wer die Wahl hat

hat die Qual. So oder so ähnlich ging es mir gestern nach dem Gespräch mit dem Anwalt.

Ich habe jetzt die Versicherungspolice hier – und ein Blinder mit Krückstock kann sehen, dass das nicht meine Unterschrift da drauf ist. Im Gegenteil, es ist sogar ziemlich deutlich ersichtlich, das es sich um die Handschrift meiner Mutter handelt.

Jetzt habe ich die Wahl:

– die Schuld auf mich nehmen und bezahlen (der „Titel“, dieser Vollstreckungsbescheid ist ja gültig, weil nicht schnell genug Widerspruch kam) oder

– das ganze groß aufblasen, meine Mutter zur Rechenschaft und somit vor Gericht ziehen, wo sie sich minimum 6 Monate einfangen könnte. Auf bEwährung, hoffe ich, dennoch.

Nach dem ersten Schock und dem ersten Gespräch mit dem Metaller (der da meonte: sie zahlt, sonst gehst du vor Gericht) hbae ich meine Mutter angerufen. Es folgte ein zittriges 45 Minuten langes Gespräch mit Schüttelfrost meinerseits, teilweisem Hyperventiliern und diversen Tränen.

Ich habe mir alles, aber auch wirklich alles von der Seele geredet, habe ihr erklärt, wie heimatlos ich mich fühle („Kind, du kannst immer nach Hause kommen“ – „Nein, kann ich nicht, ich hab da kein Zuhause mehr“) wie hintergangen ich mich fühle („warum hast du nicht eher was gesagt mama?“) und das wir da gemeinsam eine Lösung finden müssen („schick mir die Papiere erst mal wieder“ – „Nein Mama, tu ich nicht. Die kriegen meine aktuelle Adresse, damit deren Post mich jetzt auch direkt erreicht“)

Ich habe ihr gesagt, das ich hoffe, sie bei der Hochzeit meiner Schwester zu sehen („ach, schön das ich auch [offiziell]  erfahre, das sie heiratet“ – „mama überleg dir mal, warum sie es dir nicht gesagt hat…“) und das ich sie nicht verlieren will. Aber auch, das sie was dafür tun muss. ich hab ihr vor augen gehalten wie sie sich benimmt („wie ein 15-jähriger Teenie, ich gönn die das Glück ja, aber mach das nicht über die Beziehung zu deinen Töchtern aus!“) und dass das so einfach nicht geht. sie hat angst uns zu verlieren? dann soll sie was dafür tun, das es nicht so kommt!

45 Minuten schonungslose Ehrlichkeit – kein Rumgebrülle, kein Anzicken, aber ehrlich sagen, wie es mir geht und wie ich die Sache sehe. Dass ich seit 2 Wochen Magenkrämpfe habe, das ich seid 2 Wochen mit mir hadere, ob ich ihr einen Brief schreibe oder nicht und es dann doch nicht tut weil ich mich nicht traue. Weil ich nicht weiß, was ich sagen sollte. Es brach alles aus mir heraus und es war hart. Abver es tat auch gut, ich denke, es war eines der „erwachsensten“ Gespräche, die wir je geführt haben. Auf einer Ebene, von erwachsener Tochter zu Mutter. Ich habe ihr auch gesagt, dass ich notfalls ohne sie zurecht komme – schwerlich, gewiss, aber es ginge. Nur will ich das nicht. Ich will ihr irgendwann ihre Enkelkinder in den Arm legen können ohne das Wissen, das ich das jetzt nur für die Kinder tue. (auch das sagte ich ihr.)

Zum Ende hin war das Gespräch schleppend („Mama, ich werde jetzt keinen Smalltalk mit dir halten, das wären nur höfliche Floskeln“). Wir einigten uns darauf, das wir jetzt erst mal abwarten, wie die Versicherung auf eine Ratenzahlung reagiert. Und dann sehen wir weiter. Gemeinsam. Entweder das, oder sie verliert mich als Tochter.

(das Taubheitsgefühl im Arm rührt übrigens von einer Schultergelenkkapselentzündung her. Habe eine Spritze bekommen und ärztlich verordnet frei bis nächste Woche. Durch die Spritze kribbelt zwar jetzt die Hand nicht mehr so stark, aber der Muskel ist derart gedehnt jetzt das ich die Schulter nicht mehr heben kann ohne Schmerzen 🙁 )

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