Wedding Weekend

Bevor ich all die tausend Kleinigkeiten vergesse, die dieses Wochenende so wunderbar gemacht haben, verblogge ich das jetzt – so habt ihr was zu lesen, während der Liebste und ich uns an der Nordsee vergnügen 😉 Ich denke, das wird ziemlich lang, also macht es euch gemütlich 😀

Donnerstag

Da unsere Mütter sich noch nicht kannten, dachte ich, es sei eine hübsche Idee, wenn sie sich ganz zwanglos am Abend vor der Trauung kennenlernen könnten. Ganz zwanglos artete das dann auch in Stress aus, da meine liebe schwiegerfamilie sehr nervös viel zu früh aus dem Sachsenland los fuhr und dementsprechend quasi vor unserer Tür wartete, noch bevor wir überhaupt da waren ;o) Dafür kamen meine Mutter und ihr Freund zu spät – sie hatten irgendwo ein kleines Hostel gefunden, und warteten über zwei Stunden vor der Tür auf den Portier, der einfach nicht auftauchte… Irgendwann saßen wir dann doch alle zusammen. Gespräche kamen anfangs eher schleppend in Gang, beide wussten noch nicht so recht, worüber sie sich unterhalten konnte. (Babyfotos von uns wären ne Idee gegeben, aber leider gibt es kaum welche von mir *g*) So gegen 21 Uhr lösten wir die Runde auf. Den letzten Abend als Junggesellen verbrachten wir auf dem Balkon, wo wir uns mit einer Decke auf den Boden kuschelten, Sterne guggten und einen Wein tranken.

Freitag

Standesamt. Am Morgen kam mir sehr wichtiger Besuch an, mein Täufer und seien Frau, sie reisten über Nacht mit ihrem Baby aus der Schweiz an. Es war wunderbar, morgens noch eine ruhige Stunde mit ihnen zu verbringen, und ich war so erstaunt, wie gut die Kleine das alles meisterte! Sie ist grad drei Monate alt, und es war laut und stressig und alle sprachen anders, als sie es gewohnt war (halt hoch- statt schweizerdeutsch) und dieses kleine Wesen lag da, schaute sich aufmerksam um und nörgelte nur, weil sie Hunger hatte. Total toll! Meine Trauzeugin kam dann auch und brachte den Brautstrauß mit. Als mein Liebster ihn sah, kullerten die ersten Tränchen. Wunderschöne rote Rosen, passend zu meinen roten Schuhen, es war toll. Und praktischerweise wurde er gleich so gebunden, dass ich nur eine Nadel lösen musste, damit ich das Ziergras abnehmen konnte. So konnte der Strauß am Sonntag schön erst als Altarschmuck dienen und dann geworfen werden – ein Multifunktionsstrauß sozusagen 😀 Langsam wurde es Zeit, uns umzuziehen – beim Schnüren des Korsetts blieb mir kurz die Luft weg, aber was machte das schon. Am Donnerstag hatte ich spontan noch einen Kopfschmuck aus schwarzen Federn besorgt, die Frisur war in zwei Minuten fertig und nachdem ich den Bluterguss auf des Liebsten Stirn überschminkt hatte (lange Geschichte kurz erzählt: Mittwoch, Junggesellenabend. Mein Mann kam nach Hause, strahlte und sagte: Schatz, ich war ein Einhorn. Ich sah den zwei Euro großen Bluterguss auf seiner Stirn, lächelte liebevoll und dachte: Schatz, du bist ein Idiot. Am Donnerstag sah er das dann auch ein *grins*) konnte es losgehen. Am Standesamt angekommen, sah ich mich suchend um, konnte aber meine Mutter nirgends entdecken. Dafür ungefähr sechs Hochzeitsgesellschaften, die alle darauf warteten, dass es los ging. Ich musste so grinsen, alle Bräute im weißen Kleid (mal mehr, mal weniger hübsch), alle Männer im schwarzen Anzug – nur wir, wir standen da, ich im Korsett und mit schwarzer Hose, der Liebste hatte ein Hemd und einen langen schwarzen Rock an *grins* (Er landete dann auch tatsächlich auf dem Damen-WC, als er mal musste – ist wohl auf das Klo für „mit Rock“ gegangen und hatte sich damit perfekt an das Piktogramm gehalten *prust*) Bis wir vorn im Trauzimmer Platz nahmen, merkte ich nicht, dass ich nervös war. Aber als wir dann da saßen, fing plötzlich das Zittern an – dabei war das doch nur die Generalprobe, sozusagen! Die Trauung war kurz und bündig, sehr knapp, sehr sachlich – mir tun im Nachhinein die Paare leid, die „nur“ das haben. Das wäre mir zu unpersönlich dann. Für uns war es ok, da wir ja Sonntag noch die „richtige“ (bzw eben die für uns wichtigere) Trauung stattfinden sollte. Als es zur Unterschrift kam, gab es dann doch noch Verwirrung. Ich wurde vom Standesbeamten dazu aufgefordert, mich hinter meinem Mann zu platzieren während seiner Unterschrift, habe das aber tatsächlich akkustisch einfach nicht gehört und reagierte dementsprechend auch nicht 😀 Als wir alle unterschrieben hatten, gingen wir raus für einen kleinen Sektempfang und ich war dann doch ganz froh, dass ich was zu trinken bekam 😉 Fotos wurden gemacht und am Ende fuhren wir zu meiner Trauzeugin, wo ihr Mann bereits den Grill angefeuert hatte. Als wir kurz eine Minute zu viert hatten, zog ich dann unsere Überraschung aus der Tasche – Kinogutscheine für die beiden, die uns so großzügig ihren Garten überließen. Wir dachten, wir fahren dann Babysitten bei ihnen und sie können sich einen schönen Abend machen – ich glaube, dass ist auch ganz gut angekommen 😉
So gegen vier lösten wir dann langsam auf – abends fand hier noch das Überseefestival statt, und wir schauten noch kurz dort vorbei, bevor wir dann totmüde, aber glücklich in die Betten fielen.

