Erkenntnis

Ich kann nur mich selbst retten, niemanden sonst.

Soviel gekämpft, soviel geweint, so viel Schmerz erduldet und Wunden zugefügt. Jetzt die entgültige Erkenntnis: es geht nicht mehr. Ich trauere – um eine Zukunft, die ich in seinen Augen sah. Mehr als um die Gegenwart. Ich trauere um den Mann, den ich in ihm gesehen habe – einen großen Mann, einen Krieger. Ich trauere um diesen Mann, den ich auf ewig verloren habe – denn befreundet kann ich nicht mit ihm sein. Entweder alles oder gar nichts. Schwarz oder weiß. So bin ich. Hart wie Stahl, weich und verletzlich wie ein Kind. Verwundet. Massiv. Ich trauere um unsere Kinder, die ich mit ihm haben wollte. Ich trauere um das Gefühl, seine langen Haare zu streicheln und durch meine Finger gleiten zu lassen. Nie wieder werde ich sein spitzbübisches Grinsen sehen, nie wieder seine Wärme spüren.

Zurück bleibt die Erkenntnis, das machtvolles Wünschen allein nicht reicht. Und das ich allein bin. Der Schmerz wird die Wunde reinigen. Zurück bleibt die Trauer. Um ihn. Um unsere Zukunft. Und das traurige Wissen, das er sich nicht ändern wird, sondern das sein Verhalten jetzt bestätigt ist. Ich wünsche mir so sehr, das er es erkennt. Das er diesen Entwicklungsschritt macht. Um seiner selbst willen.

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