Demo gegen braunen Müll

Morgen steigt in der Stadt eine große Demo der NPD, getarnt als „Sozialkongreß“. Sie wollen quer durch die Stadt, an der Hochschule vorbei, marschieren und demonstrieren. Die Polizei geht von etwa 200 NPD’lern aus – dennoch gibt es ein Riesenaufgebot der Staatskräfte, denn der Widerstand gegen die Demo ist groß. Mehrere tausend Menschen haben vor, dagegen zu anzugehen, kann man auf der Seite des stadteigenen Radiosenders lesen.

Ich war ursprünglich eine davon. Ich wollte mitdemonstrieren, wollte meinen Standpunkt zu Ausländern klarmachen und zeigen, das wir keine Nazis in unserer Stadt wollen.

Statt dessen habe ich die letzten Tage mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden verbracht. Das allein würde mich nicht abhalten (hält mich ja auch nicht davon ab, arbeiten zu gehen), aber meine Knie haben sich gestern nur mit Mühe davon überzeugen lassen, dass sie nicht aus Wackelpudding sind. Mit Kreislaufschwäche arbeiten gehen, nun gut, da sitz ich den ganzen Tag – aber ich habe heute dann doch widerwillig eingesehen, das es vermutlich nicht so klug wäre, mitten in einer Demo gegen rechts umzukippen.

Verdammt.

Ich denk an euch morgen.

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Wunsch

Ich wünschte, ich hätte Worte in mir, die beschreiben könnten, die trösten könnten, die alles gut machen könnten.

Ich hab keine und stehe hilflos daneben – und es ist ein beschissenes Deja-vu.

Was bleibt sind Gebete und ein „ich-bin-da“.

Ich schicke Kraft, gute Gedanken und ganz viel Liebe!

Ich denke an euch.

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Frühlingsgefühle

Ich sitz ganz friedlich in der Lobby der Bücherei, da hör ich nebenan ein paar Jungs die Mädels ansprechen:

Wir wissen, das klingt jetzt total blöd, aber wir müssen das jetzt wissen: würdet ihr für 10000 Euro eure Wohnung mit einem Vogel Strauß teilen? Bedenkt, der hätte Zugang zu allen Zimmern.

Die Mädels kichern, guggen überrascht, amüsiert und es entwickelt sich ein Gespräch. Ich denk mir noch so „meine Güte, das ist aber auch echt der dümmste Anmachspruch, den ich seit langem gehört habe“ und möchte es just twittern, da höre ich neben mir eine sanfte Stimme:

Entschuldigung? Darf ich dich mal was fragen: glaubst du an Gott?

Ich drehe mich zur Seite und sehe einen jungen Afrikaner, der mir fast in mein Dekolltee fällt. Innerlich sofort auf Distanz* lächele ich höflich und sage ja. Und amüsiere mich ziemlich über seinen perplexen Gesichtsausdruck. Ja, denke ich, ja, ich sehe schwarz aus, trage dunkles Make-Up, ein keltisches Kreuz und einen tiefen Ausschnitt, und DENNOCH bin ich gläubige Christin. Sicherheitshalber fragt er nach, ich antworte „Ja, natürlich lese ich in der Bibel und gehe in die Gemeinde – ich bin Jesus Freak.“ Er vergewissert sich: „eine Gemeinde für junge Mädchen? Ich habe noch nie davon gehört“ Ich erkläre ihm die Gemeindestruktur und kicher innerlich, als er ziemlich perplex geht – nicht ohne mir gute Wünsche Gottes mit auf den Weg zu geben.

Hach ja… ich mag es, Christ & Goth zu sein :mrgreen:

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*warum werde immer ICH das von Afrikanern gefragt? Ich weiß, dass das jetzt unglaublich rassistisch klingt, aber ihr wärt auch auf Distanz, wenn ihr – so wie ich – fast ein Jahr lang einen Stalker an der Uni hattet, der ein „Nein“ von euch nicht akzeptierte, weil er schwarz war. „Warum sagst du nein? Nur weil ich schwarz bin? Denkst du, ich würde dich vergewaltigen, nur weil ich schwarz bin?“ Er dachte, ich sei DIE Frau für ihn, die eine, die Gott für ihn geschaffen hatte. Und er kam mir mit Nächstenliebe und Rassismus und versuchte, damit ein schlechtes Gewissen zu erpressen – das hörte erst auf, als ich einen Freund aus seiner Gemeinde bat,  mit seinem Pastor zu reden. Der nette Pastor erklärte ihm dann ziemlich schnell, dass die von Gott auserwählte Frau dennoch ein Veto-Recht hat. *seufz*

