Übers WE dicht

wie schreibt man sowas, ohne das man in den verdacht gerät, das jetzt nur wegen mehr klicks und mehr kommentaren zu bloggen? Tod ist halt ein heikles thema. Aber ich blogge ja nicht, damit es möglichst viele Leute lesen – also nicht nur jedenfalls, ich blogge, weil Schreiben für mich ein Ventil ist, um mit mir selbst, der Welt und meinen Gefühlen umgehen zu können.

Ich hab heute morgen einen anruf bekommen, von meiner schwester, das mein opa im sterben liegt. nun, mein opa ist ein alter mann, und er liegt schon länger im sterben (ja ich weiß wie das klingt, aber sarkastisch werden ist nun mal meine art, mit schocks umzugehen, verd*mmt)

Schon Anfang Februar wussten wir, das mein Opa Darmkrebs hat – und das der Krebs nicht operiert werden kann. Er saß an einer mehr als ungünstigen Stelle.  Anfang Februar – eigentlich lassen einem 6 Monate doch genug Zeit, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen. Eigentlich sollte ich doch nicht so geschockt sein, das mein Opa jetzt im Krankenhaus auf den Tod wartet. Zumal er seit ein paar Tagen die Nahrung verweigert hat – richtig ins Gesicht gespuckt hat er meiner Mama das Essen. Wie gesagt, mein Opa ist stur. Und wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, dann schafft er es auch 🙁

Ich bin hin und hergerissen. Ich war geschockt, ich bin traurig – oder bin ich das eher aus Pflichtgefühl? Ich bin harmoniesüchtig, und das schließt Familie mit ein – also wird auch um meinen Opa getrauert, ob ich will oder nicht? Gnah, ich red Unsinn! Fakt ist, ich kenne meinen Opa kaum – ich hab ihn als mürrischen alten Mann kennen gelernt, der gern zu tief ins Glas geguggt hat (er war ein Säufer, um es genau zu sagen, meine Mutter hat ihn dann von der Flasche weggeholt). Mein Opa war nie ein Märchenopa, und er wird es nie werden. Er hat nie viel von früher erzählt, teilweise, weil er sich nicht erinnern konnte, teilweise, weil er es sicher nicht wollte – ich würde auch nicht freiwillig über meine Zeit im Arbeitslager der NSD*P reden wollen, wenn ich Pole wäre.

Ich hätte Zeit gehabt, ihm näher zu kommen, ein halbes Jahr – aber ich habs net getan. Und nun werd ich nicht mehr die Zeit haben, meinen Opa kennen zu lernen.

Mein Blog ist übers WE geschlossen, wenn ich ihn schon nicht kennen gelernt habe, dann kann ich mich wenigstens vernünftig von ihm verabschieden.

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