Von richtigen Entscheidungen

Dieser Blogeintrag gärt schon sehr lang in mir. Und fast jeden Tag sitze ich vor der leeren WordPress Maske, grübele, sinniere, denke nach – und schließe die Maske dann wieder, ohne etwas geschrieben zu haben.

Was sollte ich auch schreiben. Was könnte ich schreiben, ohne, das es wie eine Abrechnung mit dem Krieger aussehen würde? Es gibt nichts zu erzählen. Es gibt soviel zu erzählen.

Vier Jahre gehen an niemandem einfach so vorbei. Und auch eine Trennung, so freundschaftlich das Verhältnis auch ist, geht an niemandem einfach so vorbei. Seit vier Wochen sind wir getrennt, seit zwei Wochen wohne ich jetzt beim Punk in der Sternburg. Und seit diesen vier Wochen taumelten der Krieger und ich umeinander herum, konnten nicht miteinander, wollten aber auch nicht ohne einander. Er trennte sich von mir. Wollte einen Neuanfang. Das klappte nicht, wir stritten, rangen miteinander, jeden Abend. Bis ich sagte ich ziehe aus. Sofort war die Spannung raus, ein freundschaftliches Verhältnis da. Die erste Woche war extrem hart für mich, am Ende der zweiten zog ich aus. Die Zeit dazwischen war geprägt von entspanntem Umgang miteinander. Kaum war ich in der Sternburg angekommen, redeten der Krieger und ich wieder miteinander. Viel.

Der Tanz begann von neuem – nicht miteinander, ohne einander aber eben auch nicht. Er suchte den Kontakt, chattete mich an, telefonierte mit mir. Wollte mit mir weggehen – ich stimmte zu. Gab mich selbstbewusst, er sollte doch bitte erst mal rauskriegen, was er denn jetzt eigentlich wolle. Insgeheim fürchtete ich, vor lauter Nervösität über meinen eigenen Beine zu stolpern. Wir redeten. Er wusste, was er wollte. Er wollte mich. Aber nicht in dem von Verantwortung füreinander geprägtem Beziehungsmodell, das ich wollte. Später, vielleicht. Im moment wollte er mich nicht verlieren, aber eine Beziehung, so wie ich sie mir wünschte, konnte er mir auch nicht geben. Ich dachte, ich gebe ihm Zeit – in der Zwischenzeit dann eben Freundschaft. Nur Freundschaft. Ich würde auf ihn warten, er würde schon wieder zur Vernunft kommen. Und es sah auch tatsächlich so aus. Als er mich morgens um vier anrief, um mir ein paar sehr persönliche Dinge zu sagen. Leider war das, was ich mir erhofft hatte – ein ausgesprochenes „Ich liebe Dich“ nicht darunter. Aber einige andere Dinge, die für den Krieger mit seiner verkorksten Gefühlswelt ebensoviel sind als hätte er mir die drei Worte gesagt. Ich verstand das. Ich weiß, wie er tickt und was geht und was nicht geht. Und somit hatte ich dann den „schwarzen Peter“ – jetzt war ich an der Reihe, rauszubekommen, was ich will und zum Glücklich sein brauche.

Ich grübelte. Hin und her. Bewegte seine Worte in meinem Herzen, überdachte sie, drehte sie vorsichtig von einer Seite zur anderen. Fasste sie mit Samthandschuhen an, weil es alles war, was ich vom Krieger bekommen konnte. Dachte nach und fragte mich selbst, ob es reichen würde, damit ich eine glückliche Beziehung führen könnte. Verteidigte ihn vor meinen Freundinnen, mit denen ich darüber sprach und die ich um Rat bat. Er gab mir viel mit diesem Telefonat. Und ließ alle Mauern fallen in diesem Moment. Ich grübelte weiter.

