Erkenntnis

Ich kann nur mich selbst retten, niemanden sonst.

Soviel gekämpft, soviel geweint, so viel Schmerz erduldet und Wunden zugefügt. Jetzt die entgültige Erkenntnis: es geht nicht mehr. Ich trauere – um eine Zukunft, die ich in seinen Augen sah. Mehr als um die Gegenwart. Ich trauere um den Mann, den ich in ihm gesehen habe – einen großen Mann, einen Krieger. Ich trauere um diesen Mann, den ich auf ewig verloren habe – denn befreundet kann ich nicht mit ihm sein. Entweder alles oder gar nichts. Schwarz oder weiß. So bin ich. Hart wie Stahl, weich und verletzlich wie ein Kind. Verwundet. Massiv. Ich trauere um unsere Kinder, die ich mit ihm haben wollte. Ich trauere um das Gefühl, seine langen Haare zu streicheln und durch meine Finger gleiten zu lassen. Nie wieder werde ich sein spitzbübisches Grinsen sehen, nie wieder seine Wärme spüren.

Zurück bleibt die Erkenntnis, das machtvolles Wünschen allein nicht reicht. Und das ich allein bin. Der Schmerz wird die Wunde reinigen. Zurück bleibt die Trauer. Um ihn. Um unsere Zukunft. Und das traurige Wissen, das er sich nicht ändern wird, sondern das sein Verhalten jetzt bestätigt ist. Ich wünsche mir so sehr, das er es erkennt. Das er diesen Entwicklungsschritt macht. Um seiner selbst willen.

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Wurzelspitzenresektion

Wenn man bloggt, passieren einem ja die dollsten Dinge. Freundschaften entstehen in Klein-Bloggersdorf, und wenn jemand einen Arzt-Termin hat, kommt es schon mal vor, dass die halbe Nachbarschaft virtuell dabei ist und Däumchen drückt. (An dieser Stelle heißen Dank an meine Twitter-Mädels, ich habe mir vorgestellt das ihr alle da seid und musste stellenweise ein Kichern schon fast unterdrücken.) Man überlegt sich, was von dem Erlebten blogtauglich ist und wie man es möglichst lesenswert erzählen könnte. Mein Termin beim Kieferchirurgen also hier und jetzt blogtauglich erzählt von einer immer noch reichlich zugedröhnten Frau Federschwarz:

8:40 – das Telefon geht, MudderSeemann wünscht mir Glück.

9:00 – Krieger wecken, duschen frühstücken

10:00 – du meine Güte, wir schaffen es, wir fahren tatsächlich mal PÜNKTLICH los

10:05 – der Krieger eröffnet mir, dass wir noch tanken müssen (normalerweise steigt mein Stresspegel hier schon, aber wir haben ja noch massig Zeit, der Termin ist erst um 11 Uhr)

10:15 – der Krieger übersieht den Radfahrer von rechts und geht massiv in die Bremsen, mein Stresspegel steigt proportional zur Bremskraft des Autos

10:17 – wir sind wieder unterwegs (fragen sie nicht nach meinem Stresspegel)

es folgen:

– rote Ampeln, schleichende LKW und PKW, Baustellen und ein sich verfahrender Krieger, der zu stolz ist, nach dem Weg zu fragen, bis ich ihn dazu zwinge. Wir sind – oh Wunder – dennoch pünktlich beim Arzt, nicht ohne erste Anzeichen eines Kraches zwischen uns. Auf dem Parkplatz noch mal tief durchatmen, dann gehts in die Praxis. An der Rezeption ein kurzer Wortwechsel mit der Sprechstundenhilfe, ein unsensibler Krieger (der einfach nicht versteht, wie man so Angst vorm Zahnarzt haben kann) und eine Federschwarze, die im Behandlungsraum den Tränen nahe ist.

– Eine sehr liebe Sprechstundenhilfe, die mich erst mal mit zum Röntgen nimmt (spannende Angelegenheit, man kommt sich zwar vor wie ein Blatt im Kopierer, kann seine Zähne dafür aber dann in 3D (heutzutage ist ja alles 3d, nech?) sehen, und das ganz ohne Aufpreis!) und ein wirklich netter Arzt.Bei den Röntgenaufnahme dachte ich noch, das wäre ein prima Bild fürs Blog, vergaß dann aber um eine Kopie zu bitten.

