Vom Helfen

Jeden Tag, wenn ich zur Uni fahre, fällt mir eine Begebenheit von vor zwei Wochen ein. Ich wollte zur Lerngruppe und wartete wie immer auf meine Straßenbahn, als mir ein junger Mann entgegen kam. Er stützte einen ziemlich abgerissenen aussehenden Mann, dem man ansehen konnte, dass er stark alkoholisiert war – man roch es übrigens auch 5 Meter gegen den Wind…

Der ältere Mann hatte einen Bluterguß überm Auge und sah aus, als ob er im Leben nicht heil nach Hause kommen würde. Der junge Helfer fragte „kommen sie zurecht?“ der Betrunkene nickte, der Helfer zog sich seien Gummihandschuhe aus (wo um Himmels willen hatte der die her?) und ging. Der Betrunkene saß. 5 Minuten später sah ich ihn auf den Straßenbahngleisen liegen, zwei Passanten halfen ihm auf.

Ich war hin und hergerissen – hingehen und mit ihm reden konnte ich nicht, dazu konnte ich mich beim besten Willen nicht überwinden (ich Schisser, ich). Aber Hilfe holen konnte ich. Also flitzte ich zur Bahnhofsmission – ich dachte mir, die werden sicher helfen können.

Pustekuchen. Ich möge doch einen Krankenwagen oder die Polizei rufen, erklärte man mir lächelnd, während man fleissig weiter heißen Kaffee an die Obdachlosen verteilte, die sich warm sicher und trocken in dem kleinen Raum tummelten.

Ich war fassungslos. Glücklicherweise sah ich ein paar Polizisten auf dem Bahnhofsvorplatz, und sprach die an. Ich erklärte, das es sich um einen stark alkoholisierten Mann handelte, den ich nicht so ohne weiteres allein auf dem Bahnhofsvorplatz laufen lassen wollen würde, da es sich um eine stark befahrene Gegend handelte. Sie riefen dann einen Rettungswagen und dem Mann konnte geholfen werden. Gott sei Dank, denn ich hätte es mir wohl nicht verziehen, wenn er in ein Auto gerannt wäre…

Categories: Frei