Ich hatte in dieser Sache kein Mitspracherecht, er war einfach davon überzeugt. Die Geschichte war erst zu Ende, als ich mich verzweifelt an einen Freund wandte, der in der gleichen Gemeinde wie der betreffende junge Mann war. Der sprach mit dem Pastor der Gemeinde – ich weiß nicht, was der Pastor mit dem Typ gemacht hat, aber seitdem war Ruhe und ich konnte mich wieder frei bewegen.

Vor einem Jahr traf ich ihn noch einmal an der Uni. Ich sah, wie er eine junge Frau ansprach – und versteckte mich hinter meinem Netbook. Ich beobachtete zwar, hatte aber nicht den Mut, direkt einzugreifen. Mein Herz schlug wie wild und ich hoffte, er würde mich nicht bemerken – auch wenn ich fast sicher bin, dass er mich nicht erkannt hätte, ich sehe jetzt völlig anders aus wie vor neun Jahren. Als er ging, nahm ich allen Mut zusammen und sprach das Mädchen an. Ich erzählte ihr meine Geschichte und warnte sie, ihm nur niemals ihre Telefonnummer oder andere Kontaktdaten zu geben. Er hatte aber bereits ihre Mail-Adresse und ich weiß nicht, wie die Geschichte ausging. Sie hatte ihm zwar von ihrem Freund erzählt, aber meiner Erfahrung nach hielt ihn das nicht lange zurück – bei mir half die Geschichte vom Freund damals jedenfalls nicht.

Wieder zurück am See. Ich saß mit Herzklopfen da und drückte die Hand meines Mannes, bis meine Finger weiß waren. Und ich war so froh, als er wieder ging und ich wieder durchatmen konnte. Ich verstand zwar meine Reaktion, aber ich fand sie trotzdem blöd. Ich finde es doof, dass ich so reagiere, dass ich mich nicht gelassen mit Männern schwarzer Hautfarbe unterhalten kann, ohne an diesen einen Typen zu denken. Ich schaffe es einfach nicht, meine körperlichen Reaktionen unter Kontrolle zu bringen. Nein, dass ist nicht schön – gerade, weil es mich in eine Rolle drängt, in der ich nie sein wollte. Meine ganz persönliche Form von Alltagsrassismus – ganz ohne, dass ich das eigentlich will.

Categories: Zweite Seele

wieso weshalb warum

Der Grund, warum der Blog hier ne ganze Weile dicht war, ist übrigens nicht die Schwangerschaft. Ich hätte auch durchaus genug zu schreiben gehabt (allein die Geschichte der eingeschlagenen Fensterscheibe im Auto, bei der dann auch munter meine Handtasche und das Navi geklaut wurde, wären eigentlich nen eigenen Eintrag wert gewesen), allein – den eigentlichen Grund kann ich nicht nennen. Nicht, weil ich nicht WILL, sondern nicht KANN. Aus Gründen. Selbstschutz und so.

Fakt ist, die Vergangenheit ist aufgetaucht und hat unschöne (und unwahre) Dinge verbreitet, die unter Umständen böse enden können. Wie man auf die Idee kommt, so etwas zu tun – ich weiß es nicht und ehrlich gesagt möchte ich darüber auch nicht weiter nachdenken. Ich kann nur fassungslos den Kopf schütteln und den Anwalt einschalten. Und abwarten. Und das ist mitunter wohl das Schwerste.

Categories: Zweite Seele

Rubensfrau. Oder so.

Das Tolle an der Schwangerschaft ist ja, dass ich mich tatsächlich viel selbstbewusster auch an engere Klamotten traue. Ich kann jetzt meine überflüssigen Pfunde nämlich einfach als Babybauch tarnen *mihihi* Sollen sie doch alle komisch guggen, mir doch egal 😀

Ich war ja schon immer eher Marke „Pummelfee“ als „schlanke Elfe“, aber bisher hatte ich keine Probleme, passende Klamotten zu finden. Bei der Umstandsmode sieht das aber irgendwie anders aus. Tatsächlich zwicken meine Hosen schon seit zwei Wochen, der Knopf wurde ganz unelegant mit einem Gummiband überbrückt und ein längeres Oberteil drüber gezogen. Dummerweise hat die Methode einen Haken – sie funktioniert nicht mehr. Meine Jeans sitzt nicht mehr richtig, bleibt einfach nicht da, wo sie hingehört – und beim längeren Sitzen kneift sie eben doch. Es nützte also nichts, eine Umstandshose musste her. Und an dieser Stelle einmal eine Frage an alle Modemacher:

Warum glaubt ihr bitte, dass ALLE schwangeren Frauen auf hautenge Skinny-Röhrenjeans abfahren? Wir sind durch gefühlt 50 Läden gerannt und waren ungelogen 3,5 Stunden unterwegs, bis ich auch nur eine Hose in der Hand hatte, die zumindest boot cut war. Bitte überlegt doch mal – schwangere Frauen bekommen nicht einfach nur einen dicken Bauch. In den meisten Fällen lagern sie auch Wasser ein – in den Händen, in den Füßen und ja, auch in den Beinen. Man wird einfach insgesamt rundlicher – zum Geier, ja, nicht nur meine Brüste wachsen, mein Hintern wird ebenfalls größer! (Ich vermute, er tut das in dem verzweifelten Versuch, ein Gegengewicht zu bilden, damit ich nicht einfach vom Gewicht meiner Brüste nach vorne gezogen werde.) Klar werdet ihr bei den meisten Umstandssachen diese Veränderungen schon mit eingerechnet haben, aber die Hosen, die ich heute in der Hand hatte, waren fast alle vom Typ „normal geschnitten, aber der Bund ein wenig tiefer und dann einfach nen Stoffschlauch oben dran genäht“. Wobei „normal geschnitten“ hier selbst bei meiner doch eher großzügen Maße jenseits der 40 bedeutete, dass es ziemlich genau drei Schnitte gab:

  • skinny
  • hauteng
  • und „muss mit dem Schuhlöffel angezogen werden“

Selbst wenn ich da JETZT noch reinpasse (ich bin ja schließlich erst Anfang vierten Monats), glaubt ihr allen Ernstes, dass passt in zwei Monaten noch? 😯  Glücklicherweise haben wir dann doch noch eine Hose gefunden, die mir zusagte, auch wenn ich gern ein noch weiteres Bein gehabt hätte. Aber man kann eben nicht alles haben 😉

Categories: Dein Anblick