Samstag

Samstag luden wir zum Brunch ein. Noch einmal die Gelegenheit für unsere Mütter, ins Gespräch zu kommen – und es war, trotz allem Stress in der Vorbereitung, genau das Richtige. Als dann alle saßen, ihren Kaffee tranken und frühstückten, konnten auch wir uns ganz gemütlich aufs Sofa fläzen und chillen. Es war sooo entspannt – und so ging der Tag dann auch weiter. Nachmittags nutzten wir die Chance und schliefen drei Stunden quasi komatös, bevor wir noch letzte Kleinigkeiten erledigten. Ich packte die Kisten mit den Sachen, die wir brauchen würden, erklärte meinem Mann (ui, mein Mann!) was er in welcher Kiste finden würde und dann saßen wir dort und saßen fern 😉 Um 23 Uhr war es dann mit der Ruhe allerdings vorbei – wir bekamen eine SMS, dass unser Gitarrist nicht kommen könne, da sein Vater ins Krankenhaus kam. Verstanden wir natürlich und wünschen von hier aus noch mal gute Besserung!!! (Jeder Christ ein Gitarrist, dachte ich mir – irgendwer würde das schon übernehmen können. Schlimmer war, als wir sahen, dass der Trauzeuge mit seiner Begleitung noch ins Krankenhaus fuhr, weil sie sich einen Nerv einklemmte. War dann aber Sonntag alles wieder ok.)