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Erkenntnis

Nach dem Lesen dreier Texte (wissenschaftliche Studien, die allesamt folgendes aussagen: wir armen armen Frauen werden von der Natur und der Gesellschaft böswillig dazu gezwungen, Kinder zu kriegen (=“Reproduktionstätigkeit“) und können dann NICHT in den von uns angestrebten Beruf zurück kehren, weil der böse böse Staat uns keine Kinderkrippen zur Verfügung stellt, in die wir die Kinder mit einem Jahr (lieber noch eher) abschieben können) und dem Versuch, ernsthaft auf einem feministischen Blog zu kommentieren und damit in eine Diskussion zu kommen (wurde abgeschmettert, indem mein erster Kommentar gar nicht erst zugelassen wurde und man mir im Folgenden unterstellte, ich wäre der Meinung, Frauen sollten bitteschön lieb und nett sein und den Kopf unten halten und überhaupt hätte man hier auf pauschale Angriffe gegen Feministinnen keine Lust, ich könnte bittedanke wieder gehen) habe ich eine Erkenntnis:

Emanzipation ist nichts für mich. Mann reiche mir eine Schürze.

(Ich erwäge ernsthaft, mich am Ende des Kurses, wenn ich meinen Schein habe, vom Krieger mit Kette abführen zu lassen – ich hab nicht umsonst so ein schickes Nietenhalsband hier.)

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kritikfähig?

guggt mal hier: Tatsch-Screen

Mein Kommentar dazu:

Ich frage mich, auf welcher Basis hier eine Diskussion entstehen soll. Ich persönlich finde dieses Plakat nicht schlimm, sondern empfinde es als Spielerei mit Medium und Wort, aber nun gut, da hat wohl jeder seine Meinung und ich spreche euch die eure auch nicht ab.

Ich verstehe nur nicht, warum mir in 4 von 5 Fällen die Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, agressiv begegnen und mehr als “keifende Emanzen” auftreten denn als selbstbewusste Frauen, die für ihre Rechte einstehen.

“Allerdings hoffe ich, dass ihr alle, solltet ihr tatsächlich mal solch einen Popo “touchen”, ordentlich was in die Fresse bekommt. ”

Ja, mit solchen Aussagen bekommt man – oder in diesem Falle eher Frau – sicher eine wirklich vernünftige Diskussion zustande und stellt sich selbst und die eigenen Wünsche und Ziele als wünschenswert dar.

Wurde (noch) nicht freigeschaltet… Ich muss dazu nicht viel sagen, oder? Man mag von dem Plakat halten, was man will – ich finds nur so richtig richtig blöd, dass kritische Kommentare da scheinbar nicht freigeschaltet werden.

Was soll das, darf ich als Frau nicht auch was _gegen_ Emanzipation sagen? Beziehungsweise gegen die verwendete Ausdrucksweise?

Ist genauso dämlich wie die Aussage meiner Dozentin: „Ich habe Männer für diesen Kurs nicht zugelassen. Denn wenn man mit Männern diskutiert, kommt man nicht zu den gewünschten Diskussionsergebnissen.“

Ja hallo? 😯 Wir wollen Gleichberechtigung, aber wir reden nicht mit Männern (oder Frauen, die anderer Meinung sind) darüber? Das ist doch doof! Man kann doch seine Ziele nicht erreichen, indem man sich auf die Straße stellt und solange schmollt und rumschreit, bis man bekommt, was man will?

/ironie on

Ich finds toll, wenn mein Geschlecht sich selbst als keifende Weiber darstellt, die sich nicht anders zu helfen wissen, als den Männern Gewalt anzudrohen. Ja ehrlich, so werden wir bestimmt total ernst genommen! Weiter so, Mädels!

/ironie off

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