Es fügt sich

Unglaublich, aber wahr: ich bin fertig mit dem Studium. Neun Jahre studiert und endlich fertig. Und auch wenn es ja „nur eine Bachelorarbeit“ ist (ja, wenn ich das sage, ist das ok – allerdings habe ich das auch von Freunden gehört und das fand ich nun echt doof.), ich bin verdammt stolz drauf. Nicht, weil ich endlich fertig bin – das hätte ich mit viel Disziplin auch schneller fertig bekommen, trotz der jahrelangen Doppelbelastung durch Arbeit und Studium und einer Wochenarbeitszeit von rund 50 Stunden. Ich bin stolz darauf, dass ich mich durchgebissen habe. Dass ich NICHT abgebrochen habe. So oft stand ich da und hab mich gefragt, warum ich das eigentlich noch mache? So oft heulend dagesessen und mich gefragt, wie ich das Geld fürs Studium zusammen kratzen soll. Fertig studiert. Endlich. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so aufwühlen würde. Tatsächlich bin ich jetzt total überfordert. Und nervös. Mein Körper zeigt mir das auch ganz deutlich. Nervöses Zucken unterm Auge, eine andauernde Muskelanspannung, die sich nur schwer lösen lässt. Trinke Kräutertee mit Honig und versuche, mich zu entspannen. Langsam fügt sich alles zusammen. Den richtigen Mann gefunden, geheiratet, Studium beendet. Und jetzt?

Ein Baby wäre schön. (Tatsächlich zerreißt es mich manchmal, wenn ich meine junge-Mami-Twitter-Timeline lese. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal so sehr, dass ich die TL wieder schließe, kaum dass ich sie geöffnet habe.) Ja, ein Baby wäre sehr schön. Elterngeld aber auch – und eine Stelle, zu der ich zurückkehren können möchte, Und die soll vorzugsweise nicht im Call Center sein. Call Center = schlechtbezahlter Knochenjob. Und ich möchte ernsthaft nicht die nächsten 40 Jahre im Call Center sein. Kündigen und zu Hause bleiben will ich aber auch nicht – auch wenn mein Mann sagt, es wäre ok für ihn. Also muss eine Stelle her. Nicht so einfach, auch mit einem abgeschlossenen Studium. Schon gar nicht, wenn man wie ich 9 Jahre lang studiert hat. Klar kann ich das erklären – ich habe halt immer nebenbei gearbeitet, und war anfangs auch länger krank – aber diese Tatsachen kann man eben erst dann erklären, wenn man im Vorstellungsgespräch sitzt. Die Chance muss man aber auch erst mal kriegen. Wenn ich mich so umsehe, meine Freunde haben noch nichts gefunden. Und ich hab ein wenig Angst, dass es mir genauso geht.

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