Sonntag

Unser Tag. DER Tag. So lange darauf hingefiebert, war er endlich da. Der Liebste war nervös, ich saß im Bademantel auf dem Sofa und kaute ein Brötchen (immerhin, ich frühstückte!) und half dann meinem Mann beim Anziehen. Er sah so wunderbar aus in seinen Mittelaltersachen, es war so toll! Sie fuhren los und ich fühlte mich immer noch nicht sonderbar aufgeregt und bezog mit der liebsten MudderSeemann erst mal noch unser Bett (sie sagte dann später am Abend zum Liebsten: das Bett ist frisch bezogen und ich will Babysachen stricken, seh zu! *öhem*). Als meine Mama da war und ich mich schminkte, war es auch noch ok. Erst, als es an die Frisur ging, wurde ich raschelig. Ich hatte mir eine Flechtfrisur von der Dreadfactory ausgesucht, und bat meine Mutter, mir zu helfen. Flechte ruhig etwas strammer, sagte ich – und jaulte im nächsten Moment auf. „Stramm,“ sagte meine Mutter, „du HAST stramm gesagt, mehr hab ich nicht getan!“ Uah, scheiße, tat das weh – meine Mutti wusste nicht, dass sie pro Dreadlocke ungefähr 4cm² Kopfhaut in der Hand hatte – und eben auch daran zog. Als dann der Zopf fertig war konnten wir uns nicht einigen, wer denn nun das Zopfende mit den Haarnadeln befestigen dürfe – ich wollte so, die beiden andren Damen wollten so, und waren auch (meiner Meinung nach) zu vorsichtig, damit sie meine Kopfhaut nicht erwischten. Nun sind Dreads eben doch eine recht widerstandsfähige Frisur und man hat einfach mehr Volumen als bei einer normalen Flechtfrisur – man kann da nicht viel falsch machen, eigentlich (bis auf das Flechten selbst vielleicht *kicher*) Also wurde ich irgendwann echt laut (Nehmt doch mal die Pfoten da weg, man!) und steckte mir das Zopfende selbst fest. Ich war froh, als ich dann im Auto saß – ich fühlte mich ein wenig wie ein aufgeplatztes Sofakissen *hust* Wir holten noch den Mann meiner Trauzeugin ab, nahmen die Sträuße in Empfang (mein Brautstrauß, so wunderschön – weiße Rosen, lila Blümchen dazwischen, Efeu als lange Ranken dazu – hachz!) und fuhren zur Burg. Da wir viel zu früh da waren, vertrat ich mir auf dem Parkplatz die Beine – bis ich von der Begleitung meines Schwagers (der auch der Trauzeuge des Liebsten ist) darauf aufmerksam gemacht wurde, dass man mich vom Fenster aus sehen konnte. Zeitgleich fing es an zu regnen – und hörte auch nicht mehr auf. Auch da zuckte ich nur noch mit den Schultern – ich konnte es ja eh nicht mehr ändern. Als dann mein Täufer kam, stockte mir kurzzeitig der Atem – er sah ganz toll aus in seinem Zauberermantel mit Kapuze und einer kugeligen Flasche am Gürtel, in der es geheimnisvoll giftgrün schimmerte! Dabei wollte er sich nie verkleiden, immer, wenn ich von der Hochzeit sprach (vor Jahren schon: „Wenn ich mal heirate, dann wird das ne Mittelalterhochzeit und alle müssen in Gewandung kommen!“) hieß es, ich verstecke mich dann hinter der Kamera… Und dan stand er vor mir, im Mantel, es fehlte nur noch der Stab – es war toll. Wir scheuchten die Gäste in den Biergarten (es regnete immer noch) und schlichen uns von Ecke zu Ecke immer näher heran. Als dann die Musik einsetzte und die ersten Töne von Greensleaves auf der flöte erklangen (allerdings vom Band) setzte Herzklopfen ein. Ich zog die Kapuze vom Kleid hoch, hakte mich bei meinem Begleiter ein und schritt zum Altar, sah all die Gesichter, die mich anstrahlten, und erblickte meinen Mann – er wischte sich grad Freudentränen vom Gesicht. Der Altar sah genauso aus, wie ich gewollt hatte, und schlussendlich war es trotz Platzregen, der auf die Sonnenschirme prasselte, sehr gemütlich. Alle saßen (mehr oder minder) im Trockenen, es musste noch ein wenig an der Technik geschraubt werden, damit man den Prediger verstehen konnte, aber es war perfekt. Ich sah mich um und sah so viele liebevolle Details – man hatte unsere Namen auf eine Tafel