Und dann – dann kam Gott. Wie ihr wisst, bin ich gläubig. Und lange nicht so von Doktrinen geprägt, wie man jetzt vielleicht glauben könnte. Ich liebe meinen Gott, ich glaube an Jesus als meinen Freund, der sein Leben gab, um mich zu retten. Aber ich bin ein Mensch mit Fehlern und Macken und ich gebe nichts auf das Gesetz. Sowas wie „du darfst keinen Sex vor der Ehe haben und möglichst erst nach dem dritten Kind“ befolge ich nicht. Geb ich in meiner Gemeinde auch offen zu und werde dafür nicht verurteilt. (Das ist der Grund warum ich meine Gemeinde so toll finde ♥)

Genauso hielt ich es immer mit meinen Beziehungen. Ich weiß, das viele Christen fest der Meinung sind, das eine Beziehung „gläubig – nicht gläubig“ nicht funktioniert. Nicht sein darf. Meine beiden letzten Beziehungen waren genau diese Konstellation. Und beide gingen über 4 oder 5 Jahre hinweg. Beide Beziehungen trennten sich, weil das Zukunftsmodell nicht zusammen passte. Ich wollte Familie, die Männer nicht. (Mittlerweile hat mein Ex tatsächlich einen kleinen „Ziehsohn“ – und ich war erst mal „stunned“ als ich das sah. Ich freue mich für ihn, aber es war schon ein sehr sehr merkwürdiges Gefühl.) Nie trennten wir uns wegen dem Glauben. Oder besser – nie war der Glaube Hauptgrund.

Denn abgesehen von all dem Hin und Her mit dem Krieger jetzt, von all diesen Dingen, wegen denen wir uns trennten – diesmal war tatsächlich der Glaube im Spiel. Sonntag hatte ich Familie in allen Stadien um ich herum: junges Ehepaar, junges Ehepaar mit Säugling, Ehepaar mit einem Kind und schwangerer Frau… Und wo ich auch hinsah, dachte ich – das will ich auch. Genau das. Ich wünsche mir diese Familie. So sehr. Es war so hart für mich. Und ich begriff – mit dem Krieger würde ich das nie leben können. Nicht nur, das er noch keine Familie möchte, wir würden auch aneinander geraten, wenn ich die Kinder mit in den Gottesdienst nehmen würde. Weil er eben nicht daran glaubt. (Und das ist durchaus kein Vorwurf, es ist eben einfach so.) Ich möchte meine Kinder aber christlich erziehen. Ich möchte meinen Kindern nahebringen, warum ich diesen Gott so toll finde, an den ich glaube. Warum er mir so wichtig ist. Warum mein Herz voll Freude ist, wenn ich daran denke, das Jesus mir immer beisteht.

Also traf ich am Sonntag die Entscheidung, es endgültig aufzugeben. Einen Schlussstrich zu ziehen unter diese Beziehung und das umeinander herum schleichen zu beenden. Es ist nicht nur der Glaube. Es ist ja noch viel mehr. Ich brauche einen Mann, der mein große chaotische Gefühlswelt versteht. Der mir Sicherheit geben kann. Der mir zuflüstert: lass uns ein Baby machen. Kurzum, einen, der Verantwortung tragen kann. Mit mir, für mich. Und vor Gott. Denn der ist mir wichtig. Den brauch ich ebenso zum Glücklich sein wie eine Familie.

Der Krieger ist ein toller Mann – aber er ist nicht der, mit dem ich glücklich werden kann. Und jetzt versuche ich, nicht mehr jeden Tag an ihn zu denken. Ihn nicht mehr jeden Tag zu vermissen. Ich weiß, die Entscheidung war richtig. Auch wenn es sich im Moment noch nicht so anfühlt. Und ich aufpassen muss jetzt. Denn meine Mauern sind nicht mehr da. Nicht nur gefallen, sondern eingerissen. Ich muss aufpassen, das ich mein Herz jetzt nicht an den nächst Besten hänge. Weil das nicht fair wäre. Weder mir noch diesem Mann gegenüber. So ist das mit den richtigen Entscheidungen. Sie fühlen sich eben nicht immer richtig an.

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