Gefährliches Hobby

Klick Klack, Klick, Klack… Wenn ich die Augen schließe und ein bisschen in mich hineinhorche, und wenn ich dann an ein Geräusch denke, das in meiner Kindheit allgegenwärtig war, dann höre ich das:

Klick Klack, Klick, Klack, Klick Klack, Klick, Klack…

Mal schneller, mal langsamer. Dieses sanfte Klick-Klack ist das Geräusch der Nadeln meiner Mama, mit denen sie uns Schals, Pullover, Socken und Handschuhe strickte. Meine Mama kann das gut, sie strickt ohne hinzusehen und hat Unmengen an verschiedenen Mustern drauf. Meine Mama strickt sogar Sachen, die sehen hinterher wie gehäkelt aus (das schimpft sich dann Filet-Stricken, fragt mich nicht, es sieht filigran aus, mit vielen Löchern, die genau da sind wo sie hinsollen) Na jedenfalls hab ich meine Mama früher selten abends ohne ihren Handarbeitskorb gesehen, sie saß da und strickte und strickte. Man kann sich also denken, das ich schon relativ früh die Nadeln in die Hand nahm und das Stricken lernte. Ich kann mich erinnern, in der dritten Klasse oder so, da war meine Mama sogar in meinem Textilunterricht als „Lehrer-ersatz“, weil meine damalige Lehrerin nur Stricken für Rechtshänder erklären konnte und wir doch einige „Linkspfoten“ in der Klasse waren.

Ich strick ja gern – ich finds das echt entspannend und meditativ – ich glaub, das hab ich von meiner Mama 😀 Aber wenn ich mir das da unten so ansehe, dann sollte ich mir das mit dem „Stricken ist so beruhigend“ vielleicht noch mal überlegen und mir ein ungefährlicheres Hobbie suchen – Haifische mit der Harpune erlegen oder so :mrgreen:

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Categories: Frei

das Lächeln gegen Kopfchaos

Heute war ein extem blöder Tag – ich musste um 6 aufstehen, um dann zitternd vor Kälte zur Arbeit zu fahren. Nach der Arbeit zur Krankenkasse, finanzielle Dinge geklärt – das war kein schönes Gefühl, und ich kam mir hinterher nicht besser vor – ich werd nie wieder bei der Krankenkasse betteln gehen! Im Anschluss dachte ich mir, tu ich mal was für mein Gewissen und die Moral und geh in die Bücherei, lernen – Referate halten sich nicht von allein, und je eher ich anfange desto besser. Also nach Hause, Kaffee gekocht und den Laptop eingepackt und dann gefühlte 5 Kilo in der Tasche in den Bus geschleppt. In der Bücherei angekommen Tasche auspacken, alles in nen Korb schichten und reingehen – war wohl nix. Ein junger Mann hält mich an, fragt mit leichtem nachsichtigen Lächeln „Das wollen sie alles mit reinnehmen? Das geht so aber nicht – sind sie etwa das erste Mal in der Bücherei?“ Die Thermoskannen waren es, die er mir verbot – ich dürfe keinen Kaffee mit reinnehmen, weil man dann ja offene Becher am Tisch stehen habe. Auf meine geschockte Frage, ob er mich ärgern wolle, antwortete er „Nein -lassen sie die Sachen hier, sie können ja auch runter kommen und hier Lernpause machen“ Ja klar. Als ob ich jedesmal, wenn ich nen Kaffee möchte, meinen Laptop herunterfahren und mitnehmen würde – von den Büchern ganz zu schweigen. Ich kann doch nicht jedes Mal meinen Laptop unbeaufsichtigt lassen und meinen Arbeitsplatz mit Büchern beladen liegen lassen, nur weil ich nen blöden Kaffee will!!! Was denkt der sich denn??? Blödmann! Wie soll man denn da in Ruhe fertig werden? Da fällt mir ein, Gerüchte aus dem Prüfungsamt besagen, das im September 2009 mit den Magisterstudiengängen Schluss sein soll – fein oder? Da fragt die schlaue Studentin sich doch, warum um alles in der Welt kein Student davon was weiß? Letzter Stand der Dinge ist 2011, das ist die Info, von der jeder Student der alten Studiengänge ausgeht – und jetzt soll schon 2 Jahre eher Schluss sein. Find ich prima, dann hab ich noch genau 10 Monate, um scheinfrei zu werden, mir ein Magisterthema zu überlegen und das anzumelden. Wenn das keine Motivation ist, ich brauch ja auch nur noch 3 Prüfungen und 6 große Scheine (für alle Nicht studierenden: 7 Hausarbeiten a 15-20 Seiten, von denen eine als schriftliche Prüfung gilt und 2 mündliche Prüfungen a 15 Minuten) Vor allem hab ich neben der Arbeit ja auch soviel Zeit 🙁 Ich will mal ein richtiges Wochenende frei haben, so von allem. Ohne Freitags Uni, Samstags lernen und Sonntags arbeiten müssen – aber das wird so schnell wohl erst mal nichts.