geschrieben, eine gute Freundin sah so wundervoll aus in ihrem Kleid (es wurde extra für die Hochzeit für sie als Geschenk zum Geburtstag geschneidert), sie sprang dann auch beim Musik machen ein und übernahm zusätzlich zum Gesang noch das Gitarre spielen (es war Zufall, aber die Gitarre ist mit Holz-Efeu-Blättern verziert und passte somit perfekt!) andere Freunde hatten sich als Tempelritter und Musketier gewandet und die Kinder hatten alle wahnsinnigen Spaß mit den Seifenblasen, die wir extra besorgt hatten. Es gab eine wunderbare Predigt über das Buch Rut, aus dem unser Trauvers stammte – und trotzdem, dass etwa die Hälfte der Gäste keine Christen waren, sah ich keine gelangweilten Gesichter. Meine kleine Schwester heulte hemmungslos, der Verlobte meiner großen Schwester filmte die ganze Zeremonie (ich freue mich so sehr darüber!!!) und bei der Musik musste ich dann doch auch herzhaft lachen: „Wasser des Lebens, fließt wie ein Strom, vom Himmel her, von Gottes Thron“ sangen wir und hatten Mühe, den Regenguss zu übertönen, der uns überschüttete. Schon waren wir beim Trauversprechen (ich war so stolz, wir haben es beide ohne Fehler geschafft!) und als es zum Ringtausch kam, zweifelte ich, ob mein Mann es überhaupt schaffen würde, mir meinen Ehering überzustreifen, so sehr habe ich gezittert. Aber er schaffte es und beim Kuss erklangen dann auch viele Glöckchen. Ich war froh, als ich mich wieder setzen durfte, hatte ich doch weiche Knie 😉 Beim letzten Lied kamen dann alle Kinder nach vorn, stellten sich hinter uns und machten Seifenblasen und es war so wunderschön! Wir saßen dort inmitten dieser kleinen, schimmernden zarten Kugeln und strahlten uns an. Verheiratet. Eine Einheit, für immer. Zum Sektempfang wurde es dann wieder trocken und die Sonne kam sogar raus, so dass es ganz wundervolle Bilder gab. Wir wünschten uns Fotos von allen, die da waren und so verschwanden nach und nach immer mal wieder Gäste, wurden zur Kanone geführt (auf dem Gelände steht so eine richtig alte Kanone) und wurden dort in den möglichsten und unmöglichsten Posen abgelichtet. Als wir dann dran waren, ließ ich es mir nicht nehmen, raffte mein Kleid und kletterte auf die Kanone. Mein Mann setzte sich rittlings hinter mich und ich bin sehr SEHR gespannt auf dieses Bild 😀 Zum Schluss sammelten wir alle zu einem Gruppenfoto, im Anschluss warf ich den Brautstrauß (also, die roten Rosen vom Freitag – mein Sonntagsstrauß kommt zu meinem Papa aufs Grab) und traf die Begleitung des Schwagers quasi am Kopf 😉 Wir wollten grade noch ein Bild mit den Mädels machen, als eine Fanfare erklang. Giacomo, der Barde tauchte auf und holte uns zum Essen – da ja nun mein Mann und ich „endlich unser unzüchtiges Leben aufgaben“ sei dies doch ein Grund zum Feiern – also „kommt Leute, fresst und sauft und habt Spaß!“ Es war so witzig 😀 Das Essen war super, die Notfallkörbchen für die Gäste auf den WC’s kamen sehr gut an und von allen Seiten hagelte es Komplimente und wunderschöne, liebevoll durchdachte Geschenke. Meine lieben Twittermädels schickten ein Gästebuch (ich hab fast geheult, ihr seid verrückt! DU vor allem!), wir bekamen einen Piratenschatz zum Ausgraben inklusive Schatzkarte, einen Ritterbrief und „die drei G: Gaffa, Gott und G/Kabelbinder“ (die halten die Welt zusammen, und damit auch unsere Ehe 😉 ) Goldtruhen und soviele andere Dinge, dass ich jetzt unmöglich alles aufzählen kann. seid versichert, ob genannt oder nicht – wir haben uns für jedes Geschenk Zeit genommen, haben die Karten gelesen, über eure lieben Worte und guten Wünsche geseufzt und uns gefreut, was für wundervolle Freunde wir haben und wie sehr euch unsre Ehe am Herzen liegt. Ihr seid toll und ohne euch wäre dieses Wochenende nicht so schön geworden, wie es war! ♥ DANKE ♥

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