– Der „Kaninchen vor der Schlange“ Moment, in dem sich alles ab der Schulter bei mir verkrampft, ich aber dennoch total locker und entspannt wirke. Dieser Moment hält dann den Rest der Behandlung an, sodass ich zwar eigentlich fliehen will, aber dennoch brav alles mit mir machen lasse. Meine Knie würden eh weich werden beim Fluchtversuch, vermute ich.

– Eine Betäubung, die in 4 Minuten meine gesamte rechte Gesichtshälfte lähmt, und zwar vollständig. Und wenn ich „gesamt“ und „vollständig“ sage, meine ich das auch so. (Haben Sie schon einmal versucht, zu zwinkern, wenn sie das Augenlid nicht bewegen können? Kein so schönes Gefühl, kann ich ihnen verraten.)

– Eine von diesen wahnsinng schicken sexy grünen OP-Hauben. Ich wollte fragen, ob ich sie behalten darf als Andenken, habe mich dann aber nicht getraut – ich Schisser, ich. Dabei hätte der Krieger und ich so schöne Doktorspiele damit spielen können. Bestimmt.

– Die Behandlung selbst, während derer der Arzt und die Sprechstunde abwechselnd in mir rumbohren, prökeln, reißen, ziehen, drücken (nicht nur im Zahn, sondern auch auf dem Kopf, also, drücken, meine ich) sodass ich mir dachte: wozu die Mühe? Noch ein bisschen mehr Druck, dann ist der Zahn eh draußen!

– Weiche Brüste der durchaus niedlichen Schwester, die sich an meine Wange anschmiegten, während sie sich rüberbeugte, um dem Arzt zu assistieren – da dachte ich dann wiederum – wäre ich doch ein Mann. Oder bi. Dann könnte ich das Gefühl vielleicht mehr genießen. (*hust*)

– Das zugegebenermaßen doch recht wohlig anmutende Gefühl wird unterbrochen vom Brechreiz, der sich auf den Geschmack der Lösung zum Spülen der Wunde hin ganz spontan meldet.

– Fäden, die mich während des Vernähens in der Nase und im Mund kitzeln – ich muss an ein kleines Mädchen denken, dass in letzter Zeit des öfteren genäht werden musste und versuche, ebenso tapfer zu sein wie die Kleine (*drückeuch!*)

– Ein Arzt, der munter verkündet: „Och, die Naht ist aber nicht so schön geworden, das machen wir nochmal!“ und Fäden wieder rauszieht, um mir dann erneut das Zahnfleisch wieder am Kiefer festzunähen

– Schmerzmittel für zu Hause, eine Krankschreibung für heute und Verhaltensregeln für die nächsten 3-5 Tage. Liebe Timeline, ich entschuldige mich schon mal vorab – Kaffee ist gestrichen und ohne werde ich knatschig. Verzeiht!

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Feststellung

Eifersucht ist eine Leidenschaft,
die mit Eifer sucht,
was Leiden schafft.
 
(ätzendes Gefühl. ehrlich mal.)

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Ruhe vor dem Sturm

Morgen um diese Zeit bin ich auf dem Weg zum Kieferchirurgen. Übermorgen um diese Zeit werde ich vermutlich aussehen wie ein Hamster, der frontal gegen die Wand gerannt ist.

(Mein Krieger wird jedem, der fragt, bedeutsam verschwörerisch sagen: „Sie ist die Treppe heruntergefallen.“ *grins*)

Dummerweise habe ich den Fehler gemacht, zu googlen. Wurzelspitzenresektion. Heißer Tip: tut das niemals! Wenn man Glück hat, findet man nur Zeichnungen und Röntgenbilder. Wenn man Pecht hat – so wie ich – stößt man auf blutige Echt-Zeit-Bilder, von der Arzthelferin auf Bitten eines freakigen Bloggers hin geschossen, die er dann hinterher veröffentlichte.

Es ist vorhersehbar, wie es mir geht, oder? Ich fange an, nervös zu werden, sobald ich darüber nachdenke. Wortfetzen geistern in meinem Kopf herum: aufgeklapptes Zahnfleisch, Knochenbohrer, vereiterte Entzündung und blutige Tamponage. Ich freu mich. Nicht. Und ich hoffe, der Arzt ist nicht grad geizig mit Medikamenten.

Vielleicht gibts ein Foto. Übermorgen, aus dem Regenbogenland.

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