Ich war also dementsprechend fertig und genervt und fuhr voller Wut im Bauch mit meiner immer noch 5 Kilo schweren Tasche (ich hatte ja den ganzen Kaffee wieder mitgenommen) nach Hause. So nebenbei gingen mir all die Dinge durch den Kopf, die ich gerade geschildert habe, zudem noch der Gedanke an meine Familie, die von meinen Verwandten wegen meinem Blogeintrag bezüglich meines Opas geschnitten wird ich frage mich, warum eigentlich die das so offen mitbekommen und ich als Verursacher werde nicht angesprochen (so nebenbei – Kommentare, die das Feuer weiter schüren können, werden von mir rigoros zensiert, ich will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, der Umgang untereinander ist schon schwierig genug). All das verursachte ein ziemliches Kopfchaos, Magenschmerzen vor Bedrücktheit, Tränen in den Augen vor Wut. Mir reichte es. Es stand mir quasi bis über beide Ohren. Also beschloss ich, den Abend beim Mann neben mir zu verbringen und mich um den Kram zu kümmern, den ich in der Bücherei nicht geschafft hatte. Ich stieg in die Strassenbahn – meine Wut hing als kleines grünes Ekel an meinem Rockzipfel. Ich sah mich um – da sah ich ihn. Es. Sie – Gottes Herrlichkeit. Sie saß in Gestalt eines jungen langhaarigen blonden Mannes mit Vollbart in der Bahn. Er saß in aller seelenruhe in der Bahn und las die  Bibel. In aller Öffentlichkeit. Kennt ihr das Gefühl, wenn man jemanden sieht und genau weiß, das ist einer von deinesgleichen? Der würde dich sofort verstehen, wenn du ihm etwas erzählen würdest? Es war – ich lächel immer noch, wenn ich an ihn denke. Ich habe einen Engel gesehen und er trug Blue Jeans und abgewetzte braune Turnschuhe. Meine wut verpuffte sofort und ich fühlte mich gut. Ich dankte Gott, das er mich daran erinnerte, das es ihn gab. Während der ganzen Fahrt sprach ich kein Wort mit dem jungen Mann, aber konnte es nicht lassen, ihn durch die Scheibe zu beobachten. Irgendwann trafen unsere Blicke sich in der Scheibe und wir lächelten uns an – aber gesagt haben wir keinen Ton. Wir wussten, das wir gleich waren – Königskinder, Christen. Als er ausstieg hatte ich kurz den Impuls, ihn anzusprechen, aber ich tat es nicht. Hinterher bedauerte ich es ein wenig – dann sah ich sein Lachen. Er sah mich durch die Strassenbahntür an und lachte mir zu – in dem Wissen, in mir eine Schwester gefunden zu haben. Seitdem „schwebe“ ich ein bisschen auf Wolke sieben – nicht wegen dem jungen Mann, sondern wegen dem Gott, der sich mir auf diese Art und Weise wieder in Erinnerung brachte

Categories: Stunde des Lichts